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Hans Günter Winkler zum 85. Geburtstag PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Samstag, 23. Juli 2011 um 10:37

 

"Warum sie - und nicht ich..."

 

Ascona. Er ist der erfolgreichste olympische Springreiter aller Zeiten, verehrt, geliebt und auch verdammt, an diesem Sonntag, 24. Juli, wurde er 85 Jahre alt – in Ascona. Ohne Feier, gebrochen von Trauer nach dem Tod seiner Frau Debby im Februar. Allein war er am Lago Maggiore an seinem Geburtstag bei einem Reitturnier nicht.

 

 

Seit dem 21. Februar ist er auf der Flucht, vor der Einsamkeit. An diesem Tag erlag seine Frau Debby den schweren Verletzungen in der Uni-Klinik in Münster. Die versierte und auch routinierte Reiterin war drei Tage zuvor am Boden liegend bewusstlos gefunden worden, wahrscheinlich nach einem Sturz vom Pferd auf dem Heimritt von der Halle der Bundeswehrsportschule in Warendorf in den nur einige Hundert Meter entfernten heimatlichen Stall. Es gibt keine Zeugen, nur Vermutungen. Diagnostiziert wurden schwere Kopfverletzungen trotz des schützenden Reithelms und Brüche der Wirbelsäule. Sie wurde nur 51 Jahre alt. Hans Günter Winkler stellt sich seither ständig die Frage: „Warum sie – und nicht ich? Sie war mein Leben, mein Alles.“ Um allem an diesem 24.Juli aus dem Wege gehen zu können, haben ihn seine Freunde Prinzessin Marie-Antoinette zu Fürstenberg und deren Ehemann Thomas Bagusat sowie Christian Freiherr von Dücker-Reichsgraf von Plettenberg zur internationalen Veranstaltung nach Ascona mitgenommen, „Christian Plettenberg“ (er über sich) ist dort wie auch in Aachen beim CHIO Turniersprecher.

 

Erster Europameister – davor schon Weltmeister

 

Deutschlands erster Europameister war 1957 Hans Günter Winkler. Auf  Sonnenglanz triumphierte er in Rotterdam beim erstmals ausgetragenen Championat des alten Kontinents. Bis zu diesem Titel hatte Winkler bereits alles gewonnen, was ein Springreiter damals gewinnen konnte. Er war schon zweimal Weltmeister,  und er war Olympiasieger. Er wusste immer, was er wollte, und wie kein anderer pflegte er sein Image als Sportler und Teil der besseren Gesellschaft.

 

Der 13. Juli 1950 – Wendepunkt im Leben

 

Fast wie am Reißbrett plante er sein Leben, „ich wollte der beste Springreiter der Welt werden.“ Winkler kann seine Vita aufsagen wie ein Gedicht, die Erfolge, seine Pferde, seine Leiden. Und doch war ein Datum in seinem Leben richtungsweisend für alles, was danach kam: Warendorf, 13. Juli 1950. Er trifft erstmals die Stute Halla. Das Deutsche Olympiadekomitee hatte ihm nur kurz zuvor mitgeteilt, er solle die Stute reiten und bei einer Vielseitigkeit in Bad Hersfeld vorstellen. Als er im Sattel saß, „merkte ich sofort, dass vor mir wahrlich keine leichte Aufgabe lag.“  Sie ist eigensinnig, sensibel, manchmal auch stur. Nach guten Sichtungsprüfungen gehört Halla zum Lot der möglichen Olympia-Pferde für die Reiterspiele 1952 in Helsinki, aber nicht unter Winkler, sondern unter Otto Rothe. Hans Günter Winkler war nämlich der Amateurstatus aberkannt worden, weil er in den Jahren nach Ende des Zweiten Weltkriegs   amerikanischen Offizieren Reitunterricht erteilte.

 

Flakhelfer in Thüringen

 

Das Ende des Krieges hatte der Flakhelfer Winkler in Thüringen erlebt. Er wird von den Amerikanern gefangen genommen, er flieht, schlägt sich durch zu seiner Mutter Emmi nach Frankfurt/ Main, der Vater, Reitlehrer von Beruf, war in den letzten Tagen des Krieges umgekommen. Winkler ist 20 Jahre alt, krank, ausgemergelt, ohne Arbeit. Über einen Freund seines Vaters findet er 1946 einen Job im Reitstall des Schlosses Friedrichshof in Kronberg, wo sich amerikanische Offiziere einquartiert hatten. Winkler erteilt den amerikanischen höheren Chargen, darunter auch der spätere US-Präsident Dwight D.Eisenhower, Reitunterricht. Ein Amerikaner möchte den jungen Deutschen gar adoptieren, „die Idee war verlockend, das kaputte Deutschland hinter sich zu lassen und in die USA auszuwandern, wo es alles gab, nur keinen Hunger“ (Winkler). Er bleibt der Mutter zuliebe.

 

1948 erster Sieg in Hünfeld

 

In Deutschland erwacht auch der Turniersport wieder. Auf einem kleinen Zettel hält Winkler fest: 10.Oktober 1948, 1.Sieg, Hünfeld, auf Falkner. Er kommt 1949 auf 21 Erfolge. In Dillenburg in Hessen wird  im gleichen Jahr das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) unter Dr. Gustav Rau neu gegründet. Der große Hippologe, der das Komitee inzwischen nach Warendorf verlegt hatte, sagt Anfang 1950 zum damals 23 Jahre alten Winkler: „Kommen Sie doch zu uns.“ Winkler kommt. Mit drei Pferden am Strick, ohne Geld. Morgens reitet der gelernte Bankkaufmann aus Wuppertal-Barmen  Schulpferde am Komitee, nachmittags arbeitet er in einer Bauschreinerei. Er wohnt in der Reitschule, Rau stellt ihm kostenlos für die Pferde Boxen zur Verfügung.

 

„Untaugliche“ Halla soll abgeholt werden

 

Halla, das Ergebnis der Paarung einer französischen Beutestute und des Traberhengstes Oberst, lässt sich nicht zu einem Military-Pferd umerziehen. Rau ruft Besitzer und Züchter Gustav Vierling in Darmstadt an: „Holen Sie bitte die Stute wieder ab. sie ist für den Sport nicht tauglich.“ Vierling kommt nach Warendorf, widerspricht Rau und bittet Winkler, sich der Stute anzunehmen. Vor dem Hotel „Kaiserhof“ wird das Abkommen per Handschlag besiegelt.

 

Nach Olympia 1952 in Helsinki darf Hans Günter Winkler nicht. Wegen seiner Lehrtätigkeit für die amerikanischen Offiziere im Taunus war er zum Profi erklärt worden, und nach der damaligen Zulassungsregel blieb Olympia den Berufssportlern verschlossen. Auf Initiative von Willi Daume, dem Vorsitzenden des Deutschen Sport-Bundes, wird Winkler im Herbst des gleichen Jahres wieder in den Status des Amateurs versetzt, doch Olympia war passe, „und das ärgert mich noch heute, dass ich in Helsinki nicht reiten durfte.“

 

Der Ritt in das Walhall des Sports verläuft für ihn dennoch ohne störende Paraden. Er wird dank Halla 1954 in Madrid erstmals Weltmeister, er ist endgültig in der Weltspitze angelangt.

 

Zweiter WM-Titel 1955 – und dann Olympia 1956...

 

Wieder Weltmeister 1955, diesmal in Aachen. Er hat seinen Stil umgestellt, ganz auf den italienischen, benutzt als Halt im Sattel vor allem das Knie, lässt die Unterschenkel nach hinten „wischen“, die Knie fangen beim Landen nach dem Sprung das Körpergewicht weich ab. Er hat viel  bei den Gebrüdern Piero und Raimondo d`Inzeo aus Italien abgeguckt.

 

Dann kommt „Olympia der Reiter 1956“ in Stockholm. Am 17. Juni reitet Hans Günter Winkler um die Goldmedaille, die eigene und die der Equipe mit Fritz Thiedemann auf  Meteor und Alfons Lütke-Westhues auf Ala. Halla hat keine Probleme mit dem Parcours. Dann der 13.Sprung, steil und 1,60 m hoch. Im Flug geht ein Ruck durch den Pferdekörper, wie ein Blitz durchzuckt der Schmerz den Reiter. Halla reißt die letzte Hürde. Winkler wird halb ohnmächtig aus dem Sattel gehoben. Diagnose: Muskelriss in der Leiste an der Bauchdecke. Tabletten und Spitzen mindern die Qualen. Zweiter Umlauf, 14 Hindernisse, 17 Sprünge, ein Martyrium. Winkler hängt teilweise fast hilflos auf dem Rücken, am Hals, kaum fähig, Hilfen zu geben, hält nur Führung zum Pferdemaul über die Zügel. Er schreit ständig auf, die Zuschauer lachen, sie meinen, er wolle seine Stute aufmuntern, Halla geht fehlerlos, Hans Günter Winkler ist Olympiasieger, und mit ihm die Equipe. An diesem 17. Juni 1956 wird HGW unsterblich. Er geht in die Sportgeschichte ein.

 

Auf Briefmarken und mit Orden

 

Das Fernsehen bringt später einen Streifen „Das ist Ihr Leben“, Briefmarken mit seinem Konterfei werden gedruckt, zusammen mit seinem Kollegen Fritz Thiedemann wird er mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet, zwei Damen verehren ihn derart, dass sie ihm ihre Häuser vererben, Warendorf macht ihn zum Ehrenbürger.

 

Er gewann in seiner Karriere rund 600 schwere Springen, er war zweimal Weltmeister, fünfmal Olympiasieger, zwischen 1952 und 1981 reitet HGW 105-Mal für Deutschland in einem Preis der Nationen „und dabei immer für Deutschland, denn ich war immer stolz, ein Deutscher zu sein.“ Zweimal wird er „Sportler des Jahres“ in Deutschland, einmal des Jahrzehnts, als Erster erhält er im Mai 2000 die neu geschaffene „Goldene Sportpyramide“. Am 12. Juni 2008 wird er in Warendorf zudem  von NRW-Innenminister Dr. Ingo Wolf  mit dem  „Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ ausgezeichnet. Als Königin Elizabeth II zu Gast in Deutschland ist, bittet sie darum, Hans Günter Winkler als Tischnachbarn zu haben...

 

Ihm haftet kein Stallgeruch an

 

Winkler war nie ein Mann des Volkes, ihm haftet kein Stallgeruch an,  immer scheu, misstrauisch, auch einsam. Das Leben hat ihm nichts geschenkt, daraus lernte er. Und, so antwortete er mal auf die Frage, an was er glaube: „An mich selbst.“ Und über sich selbst sagt er: „Ich war immer Einzelkämpfer, immer Einzelgänger. Wenn man meinte, ich läge am Boden, dann war ich besonders stark.“

 

Am 13. Juli 1986 trat „HGW“ von der großen sportlichen Bühne ab, mit einer letzten Ehrenrunde beim Abschied der Nationen in Aachen. Das Kapital seines sportlichen und gesellschaftlichen Aufstiegs war Halla. Die Stute wurde 34 Jahre alt, sie starb im Mai  1978 bei ihrem Züchter Gustav Vierling in Darmstadt.

 

 

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