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CSIO Spruce Meadows bei Calgary mag keine deutsche Springreiter-Equipe mehr... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Donnerstag, 08. September 2011 um 17:16

Calgary/ Kanada. Neben der Global Champions Tour wird das meiste Geld im Springreiten  in „Spruce Meadows“ hinter der Stadtgrenze  der kanadischen Millionen-Stadt Calgary gewonnen. In diesem Jahr umgerechnet 4,5 Millionen Euro bei verschiedenen Turnieren aller Klassen,  an diesem Wochenende beim sogenannten Masters 1,5 Millionen. Zum zweiten Mal hintereinander ist keine deutsche Equipe im Preis der Nationen des CSIO am Start.

 

Heinrich-Hermann Engemann kam vor fünf Jahren erstmals nach Spruce Meadows. Als der 45-Malige Nationen-Preis-Reiter und inzwischen als Disziplintrainer geschätzte Blonde  nach 20-stündiger Anreise auf dem riesigen, liebevoll gestalteten Gelände stand, frotzelte er: „Mich kotzt solche Armut an.“ Die Springreiterwelt wollte und will seit Jahren nach Spruce Meadows vor der Stadtgrenze der Olympiastadt von 1988. Nicht nur alleine wegen der hochdotierten Prüfungen, auch weil jeden einzelnen eine unglaubliche und aufrichtige Herzlichkeit empfängt. Man trifft sich einfach gerne auf dem Areal der Familie Southern.

 

Deutschland, von Anfang 1977 und auch noch als Nationen-Preis-Sieger immer dabei, ist in diesem Jahr allein durch den jungen Andreas Kreuzer aus Mühlen vertreten. Eine Offerte an eine deutsche Equipe erging zum zweiten Mal hintereinander nicht. Bundestrainer Otto Becker (52), der als bisher einziger Deutscher zweimal den Großen Preis gewinnen konnte, 1990 und 2003, sagte, er habe mit Turnier-Präsidentin Linda Southern-Heathcott (48) telefoniert, die habe ihm nur geantwortet, Anfang des Jahres sei das so entschieden worden. Nach wie vor werden die einzelnen Mannschaften zum zweiten Offiziellen Internationalen Turnier (CSIO) neben Toronto eingeladen, wer dazu gehört, das entscheidet der Veranstalter, zumal er einen Teil der anfallenden Flugkosten übernimmt. Otto Becker: „Wir möchten natürlich wieder gerne nach Spruce Meadows…“

 

Spannungen seit 2005 mit Deutschland

 

Letztmals in Spruce Meadows ritt 2005 Ludger Beerbaum (Riesenbeck), einst Dauergast auf dem Areal. Der neunmalige deutsche Meister hatte sich mit Patriarch Ron Southern (81) bei jenem CSIO angelegt. Grund: Auf dem nach ständigem Regen, Hagel und Kälte aufgeweichten Platz verweigerten die einzelnen Mannschaften nach einem Umlauf den zweiten Durchgang im Preis der Nationen. Southern tobte und schäumte, es nutzte nichts. Beerbaum (48) damals: „Wir haben einen Umlauf geritten, wir bekommen noch Geld. Und solange nicht gezahlt wird, reite ich dort nicht mehr.“ Ron Southern schloss die Kasse ab, er  sah alles anders und konterte: „Nicht einmal eine halbe Stunde nach dem Streik meldeten alle ihre Pferde für den mit einer Million kanadische Dollar dotierten Grand Prix 24 Stunden später, da war von Schonung der Pferde, schlechtem Boden, Regen und Kälte nichts mehr zu hören, obwohl  noch mieseres Wetter voraussagt wurde.“ Southern verlangte später von Beerbaum eine Entschuldigung, doch da prallten zwei Sturköpfe aufeinander, der deutsche Rekordinternationale verweigerte, wie erwartet. Seither sind die Beziehungen zwischen Spüruce Meadow und deutschen Reiterei eher frostig.

 

Obwohl Ron Southern inzwischen für seine Tochter Linda den Sessel als Präsident von Spruce Meadows räumte, das Sagen hat er weiter. Er herrscht nach wie vor auf dem 1,3 Millionen Quadratmeter großen Terrain. Er liebt Tradition und ist hart wie Stahl. Trotz eines schweren Hüftleidens und kaputten Knies steht er wie ein Baum bei jeder obligatorischen Abnahme der Teilnehmerparaden vor einem großen Springen. Er hat auch eigene Regeln in Spruce Meadows eingeführt, die Zeit wird in einem Springen auf Tausendstel gemessen, und wer den Großen Preis zu Ende reitet, erhält wenigstens noch umgerechnet 2.500 Euro. Und er entscheidet im Preis der Nationen über den Abstieg ganz allein, das heißt: Wiedereinladung oder Ausladung für das kommende Jahr.

 

Australier Kevin Bacon „entdeckte“ Spruce Meadows

 

Der eigentliche Entdecker des Turniers für den „Rest der Welt“ war  Kevin Ahley Bacon, bald 80, früher ein Wanderer zwischen der alten und neuen Welt. Der Australier fuhr nach den Olympischen Spielen 1976 in Montreal nicht zurück nach Hause,  sondern zigeunerte mit einem alten LKW und Pferd durch die Gegend und schlug die Route gen Westen ein. Er passierte bei seinem Trip auch Calgary. Bacon: „Ich sah auf einem kleinen Plakat, dass da irgendwo ein Turnier stattfindet. Ich suchte eigentlich in diesem Moment eher eine Unterkunft für mein Pferd und mich als ein Turnier.“

 

Kevin Ashley Bacon („KAB“) war auf  Spruce Meadows gestoßen. Er gewann sogar den ersten dort abgehaltenen Großen Preis des 1. Internationalen Turniers. Gerademal 800 Zuschauer waren gekommen. Doch Bacon trug danach wie ein bezahlter Herold die Kunde von Spruce Meadows in die Welt.

 

Seit 1977 gehört Spruce Meadows zu jenen Orten, die ein Offizielles Internationales Springreiterturnier (CSIO) veranstalten dürfen. Die Anlage umfasst inzwischen Stallungen für 600 Pferde (dazu bei Turnieren Zelte für weitere 400), zwei Hallen, sechs Gras- und sechs Sandplätze,  eine eigene TV-Station, 87 feste Angestellte, 20 Gebäude. Es wird immer weiter gebaut, den Interessierten steht Spruce Meadows täglich offen.

 

„Tellerwäscherkarriere“ von Ron Southern

 

Ron  Southern, der „Erfinder“ von Spruce Meadows,  selbst hat die bekannte Tellerwäscherkarrieren hingelegt. Sein Vater Samuel Donald, Feuerwehrmann, vermietete nebenbei Anhänger, um dem Sohn das Medizin-Studium in Calgary zu finanzieren. Ron sagte eines Tages seiner Frau Marg, die er während der Studienzeit geheiratet hatte und die Sportlehrerin werden wollte: „Wir machen etwas anderes. Ich übernehme einen Job bei der Alberta Trailer Company“, und er fügte hinzu: „Wir bereuen nichts.“ Er wurde Direktor bei  ATCO, einem riesigen Unternehmen mit 7.000 Mitarbeitern, das beispielsweise u.a. Container-Häuser auf Rädern  mit allem Schnick-Schnack entwirft und baut, Anfang der 50er Jahre ein Glücksfall zum Reichwerden. Während der Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary bewohnten Sportler und Medienleute ATCO-Container.

 

Ron Southern lebte viele Jahre nur seinem Beruf, er arbeitete 18 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Er engagierte sich zusätzlich in anderen Industriezweigen, vornehmlich aber in der Gas- und Ölförderung des zweitgrößten Landes der Erde. Sein Motto: „Was Du machst, mache es richtig – oder gar nicht.“ Er wurde mehr als wohlhabend. Sein Gesundheitszustand jedoch verschlechterte sich. Seine Frau überlistete ihn, sie brachte ihn zum Pferd als Ausgleich, wie ein Arzt vorgeschlagen hatte. Nachdem die Töchter Nancy und Linda immer besser ritten, erwarb er Land, schaute sich in Europa um, schickte Nancy zum Training nach Mühlen zu Alwin Schockemöhle und baute eine kleine Anlage, die heute Spruce Meadows heißt. Beim Hannoverschen Verband kaufte er 1968 das Pferd mit Namen Sentgraf, seither verbindet den Verband und Southern mehr als Freundschaft.

 

Albert Kley wollte nur ein Jahr bleiben...

 

1971 holte er sich Albert Kley (68) vom Landgestüt in Celle  als  Chef. Bis heute gilt der Vertrag per Handschlag. Albert Kley wollte ein Jahr bleiben, er werde jedoch nach eigenen Worten kaum mehr Kanada verlassen. Er ist in diesem Land als großer Pferdemann von allen geschätzt. Sein Monatsgehalt am Anfang: „Umgerechnet 2.400 Mark, Wohnung frei und ein Auto. Ich sparte im Jahr 10.000 Mark.“ Und er sagt: „Ich konnte ja kein Englisch, aber es gab nie einen Moment, dass Ron Southern angefangen hätte zu schimpfen, weil ihm etwas nicht passte, auch nicht wegen Verständigungsschwierigkeiten. Im Gegenteil: Er fragte immer nur, wo er helfen könne.“

 

Albert Kley hat die Ausbildung der Lehrlinge und das Gestüt von Spruce Meadows unter sich.  Einmal im Jahr sind auf Spruce Meadows rund 600 Schüler aus ganz Kanada eingeladen, sie werden unterrichtet in Pflege, Fütterung, im Satteln eines Pferdes und über  Turnierreglements. Am Schluss dürfen alle selbst aufs Pferd.

 

Auch Herbert Meyer in der „Ruhmeshalle“

 

Wie nicht anders zu erwarten, wurde auch auf „Spruce Meadows“ eine Ruhmeshalle eingerichtet, und zwar bereits 1975. Zu den 28 Persönlichkeiten in der „Hall of Fame“ gehört seit 2001 auch der frühere deutsche Bundestrainer Herbert Meyer (72). Als einziges Pferd steht der belgische Wallach Big Ben mit seinem Reiter Ian Millar auf der Tafel, auf  Big Ben hatte der kanadische Mannschafts-Olympiazweite Ian Millar (64) zwei Mal – 1988 und 1989 – den Weltcup gewonnen, aber auch 1991 den Grand Prix von Spruce Meadows. Er ist nach wie vor das ganz große Reiteridol Kanadas.

 

Ian Millar, der neun Mal an Olympischen Reiterspielen und an den Ersatzspielen 1980 in Rotterdam teilnahm – steht in „Spruce Meadows“ auch auf der „Prämienliste“ ziemlich vorne. Die Kladde führt vor ihm Kanadas Olympiasieger Eric Lamaze mit umgerechnet 2.054.860 Euro an, doch dann kommt bereits Ian Millar (1.940.960), Dritte ist bisher US-Mannschafts-Olympiasiegerin Beezie Madden (1.929.820). Auf der neunten Position folgt trotz langjähriger Turnier-Abstinenz Ludger Beerbaum (1.012.540) als Letzter der Turnier-Millionäre.

 

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