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Dressur-Meistercoach Georg Wahl wurde 90 Jahre alt PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Sonntag, 21. Februar 2010 um 11:35
Kirchberg/ Schweiz. Er war der Sjef Janssen der Vorzeit. Er wollte wie der heutige niederländische Erfolgstrainer immer nur eines, nämlich den Erfolg. Und er war ein Fuchs, einer, der mit allen Wassern gewaschen war. Er, Georg Wahl, der an diesem Sonntag 90 Jahre alt wurde.

 

Georg Wahl wurde am 21. Februar 1920 auf dem schlesischen Gestüt Kosel geboren, wo sein Vater arbeitete. Dort auf dem Gestüt begann auch der junge Wahl zu reiten, und zwar meist ohne Sattel. 1939 wurde er zu den Berittenen der damaligen Wehrmacht eingezogen, sein Kommandeur war der später weltweit als Pferdemann anerkannte Hans-Joachim Köhler aus Verden. Köhler, so wurde später berichtet, veranstaltete mal zur Abwechslung zum Soldatenalltag 20 km hinter der Front ein Dressurturnier -  Wahl war der Beste, was als Beobachter der österreichische Olympiadritte von 1936, Alois Podhajsky, ebenfalls bemerkte. Podhajsky, damals Oberst und ab 1938 Chef der Spanischen Hofreitschule, holte 1940 den zwanzigjährigen Wachtmeister an das Institut nach Wien. Bis 1951 blieb der Beamte Wahl in der österreichischen Hauptstadt, mit der "Spanischen" ritt er in der ganzen Welt. In der Schweiz lernte er den berühmten Zirkusdirektor Fredy Knie kennen, er war fasziniert, wie der Eidgenosse auf die Psyche eines Pferdes eingehen konnte. Zwei Jahre blieb er beim Zirkus, mit dem Chef ritt Georg Wahl einen viel beachteten Pas de Deux. 1955 übernahm Wahl die städtische Reitschule in Bern, dort lernte er Christine Stückelberger kennen, „die hatte Dressur im Blut“, wie er später mal erzählte. Er kümmerte sich um ihre reiterliche Ausbildung und um anderes auch. Die 27 Jahre jüngere Christine Stückelberger und er wurden ein Paar ohne Eheringe, und blieben es bis heute.

 

"Entscheidende Zeit für die Erfolge"

 

1967 ließ sich Wahl erneut von der Spanischen Hofreitschule verpflichten, machte sich dann aber vier Jahre später selbständig in Salzburg. „Diese Zeit“, so erinnert er sich, „war für mich und Christine entscheidend, ich konnte die späteren Erfolge von ihr vorbereiten.“ Und natürlich die von Granat, einem Holsteiner Wallach, der auf Gut Ising am Chiemsee der Schrecken aller war. Später hörte die blonde Besitzerin, die 1981 als erste Frau ins Schweizer Nationale Olympische Komitee gewählt worden ist, „dass man froh war, so Dumme wie uns gefunden zu haben, denn Granat galt auch als unreitbar.“

 

Olympiasiegerin auf halb blindem Pferd

 

Christine Stückelberger entdeckte Granat 1969 und kaufte ihn für 13.000 Mark, gab ihn wieder ab, weil er angeblich ein reines Männerpferd war, holte ihn dann aber 1971 wieder zurück. Granat war auf dem rechten Auge blind, deshalb besonders schreckhaft. Georg Wahl erkannte die besonderen Fähigkeiten des Consul-Nachkommen, der zunächst Cognac hieß, aber auf Granat umgetauft wurde, weil Wahls Pferde immer Namen von Edelsteinen trugen. Granat war intelligent und sehr sensibel, eben eine echte Persönlichkeit. Er lernte rasch, „wir drei wurden ein echtes Team“, sagt Georg Wahl. Mit Ruhe und Geduld wurde Granat aufgebaut. Vor Prüfungen führte der Coach den Wallach an einem Führstrick spazieren, zeigte ihm alles, redete mit ihm, gab ihm Vertrauen. Andere wie Wahl, sicher einer der besten Ausbilder der Welt, wären an einem solchen Pferd verzweifelt. Vor allem auch deshalb, weil er immer die höchste Aufmerksamkeit forderte.

 

Mit Granat wurde Christine Stückelberger 1975 und 1977 Europameisterin, sie gewann Olympisches Gold 1976 in Bromont vor den Toren Montreals, sie verließ Goodwood 1978 als Weltmeisterin und als Siegerin beim „Ersatz-Olympia“ 1980 in Goodwood. Und dabei hatte ein deutsches Magazin noch einige Jahre zuvor geschrieben: „Granat schreit nach der Deichsel der Kutsche...“

 

Nach Gold erst einmal ein Anpfiff...

 

Als Trainer war Georg Wahl auch gegenüber Christine Stückelberger unerbittlich. Nach ihrem Olympiasieg 1976 holte sie sich nach der Prüfung zum Beispiel erst einmal eine ordentliche verbale Abreibung ab, Wahl monierte im Moment des Triumphes kleine Fehlerchen, und zwar recht deftig. Aber der Schlesier war auch gewitzt, er beherrschte die sportpolitische Diplomatie wie kein anderer. 1975 beim deutschen CHIO in Aachen warf er so nebenbei am Tag vor dem Grand Prix hin, er habe gehört, Granat werde ganz besonders streng bewertet. Als Christine Stückelberger und Granat 24 Stunden später mit Bestnoten das Viereck verließen, als sieger wiet vor dem Rest der Konkurrenz, sagte Wahl: „Welche Noten muss Granat erst erhalten, wenn er wirklich sehr gut geht...“

 

Mit Richtern clever diskutiert

 

Wahl suchte immer die Diskussion mit den Richtern, und er verstand es glänzend, ihnen Granat als Dressurpferd mit den besten Grundgangarten, mit  beispielhaften Piaffen und Pirouetten sowie eindrucksvollsten Passagetritten  zu vermitteln. Etwas bleibt dabei immer hängen, das wusste Georg Wahl auch längst. Damals lobte auch Dr. Reiner Klimke, 1974 Weltmeister geworden: „So einer wie Georg Wahl fehlt bei uns in Deutschland. Denn inzwischen hat man oft den Eindruck, der Sieger steht bereits vor der eigentlichen Prüfung fest...“

 

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