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Piet Raijmakers: Vom Bauernsohn zum Weltstar - Ende der Karriere PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Berry Zand Scholten   
Donnerstag, 25. März 2010 um 10:24


s`Hertogenbosch. Einer der Großen des Springreitens zieht sein Sport-Jacket für immer aus: Piet Raijmakers. Der 53 Jahre alte Niederländer beendet an diesem Wochenende beim CSI in s`Hertogenbosch seine erfolgreiche Laufbahn. Im Buch „Das Pferd im zwanzigsten Jahrhundert“ schilderte Berry Zand Scholten seine Laufbahn.

 

Vom Bauernsohn zum Weltstar: Das ist die Karriere des Springreiters Piet Raijmakers in einem Satz. Ein einfacher Junge aus dem früher so armseligen Brabanter Peelland, im tiefen Südosten der Niederlande. Während überall sonst in den niedrigen Landen an der Nordsee die Bauern längst Traktoren angeschafft haben, Melkmaschinen, Mähdrescher und Kühltanks, melkt die Familie Raijmakers ihre fünf Kühe noch einfach mit der Hand. Die Milchkannen werden mit dem Ponykarren zur Abholstelle am Ende des Sandweges gebracht, die Schweine einfach mit einem Stock zum Eber in die Nachbarschaft geführt – in einem solchen Moment eines ganz normalen Tages im Leben der Familie hängt ‚Klein-Piet‘ plötzlich an der Mähne des durchgegangenen belgischen Zugpferdes Frits. Der Vater rettet ihn, indem er quer vor den durchgedrehten belgischen Wallach springt und lauthals brüllt: „Verdammie nee, steihst du woll still!“

 

Reitstunden nur am Sonntag...

 

Piet reitet natürlich ohne Sattel. Dazu reicht das Geld nicht.Vielleicht hat er dadurch die Grundlage für seinen guten Sitz gelegt. Später darf er mit dem pechschwarzen Shetlandpony ‚Moortje‘ Reitstunden nehmen. Und nur sonntags. Die Ponyreitstunde kostet nämlich zwei Viertelgulden. Das ist viel Geld für Familie Raymakers. Die anderen Brüder erhalten auch jeweils zwei Viertelgulden, um die Mitgliedschaft im Fußballklub zu bezahlen. Einen Gulden, so heißt es, kann man nur einmal ausgeben.

 

Piet Raijmakers lernt wie ein kleiner Teufel zu reiten. Dreißig Jahre später, im Sommer 1992, gewinnt er im Sattel von Ratina Z. bei den Olympischen Spielen von Barcelona eine Goldmedaille mit der Equipe – zusammen mit Jos Lansink auf Egano und Jan Tops auf Top Gun -  und Silber in der Einzelwertung. Um Einzelgold im Duell mit Ludger Beerbaum auf Classic Touch fehlt ihm an Zeit eine Winzigkeit. Die Pferdewelt blickt auf ihn, der einfache Bauernsohn ist nun ein Star…

 

Springreiter vom alten Schlag

 

Raijmakers ist ein Springreiter vom alten Schlag. Einer, der von Kind auf daran gewöhnt ist, seine Pferde selbst zu versorgen, zu trainieren und mit ihnen auf die Turniere zu fahren. Ein Reiter mit echter Liebe zum Pferd. Diese Ausstrahlung war immer zu spüren, ebenso seine schon sprichwörtliche Fröhlichkeit.

 

Mühelos reiht er sich als junger Reiter zum Beispiel neben den bekannten Briten David Broome, Harvey Smith und später den Brüdern John und Michael Whitaker ein. Er ist ein Springreiter, der weiß, was ein Pferd kann, und der weiß, wie behutsam man mit einem solchen Tier umzugehen hat. „Ich empfinde geradezu tiefe Abscheu gegenüber den maschinenhaften Reitern.“ Damit meint Raijmakers einige Kollegen im Springsport, die als kalte Profis aufs Pferd steigen, das große Geld vor Augen, den Kommerz im Kopf, dass sich Investitionen zu rentieren haben.

 

Piet Raijmakers ist aus anderem Holz geschnitzt. Man könnte sagen, er ist anders „gezogen“. Noch heute erzählt er liebevoll von seinem schwarzen Shetlandpony ‚Moortje‘, mit spaßigem Blick in den Augen von seinen tollkühnen Abenteuern auf dem nackten Rücken des belgischen Zugpferds.

 

Stammt aus einer neunköpfigen Bauernfamilie

 

Piet Raijmakers kam 1956 zur Welt, als sechster Sprößling einer später neunköpfigen Bauernfamilie, einer wahrlich armen Familie. Auf den kargen Heide- und Moorböden im östlichen Nordbrabant, rackerten sich Kleinbauern für eine dürftiges Leben ab. Armut und die Kirche sorgten für Bescheidenheit und Anstand. In der Ortschaft Bussel, in der Nähe des Dörfchens Asten, standen vier kleine Bauernhöfe. Drei katholische Familien und eine protestantische wohnten dort. Deutliche Trennungen gehörten zum alltäglichen Leben. Aber in Nordbrabant waren die Menschen sozialer, hilfsbereiter, egal was der Klerus auch vorschrieb. Wenn das Heu eingefahren werden musste, half jeder jedem. Wenn eine Kuh kalbte, kamen die Nachbarn und halfen, und wenn das Schwein zum Eber gebracht werden musste, wurde es von der ganzen Nachbarschaft eskortiert. Fließendes Wasser gab es nicht. Die Toilette war ein „Plumpsklo“, ein Fernseher gehörte nicht in diese Welt.

 

In der Reitschule Heijligers schaute sich der kleine Piet Raijmakers die schwarz-weiß gedruckten Pferdezeitschriften jener Jahre an, und er hob sich die Klebebildchen mit Fotos von Pferderassen und –stammbäumen auf. Ein einfaches Leben in einer fast feindlichen Außenwelt. Und doch lernte Piet diese Außenwelt recht schnell kennen, vor allem, als seine Reitkünste immer besser wurden und als er schließlich zur Hauptschule in Deurne ging.

 

Er lernte Löten und Pferde beschlagen

 

Eines Tages fragte er den Direktor der technischen Schule, ob er nicht zu ihm in den unterricht kommen dürfe. Dort lernte Löten und den Umgang mit Elektrotechnik, und er half  dem  Dorfschmied von Asten. Bald wusste er, wie man Staubsauger, Fahrräder und Melkkarren repariert oder Wasserpumpen überholt, er lernte Öfen instand setzen, Hufeisen schmieden und Gartenzäune erneuern. Mit einem kleinen VW-Bus fuhren der Schmied Martin van Bussel und der kleine Piet Raijmakers durch die Gegend, um bei den Bauern den Pferden die Hufe zu schneiden oder sie zu beschlagen. Van Bussel erkannte rasch die Qualitäten des Piet Raijmakers. Er war ein Pferdemann, er züchtete Trakehner.

 

Piet erhielt schon damals die Möglichkeit, gute Pferde zu reiten, man wurde auf ihn aufmerksam.

 

Durchbruch auf Zangersheide-Pferden

 

Raijmakers war zwar voller Bewunderung für alle großen Reiter, aber er duckte sich keineswegs vor Ehrfurcht. Der endgültige Durchbruch nahc oben kam, als ihn Leon Melchior engagierte, der Besitzer des berühmten Stalles Zangersheide, ein revolutionärer Züchter und Gründer des Zangersheide-Stutbuchs mit Sitz im belgischen Lanaken. Dort hatte Piet Raijmakers seinen größten Triumph mit Jungpferden wie Rinnetou Z, Amadeus Z, Rivièra Z. und natürlich der allerbesten Stute, Ratina Z.

 

Schon damals spielte Piet Raymakers mit dem Gedanken, irgendwann einmal ganz selbständig anzufangen. Seit dem 1. Januar 1999 ist er sein eigener Herr.

 

Kaufte den Hof seiner Eltern

 

Auf einstimmigen Familienbeschluss hin konnte er den Hof seiner Eltern in Asten kaufen. Er baute alles um und auch aus für ein Gewerbe als Turnier- und Handelsstall. Durch dick und dünn ging mit ihm seine Frau Dorrie, Sohn Joep fühlt sich beim Fahren wohl, Piet junior wurde Springreiter.

 

Piet Raijmakers mag auch die Dressur. Diesen Sport findet er ebenfalls fantastisch, wegen der  möglicherweise noch größeren Bindung zwischen Mensch und Tier als im Springen. „Dressur auf höchstem Niveau ist so wahnsinnig schwierig“, sagt er voller Bewunderung, „dieses elegante Tanzen des Pferdes, die Freude, die Geschmeidigkeit, diese Ausstrahlung. Wunderbar.“

 

Kein Respekt vor großmäuligen Funktionären

 

Er war Mannschafts-Europameister, Landesmeister, er blieb immer ein Reiter mit Humor,  Ideen und voller Achtung vor dem Tier  - und wenig Respekt vor großmäuligen  Funktionären. Er kuschte nicht vor Leuten wie Léon Melchior oder anderen. Auch nicht vor Sponsoren, darunter ein Besitzer eines bekannten Amsterdamer Reisebüros.

 

Bei einem großen Turnier verweigerte sein damaliges Spitzenpferd Isocratus S mitten in der Dreifachen Kombination. Raijmakers stürzte, hielt das Pferd aber fest am Zügel, flog aber auf die Bande vor der VIP-Tribüne, wo eben dieser Sponsor ebenfalls saß. Raijmakers grinste, hob seine Hand und sagte freundlich „Guten Tag zusammen!“. Der Sponsor reagierte sauer und meinte: „Piet, das ist hier kein Zirkus!“ Antwort: „Ach, mein Herr, ich wollte den Leuten nur ein bisschen Spaß machen, schließlich haben sie ja auch gezahlt.“

 

Pferde sind die größeren Athleten als die Reiter

 

Der Einzug der Kälte in den Spitzensport bereitet ihm Sorgen. Die Investitionen, die Interessen von Besitzern und Sponsoren, die professionelle Einstellung der – wie er sie nennt – ‚Maschinenreiter‘. „Es ist ein sehr hartes Geschäft geworden“, sagt er etwas wehmütig, „früher half man Kollegen, gab man ihnen auch Tipps, dazu fehlt heute meist auch die Zeit.“

Zum Glück“, fügt er hinzu, „behandeln die meisten Reiter und Besitzer ihre Pferde sehr gut.“

 

Und weiter meint er: „Die heutigen Sportpferde sind und bleiben häufig größere Athleten als ihre Reiter. Sportpferde werden außerdem oft sehr alt, durch gutes Training,  entsprechendes Futter und richtige Pflege. Man braucht sich nur die britischen Gebrüder Whitaker als Beispiel zu nehmen, die auf angeblich alten Pferden immer noch große Erfolge erringen. John gewann 1998 auf dem damals 21 Jahre alten Gammon das Derby in Hickstead und im gleichen Jahr auf dem zwei Jahre jüngeren Grannusch in der Londoner Olympiahalle das Weltcupspringen.“

 

 

 

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