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Inge Theodorescu - eine große Pferdefrau lebt nicht mehr PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Montag, 12. April 2010 um 19:13

 

 

Inge Theodorescu getorben

Sassenberg. Am 11. April starb eine wahrlich große Pferdefrau, Inge Theodorescu. Sie wurde  84 Jahre alt, ihr Ehremann George hatte diese Welt am 21. August 2007 verlassen. Die Mutter von Olympiasiegerin Monica Theodorescu litt zuletzt an Krebs, zog sich bei einem Sturz auch noch einen Bruch im Beckenbereich zu. Doch sie klagte nicht. Inge Theodorescu starb zuhause. Wie sie es immer gewollt hatte. Anbei Schilderungen aus zwei  Briefen über ihr Leben.

 

Inge Theodorescu (Foto: Werner Ernst)


 

 

Eine Erinnerung an Inge Theodorescu, Teile eines Briefes

 

Inge Theodorescu schien von jenem Schlag Mensch, der nicht sterben dürfte. Kernig, immer vorwärts, keinen Millimeter zurück. Zweimal ritt sie für Deutschland in einem Preis der Nationen, über den Hamburger Derby-Parcours ging sie auch, dreimal sicherte sie sich  das Blaue Band der Derby-Dressur.  Um Polens Dressur-Nachwuchs kümmert sich Inge Theodorescu besonders, ehrenamtlich, eine Herzensangelegenheit. In Polen wurde sie geradezu verehrt. Vor allem in Erinnerung an ihren Vater Hans Fellgiebel.

 

Der Vater...

 

Hans Fellgiebel, 1889 in Breslau geboren, wuchs bei Posen auf, er erlernte auch die polnische Sprache. Er begann nach dem Einjährigen  eine Lehre für Landwirtschaft und Tierzucht. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Westpreußen polnisch, die Domäne Buchenhagen, wo die Fellgiebels ihr Zuhause hatten, wurde aufgelöst. Hans Fellgiebel arbeitete danach auf vielen verschiedenen Gütern in Hinterpommern und kümmerte sich vor allem um Pferde, ganz speziell um Fahrpferde. In Elmshorn hatte er viele gekauft, dorthin holte man ihn 1926 als Direktor der Reit- und Fahrschule.  In den folgenden zehn Jahren krempelte Hans Fellgiebel auch den Sport um, er legte den Schwerpunkt auf Springen. Die früheren Größen wie Carl Friedrich Freiherr von Langen, Axel Holst oder Günter Temme deckten sich bei Fellgiebel ein. 1936 ging Hans Fellgiebel an die Remontenschule nach Soltau, danach zog die Familie um ins schwäbische Aalen und kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nach Bremen, wo Hans Fellgiebel die Stelle eines „Pferdevormusterungs-Offizier“ übernahm.

 

Vater eingesperrt – dessen Bruder gehängt

 

Nach dem deutschen Überfall auf Polen übernahm der große Hippologe Gustav Rau die polnischen Gestüte, er holte vornehmlich Hitler-Gegner dazu. So kam auch Hans Fellgiebel nach Polen, er verwaltete ab 1940 Europas bekanntestes Araber-Gestüt: Janow-Podlaski. Und weil er auch für die polnischen Angestellten den Buckel hinhielt, hatten die Familie und auch die Pferde nichts von Partisanen zu befürchten. 1944 wurde das Gestüt evakuiert, nach Schleswig-Holstein verlagert. Hans Fellgiebel hatte sich im Führerhauptquartier zu melden. Er wurde eingesperrt, sein Bruder Erich als Beteiligter am Hitler-Attentat am 20.Juli gehängt. Landstallmeister Fellgiebel blieb bis zum Kriegsende in Haft. Er übernahm  nach seiner Freilassung bald  danach das Landgestüt in Bad Harzburg.

 

Inge Fellgiebel: „Statt Abitur – arische Kinder in die Welt setzen“

 

Inge Fellgiebel kam am 18.Oktober 1925 in Belgard/ Hinterpommern auf die Welt, in Elmshorn „lernte ich  zu laufen“. Schon bald saß sie auf einem Pony, Gymnasium in Soltau, erste Ritte auf einem Großpferd., dann Schwabenland, danach Bremen, „wo mir eines haften blieb: Dass ein Offizier nichts war im Vergleich zu einem Kaufmann der Hansestadt“.

Als auch Bremen immer stärker bombardiert wurde, holte Hans Fellgiebel seine Frau und die beiden Töchter nach Kolberg in die Nähe des Gestüts. Man lebte in einem einzigen Zimmer.

In Kolberg machte Inge Fellgiebel das Einjährige, „für das Abitur kamen ja nur Jungen in Frage, wir Mädchen sollten dafür arische Kinder in die Welt setzen."

 

Auf dem Traumgestüt Janow-Podlaski ritt Inge Fellgiebel im wahrsten Sinne des Wortes Tag und Nacht, Platz war genügend da, „zigtausend Hektar“. Und da ein deutsches Mädchen zur damaligen Zeit auch etwas Anständiges zu erlernen hatte, wurde sie ein „ländlicher Hauswirtschaftslehrling“. Da die neue Chefin auch pferdeverrückt war, ritten die beiden jeden Tag durch die endlosen Wälder der Umgebung, „die voller Partisanen und geflüchteter Juden waren. Doch wir hatten nichts zu befürchten, weil mein Vater viel für seine Polen und auch für die Juden tat, die auf dem Gestüt als Sattler, Schuster und Schneider arbeiteten.“ Vor der Roten Armee flüchtete auch die Familie Fellgiebel, inzwischen wurde nach dem Vater auch die Mutter verhaftet, sie hatte auf Hitler geschimpft.

 

Zur Wehrmacht gemeldet

 

Inge Fellgiebel begann auf einem Restgut in Schleswig-Holstein bei Eckernförde zu arbeiten, nicht lange, dann meldete sie sich zur Wehrmacht als Bereiterin und kam nach Soltau, wo sie acht Jahre zuvor schon einmal war. Ihr Chef hieß Ernst Hasse, der ältere Bruder des Springreiter-Olympiasiegers Kurt, der auf Tora in Berlin 1936 Gold gewann.

 

Aus ihrem Brief: „Flucht vor den Engländern, mit 400 Remonten quer durch die Lüneburger Heide Richtung Lauenburg, im Morgengrauen mit allen Pferden über die Eisenbahnbrücke über die Elbe. Hasse brachte alle Pferde bei Bauern unter, bis der Krieg zu Ende war. Weil der englische Panzergeneral ebenfalls Pferde liebte und Springen ritt,  kamen wir nicht in Gefangenschaft. Wir wurden als Reiter übernommen.“

 

Hans Fellgiebel, Verfolgter des Nazi-Regimes, fand bald in Bad Harzburg auf dem  Landgestüt  Braunschweig eine  neue Anstellung. Inge wurde dort Hilfsgestütswärterin. Sie bildete junge Pferde bis auf M-Niveau aus und verkaufte sie. So begann alles mit einem kleinen eigenen Turnierstall.

 

1952 zu HG Winkler gezogen

 

1952 zog sie zu Hans Günter Winkler nach Warendorf, mit ihm zusammen baute sie einen kleinen Springstall auf, 1957 dann die die Heirat, 1960 die Scheidung, "bis dahin hatte ich mich tapfer an seiner Seite, nein, hinter ihm gehalten“. Ein Jahr danach Hochzeit mit dem Rechtsanwalt, Bergsteiger u. Ein Jahr danach heiratete sie George Theodorescu. Ihn hatte sie 1957 in Aachen beim CHIO kennen gelernt, wo der parteilose Nicht-Uniform-Träger aus Rumänien überaus erfolgreich ritt. Er war 1956 für sein Heimatland noch ins Dressurviereck der Olympischen Spiele in Stockholm geritten.   1958 auf dem Weg nach Aachen wurde er in Dresden im „Bruderland“  DDR gestoppt und zurückkommandiert, 1959 nach dem Abschied der Nationen des deutschen CHIO  in Aachen verschwand er aus dem Mannschaftsquartier, bis zu seinem Tod vor zwei Jahren setzte er keinen Fuß mehr auf den Boden einer ehemaligen Ost-Republik.

George Theodorescu 2007 zusammen mit Aachens Vorstandsvorsitzendem Frank Kemperman

(Foto: HP Viemann)

 

Ein Jahr in den USA...

 

Zunächst arbeitete er beim Deutschen Olympiadekomitee in Warendorf, wo er täglich auch auf  Inge Winkler traf. 1960 in Rom war er als Zuschauer, mit Inge, dann folgte mit ihr ein Jahr USA, doch schon nach zwölf Monaten kehrten sie zurück nach Deutschland. In Steinhagen bauten sie ihre erste gemeinsame Existenz auf.

Monica Theodorescu, 2007, da lebten Mutter und Vater noch...

(Foto: HP Viemann)

Im März 1963 kam Tochter Monica auf die Welt, die große Medaillensammlerin der Familie, Weltmeisterin und Olympiasiegerin. Seit 1978 war die Heimat der Theodorescus auf dem Lindenhof unweit von Warendorf. Eine gute Adresse, um sich auch als Pferd wohl zu fühlen. Hier starb Inge Theodorescu, nur wenige Meter entfernt von ihren geliebten Pferden.

 

 

 


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