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Vom Springreiter-Weltcup und anderen Pokal-Erfindungen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Dienstag, 13. April 2010 um 11:49

Genf.  Am Anfang war der alpine Ski-Weltpokal. Elf Jahre später 1978 ritten die Springreiter erstmals um einen Weltcup. An diesem Wochenende findet in Genf das 32. Finale dieser inoffiziellen Hallenweltmeisterschaft der Springreiter statt.

 

In über 3.000 m Höhe hockten im chilenischen Andendorf  Portillo 1966 eine Handvoll Journalisten, Trainer und Aktive gelangweilt zusammen. Nebel und Sturm unterbrachen ständig die alpinen Skiweltmeisterschaften. So wurde der Weltcup ausgetüftelt. Der Elsässer Serge Lang (+1999 im Alter von 79 Jahren), ein Kerl wie ein Berg,  Strippenzieher und Schreiber für die angesehene französische Sportzeitung "L`Equipe", riss das Kommando an sich. Bereits ein Jahr später wurden die ersten Rennen gefahren. Die Athleten durften noch nicht offen kassieren, aber dafür Kristallkugeln als Ehrenpreise - wie zusätzlich immer noch - in den Vitrinen deponieren, dafür sahnten die Organisatoren mächtig ab. Elf Jahre später fand der Skiweltcup einen ersten Ableger. Den Springreiter-Weltcup. Die Idee hatte der Schweizer Journalist Max Ammann. Er war während seiner USA-Zeit von der besonderen Atmosphäre der Hallenreitturniere in Washington und New York fasziniert. Er dachte über eine weltweite Serie im Springreiten mit Punktsystem nach. Während der Olympischen Sommerspiele 1976 in Montreal sprach Ammann den FEI-Präsidenten Prinz Philip an und trug seine Gedanken vor. Der Königin-Gemahl meinte, eine solche Serie wäre durchaus "verfolgungswürdig, arbeiten Sie mal ein Konzept aus".

 

Donaueschingen: Ursprung der Donau und des Weltcups

 

Wie Max Ammann in seinem Buch „Der Volvo Weltcup – die ersten zehn Jahre“ schreibt, habe beim Turnier im September 1977 in Donaueschingen „der deutsche Journalist Dieter Ludwig das Signal gesetzt. Der nämlich fragte ganz plötzlich: Max, wie geht`s Deinem Weltcup?“ Der ehemalige USA-Korrespondent einer Schweizer Zeitung setzte sich in Donaueschingen noch während des Turniers mit den deutschen Springreitern Paul Schockemöhle und Hendrik Snoek zusammen, "ich redete mit allen, die zuhören wollten". Bei den alteingesessenen Veranstaltern stieß der Schweizer vor allem zunächst auf Skepsis, aber wiederum auch auf Interesse, "man weiß ja nie, was daraus werden kann", wie damals Hermann Heinemann als Direktor der Dortmunder Westfalenhalle sagte. In Donaueschingen, wo Brigach und Breg zusammenfließen und gemeinsam ihren Weg als Donau beginnen, dort begann also die wirkliche Geschichte des Springreiter-Weltcups.

 

Was fehlte, war Geld – Volvo half

 

Ammann erfuhr Unterstützung von den Amerikanern und dem neu gegründeten Internationalen Springreiter-Club. Was fehlte, war Geld, ein Hauptsponsor eben. Ihn fand Max Ammann in Göteborg bei Volvo, er hatte den richtigen Riecher. Er bat um ein Gespräch mit Volvo-Direktor Pehr Gyllenhammar. Der lud ihn zum Mittagessen nach Hause ein. Als später Kaffee und Cognac aufgefahren wurden, stand der mächtige Konzern-Boss auf und sagte: "Wir sind im Geschäft." Volvo gab für die erste Saison 1978/ 79 großzügig 480.000 Schweizer Franken.

 

Seither werden weltweit in verschiedenen Ligen die besten Reiter und Pferde für die Finals gefunden. Inzwischen umfasst der Springreiter-Weltcup 50 Länder, Volvo verabschiedete sich nach 20 Jahren des Gönnertums. Die Skandinavier schossen nicht weniger als 100 Millionen Euro in das Unternehmen Weltcup und spendierten zudem als Ehrenpreise 161 Limousinen. Der Name Volvo wurde zum Begriff im Weltcup, der Konzern errechnete intern, andere PR-Aktionen hätten das Doppelte gekostet - aber nur die Hälfte gebracht.

 

Etwas Neues sollte her...

 

1991 grübelten der dreimalige Europameister Paul Schockemöhle und der ehemalige Diamantenhändler Isaac Arguetty über eine weitere Weltliga der Springreiter nach. Zwei Jahre danach wurde die "Professional Showjumping Association" (PJA) gegründet. Der Amerikaner und der mexikanische Milliardär Alfonso Romo als gemeinsame Präsidenten hinterlegten bei einer Schweizer Bank für die Serie 6 Millionen US-Dollar. Nach Qualifikationen ähnlich dem Tennis in aller Welt sollte das erste Masters Finale 1994 in Frankfurt/ Main ausgetragen werden mit einem Preisgeld für den Sieger von einer Million Dollar. Doch der Weltverband (FEI) vermutete die Gründung einer konkurrierenden Föderation und drohte, wer sich der "PJA" zuwende, habe das Recht auf Teilnahme an Olympischen Spielen, Championaten und Nationen-Preisen verwirkt. Die Reiter kuschten, keiner löste eine Lizenz, auch als "PJA" clever in "Pro Show Jumping Alliance" umgetauft wurde. Es blieb bei Gedankenspielen.

 

Statt PJA – die Riders Tour

Paul Schockemöhle hatte die Idee einer zusätzlichen Serie im Springreiten nicht  aufgegeben. Der All-Zweck-Unternehmer, heute 65, der stur sein kann wie ein Esel, überredete sechs Gleichgesinnte zur Gründung der "Riders Tour". Jeder zahlte eine Million Mark in die Kasse ein, Sieger Ludger Beerbaum erhielt beim Auftakt der Serie 2001 nicht weniger als 500.000 Mark, dann noch zweimal.

 

Waren anfangs bis zu neun Veranstalter mit von der Partie, schrumpfte die Zahl inzwischen.  Zu viele regierten den Turniermachern ziemlich ungehemmt  hinein. Günter Orschel, Veranstalter in Aach am Bodensee: "Die kamen und gaben 1.000 Mark. Damit erwarben sie das Recht, ihre eigenen Werbeplakate auf dem Turniergelände aufzuhängen." Ausgestiegen ist nach ihm u.a. auch Peter Hofmann, Turnierchef in Mannheim und Vorsitzender im Springausschuss der FN. Er wollte seine treuen Sponsoren nicht verprellen. Orschel ließ zudem ausrechnen, was die Werbeplakat-Aufhänger an die Tour-Organisation zahlten: 800.000 Mark.

 

Und dann die „Global Champions Tour“...

 

Die 1. Global Champions Tour begann 2006 in Wellington/ Florida und endete im belgischen Lanaken auf Gestüt "Zangersheide" von Leon Melchior. Erfinder ist der holländische Mannschafts-Olympiasieger von 1992 und wohl größte Springpferde-Händler Jan Tops (49). In den Kreis der "Global Tour" aufgenommen werden können nur Turniere mit einem Gesamtpreisgeld von 500.000 Euro (5 Stene-CSI), der Grand Prix muss mit mindestens 300.000 € dotiert sein. Der Sieger des Finalturniers,  2009 der Franzose Michel Robert, kassiert 300.000 Euro. In Deutschland ist nur der Große Preis von Hamburg im Rahmen des Derbys bei der "GCC-Tour" dabei.

 

Die Hatz nach der „Pulsar Crown“

 

Zwischen 1995 und 2000 jagten die Springreiter dem Sack voller Dollar bei "Pulsar Crown" des mexikanischen Geldgebers Alfonso Rom hinterher.  Bei Siegen in den Großen Preisen von Romos Heimatstadt Monterrey, dem CHIO Aachen und dem CSI in Valkenswaard wären gar 1,5 Millionen US-Dollar fällig gewesen. Zwei Reiter gewannen zwei Grand Prix`: Der Österreicher Hugo Simon 1998 und Jerry Smit 2000. Simon reiste damals vom CHIO in Aachen mit 1,4 Millionen DM aus der Pulsar-Serie und weiteren 300.000 Mark anderem Gewinngeld ab, der Italiener  kam zwei Jahre später im Valkenswaard-Ersatzort Cannes auf umgerechnet gar 1,6 Millionen Mark. Die Puslar Crown ist inzwischen nur noch Erinnerung, wirtschaftliche Gründe warfen die Tür ins Schloss.

 

Funkes eigene Tour“ – die Masters League...

 

Den Namen nennt er nicht. Wenn er über ihn spricht, sagt er meist "der Herr aus Mühlen". Mit dem besagten Herrn aus Mühlen meint Dr. Kaspar Funke (Vechta) seinen ehemaligen Partner Paul Schockemöhle aus der Nachbarschaft. Bis 1997 waren sie ein Duo, sie zogen Turniere auf und standen treu zueinander.1997 hörten sie auf, miteinander zu sprechen. In einem gerichtlichen Verfahren erfolgte die geschäftliche Trennung 2001. Funke, organisiert weiter Turniere in Bremen, Oldenburg, Lingen, Dortmund, Frankfurt/ Main und nun auch in Donaueschingen, Schockemöhle, der als Miteigentümer von Firmen wie Futtermittel, Spedition, Leasingunternehmen und einem Supermarkt sowie mit der Pferde- und Rinderzucht im Jahr so an die 300 Millionen Euro umsetzt, schloss sich mit Volker Wulff ("En Garde") zusammen. Sie ziehen die Veranstaltungen in Hamburg ("Deutsches Derby"), Leipzig, "German Classics" in Hannover und München Indoors gemeinsam auf.

 

Bald danach hat auch Kaspar Funke eine neue Serie erfunden, die sogenannte Masters League mit einem Finale in Frankfurt/ Main im Dezember.  Punkte werden keine für vordere Plätze vergeben, jeweils die fünf Besten im Großen Preis der Springreiter bestimmter Veranstaltungen haben automatisch Startrecht beim Endturnier in der Festhalle.  Dortierung des Hauptspringens: 250.000 Euro. Funke, der sich anscheinend vom Weltcup komplett verabschiedet hat ("wir bewerben uns nicht mehr darum") sieht in einer Serie eine bessere Chance zur Vermarktung im Fernsehen, "quasi ein Markenzeichen".

 

Weg von der Paycard...

 

Paul Schockemöhle wollte mit der „Riders Tour“ nach eigener Aussage zurück zum Sport und  vor allem weg von der immer mehr um sich greifenden Seuche der "Paycard", womit man sich selbst oder einen Reiter mittels Erwerb von VIP-Tischen, Logen, Bandenwerbung oder Prüfungen ins Turnier einkaufen kann. 15 Prozent der Reiter rücken so ins Teilnehmerfeld, das bringt nach der Berechnung von Funke "bei acht bis zehn Reitern an die 80.000 Euro".

 

„Grand Slam“ gab es nur einmal...

 

Die geradezu wundersame Vermehrung der Serien greift wie ein Flächenbrand um sich. Allein im Jugendbereich der deutschen FN gibt es nicht weniger als 130 Cups. Eine längst vergessene Erfindung hatte nur für ein Springen Bestand, 1998 der sogenannte "Grand Slam" des niederländischen Vermarktungsunternehmens und Verlages "BCM". Dem Besten in fünf von sieben Prüfungen sollte ein Scheck in Höhe von 600.000 Mark ausgestellt werden, und außerdem hätte er in einem neuen PKW nach Hause fahren können. Die FEI stoppte den zusätzlichen Geldfluss, der Schweizer Beat Mändli blieb damit der einzige, dem man damals als Sieger in Berlin eine braune Baseballkappe mit der Goldaufschrift "Grand Slam" aufsetzen konnte.

 

 

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