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Nicht nur wegen Rio: Totilas-Desaster will aufgearbeitet sein PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Oliver Wehner/ "Die Rheinpfalz"   
Dienstag, 05. Januar 2016 um 09:27

Ludwigshafen. Die deutsche Dressurreiterei stellt sich fürs Olympiajahr neu auf und betont dabei eigentlich Selbstverständliches...

 

Vorauseilende Vorsicht bei der Fragestellung ist nicht nötig. „Das Ziel ist klar“, fühlt sich Dressur-Bundestrainerin Monica Theodorescu  nicht gedrängt, spricht man das Projekt „Zurückerobern der olympischen Mannschaftsgoldmedaille“ offen an – im Gegenteil. Der Angriff auf Titelverteidiger Großbritannien wird  generalstabsmäßig geplant. Und dabei wirft die etwas verkorkste Heim-EM von Aachen  noch einen langen Schatten.

 

Völlig unvermittelt verschickte die Reiterliche Vereinigung (FN) in Warendorf Mitte Dezember  eine kryptisch anmutende Pressemitteilung. Ihr Präsidium machte darin „die Umsetzung der Richtlinien zur Bedingung bei Kader-Nominierungen“, hieß es – eigentlich eine Selbstverständlichkeit. „Die FN lehnt jede Trainingsmethode ab, die ihren Richtlinien widerspricht. Dies gilt ausdrücklich für aggressives Reiten und Methoden, die zu Zwangshaltungen des Pferdes führen“, hieß es  in der Empfehlung für das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR).  Spärliche, aber gewichtige Zeilen. Sofort kehrten sie zurück, die unschönen Bilder von Aachen 2015. Der wohl schon beim tierärztlichen Check zwei Tage vor der Prüfung lahme Totilas aus der  deutschen (Nur-)Bronze-Equipe. Der aus dem Maul blutende Hengst Undercover des Niederländers Edward Gal. Für den konnte die deutsche Teamleitung natürlich nichts, aber mit Rückblick auf das finale Totilas-Desaster sagt Monica Theodorescu  selbstkritisch: „Wir hatten ein Championat, wo wir ziemlich was an die Wand gefahren haben.“ Gleichzeitig stellt die Bundestrainerin trotzig fest: „Ich bin noch im Amt.“

 

Spät stellte sich fast überall die Erkenntnis ein, dass Totilas im Turniersommer vor der EM zu selten seine Leistungsfähigkeit  – und vor allem Gesundheit – unter Beweis stellen musste und dass er spätestens nach dem Vet-Check  nicht ins Viereck gehört hätte. Deshalb soll nun vor Rio der Weg der Sichtungen konsequenter beschritten und überwacht werden. „Chronologie eines Nachweises“ nennt das Theodorescu: „Pferde sollen Beständigkeit, auch gesundheitlich, deutlicher beweisen können.“ Wenn dann mal einer  bei den Sichtungsturnieren Balve oder Aachen wegen Fiebers pausieren müsse, sei das natürlich noch nicht das Olympia-Aus für das Pferd. Aber dann sollte es sich eben eine Woche später zeigen.

 

Die  FN-Mitteilung dürfte  aber  noch einen anderen Hintergrund haben. Im neuen Championatskader, einer Longlist für Rio, steht nun der erst 21-jährige Sönke Rothenberger mit dem erst neunjährigen Wallach Cosmo. Ein für sein Alter bereits bemerkenswerter Reiter mit einem extrem bewegungsstarken, aber noch unter deutlicher Spannung stehenden Pferd – der junge Totilas lässt grüßen ...

„Man kann ja nicht sagen: Die Leistung ist da, aber Du bist zu jung. Cosmo wird sparsam und gezielt eingesetzt“, hat die Bundestrainerin wohlwollend registriert. Aber natürlich auch, dass  Rothenberger zuletzt bei der Niederländerin Anky van Grunsven trainierte und auch von ihr beim Frankfurter  Festhallenturnier kurz vor Weihnachten gecoacht wurde. „Noch“, merkte Theodorescu nur kurz an: „Sönke ist jetzt wieder zu Hause, weil er hier weiterstudiert.“ Und als Championatskadermitglied sind nun in erster Linie die Bundestrainer – Theodorescu und ihr Assistent Jonny Hilberath – seine Ansprechpartner. Cosmo ist zwar  niederländisch gezogen, aber ein  nach den mitunter fragwürdigen holländischen Methoden aus- und vor allem weitergebildetes Pferd mag wohl niemand (mehr)  in einer deutschen Equipe sehen.

 

Wie es auch mit einem solchen, durchaus spektakulären Pferd anders, harmonisch und getreu der FN-Richtlinien geht, hat Jessica von Bredow-Werndl längst bewiesen. Sie bleibt mit dem nun 15-jährigen Hengst Unee eine Kandidatin für das Quartett von Rio,  aus dem drei via Grand Prix und Special die Mannschaftsmedaille erkämpfen sollen und ein Reiter/Pferd-Paar als Einzelstarter auf eine gute Kürplatzierung im Einzelentscheid hofft. Da Unee hier glänzt, aber nicht das stärkste Pferd in der „Pflicht“ ist, dürfte hinter Kristina Bröring-Sprehe und ihrem Hengst Desperados, 2015 das mit Abstand stärkste deutsche Paar, nur Isabell Werth fürs Team als gesetzt gelten. Der früher wankelmütige, weil freche  Don Johnson hat in Aachen seine Weltklasse  bewiesen, Emilio ist ein Riesentalent – und vielleicht wird ja auch Superstute Bella Rose noch rechtzeitig gesund. Im Frühjahr möchte  auch Besitzerin Madeleine Winter-Schulze die Belissimo-Tochter wieder im Viereck sehen.

 

In der Frankfurter Festhalle unterstrichen auch Anabel Balkenhol und der einst scheue Dablino sowie Reitmeister Hubertus Schmidt und Trakehnerhengst Imperio ihre Ambitionen. Mit dem nun zehnjährigen Showtime könnte Dorothee Schneider – wie schon vor vier Jahren vor London – übers Frühjahr noch durchstarten. Einen besseren Eindruck als noch im vergangenen Sommer machte zu Beginn der Hallensaison Fabienne Lütkemeiers championatserfahrener Wallach D’Agostino.

 

Ein Päuschen vom Sport durfte  Desperados einlegen – „absichtlich“, wie Theodorescu betont. Kristina Sprehe präzisiert gegenüber der RHEINPFALZ: „Decken und Turnier, das geht bei ihm nicht.“ Soll heißen: Das Piaffe-Passage-Wunder  hat sich längst ein zweites „berufliches“ Standbein geschaffen.  Zwei Olympiamedaillen würden den Hannoveraner Rapphengst zum noch begehrteren Vererber seiner Extraklasse machen.