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Uwe Schulten-Baumer – statt erneuter Würdigung ein früheres Interview PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Mittwoch, 13. Januar 2016 um 16:05

 

Pferde waren sein Leben - an diesem Donnerstag wäre Dr. Schulten-Baumer 90 Jahre alt geworden...

(Foto: Jacques Toffi)

 

Rheinberg. Der große Dressurreiter Dr. Reiner Klimke würde an diesem 14. Januar 80 werden, der erfolgreichste Dressur-Trainer Dr. Uwe Schulten-Baumer wäre am gleichen Tag 90 geworden, er starb am 28. Oktober 2014 an Bauchspeicheldrüsenkrebs.  Kein Dressur-Trainer der Welt gewann mit seinen Schülern  so viele Medaillen wie er. Neuer Besitzer der Anlage in Rheinberg ist nun Diplom-Trainer Georg Fincke, der schon früher Boxen beim „Doktor“ gepachtet hatte.

 

Dr. Uwe Schulten-Baumer war und bleibt wahrscheinlich der erfolgreichste Dressur-Trainer der Welt, auch einer, der wie kein anderer große talente entdeckte. Seine Schüler gewannen bei Championaten und Olympischen Spielen insgesamt 28 Medaillen. Er hatte Angebote als Coach aus der ganzen Welt, er blieb in seiner vertrauten Umgebung in Rheinberg am Niederrhein. Er wollte immer sein eigener Chef sein und auch bleiben.

Als Springreiter ritt er beim CHIO in Aachen, im Berufsleben saß er an den Schalthebeln der Macht der Eisen- und Stahlindustrie. Er stammte aus einer Landwirtsfamilie, holte das Abitur nach, studierte Volkswirtschaft, wurde erfolgreich im Beruf, doch die Pferde waren sein Leben. Vorbilder im Sport besaß er nicht, keine Idole, und Schablonen mochte er nicht. Er habe viele bewundert, sagte er, "aber ich musste meinen eigenen Weg suchen."

 

Er hat ihn gefunden, als Beweis stehen die Erfolge. Und "bis auf wenige Tage" gab es in seinem Leben keinen Urlaub. Seine Ziele: "Immer wieder eigene Pferde besitzen, ausbilden." Seine letzten Worte im Krankenhaus waren zu seiner Frau Eva: „Ein Schnaps und ein Bier.“ Das Bier trank er noch, den Schnaps seine Frau, dann schlief er ruhig ein…

 

Aus einem Frage und Antwortspiel mit dem „Doktor“:

 

Alle Welt spricht so gerne und manchmal auch selbstgefällig von der Klassischen Dressur, was ist sie, woher kommt sie, oder ist sie nichts weiter als die korrekte Ausbildung eines Pferdes für den Sport?

 

Uwe Schulten-Baumer: "Klassische Dressur ist nichts Statisches. Alles ist in Fluss. Der Artikel 401 des Weltverbandes sagt es deutlich, auf was es ankommt. Und auch Christoph Hess vom deutschen Verband: Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichten und Versammlung. Reiter und Pferd sollen zu einer Einheit verschmelzen. Als Beispiel, dass sich alles weiter entwickelt, darf auch der französische Dressurreiter Xavier Lesage gelten, der 1932 in Los Angeles auf Taine Gold gewann. Ihn nannte man 'den Gott'. Was er beispielsweise über die Traversale predigte, hat heute keine Gültigkeit mehr. So wurden auch die Pferde der Militärs nicht ausgebildet, um Schönheit zu entfachen, sondern es ging um Leben oder Tod. Die Basis stimmte von der Technik her, doch die Zielrichtung war eben anders.

Heute ist die Reiterei beinahe nur noch Sport. Und im Sport will man sehen, dass ein Pferd Freude an der Arbeit besitzt, dass die Prinzipien des Artikels 401 zum Tragen kommen. Der frühere FEI-Chefrichter Wolfgang Niggli aus der Schweiz wirkte in dieser Richtung, und der erste Erfolg dafür war 1987 in Lausanne der Sieg der relativ unbekannten Nicole Uphoff auf Rembrandt über die Etablierten der Szene."

 

Welche Voraussetzungen soll man bei einem Dressurpferd erwarten, ohne Berücksichtigung eines qualifizierten Reiters, der es ausbildet?

 

Schulten-Baumer: "Grand Prix-Pferde kann man nicht kaufen, sie werden gemacht. Man muss Gangwerk und Körperbau in der Bewegung sehen - und auch bei einem jungen Pferd beurteilen können. Deshalb kaufe ich am liebsten auf einer Auktion, weil die bis dahin möglichen Fähigkeiten eines jungen Pferden gezeigt werden. Da nehme ich als Beispiel mein ehemaliges Dressurpferd Madras. Damals fragten einige Kritiker ironisch, ob ich mit dem Wallach einen Verleihstall aufmachen möchte. Madras wurde, wie man weiß, ein ganz Großer. Ein Pferd muss Leistungsbereitschaft zeigen, Intelligenz und ein regulierbares Temperament, damit will ich Rembrandt und auch Gigolo ansprechen. Alles Wissen nützt nichts, man muss diesen Sport auch mit einer blinden Passion betreiben.“

 

 

Was macht den guten Dressurreiter aus?

Schulten-Baumer: "Voraussetzung sind das Beherrschen der Reittechnik, wie im Lehrbuch gefordert, dann Gefühl, das Erfassen und Reagieren von und auf Situationen sowie das Können, sich hineinzudenken in ein Pferd, was nicht erlernbar ist. Dazu kommt unbedingte Selbstdisziplin. Und was ich auch immer predige: Nie gegen das Pferd arbeiten – immer mit ihm. Auch das Arbeiten mit der Hand muss ständig bekämpft werden“

 

Worin liegt der Reiz der Dressur?

Schulten-Baumer: "In der Verständigung mit dem Pferd, in der Möglichkeit, die ganze Schönheit eines Pferdes, die Ästhetik, durch gezielte Ausbildung zum Vorschein zu bringen, und zwar mittels fast unsichtbarer Hilfen der Reiterin oder des Reiters."

 

Welche Voraussetzung sollte ein Dressurrichter erfüllen, außer der nicht immer gegebenen Neutralität?

 

Schulten-Baumer: "Neben den fachlichen Kenntnissen erwarte ich eigentlich, dass auch ein Richter jeden Tag neu dazu lernt, wie jeder Trainer oder jeder Reiter. Der Richter sollte im Geiste eine Prüfung mitreiten können, ein freudig mitarbeitendes oder abgestumpftes Pferd erkennen, zu unterscheiden wissen zwischen echten und Freudigkeitsfehlern eines Pferdes in einer Lektion. Ein Dressurrichter sollte für ein gutes Klima unter den Reitern sorgen, Gespräche annehmen und aufnehmen, ohne sofort beleidigt zu sein. Ein Richter sollte meines Erachtens keine Diskussionen oder Gespräche über konkurrierende Reiter führen und auch nicht gute Stimmungen unter den Reitern zu verändern suchen. Ein Richter sollte unbefangen sein, also in keinen  verwandtschaftlichen, besitzerischen, ausbilderischen oder arbeitgeberischen Verhältnissen zum Reiter stehen. Und er sollte ausgeschlafen an seinem Platz erscheinen - auch beim ersten Teilnehmer einer Prüfung."