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Sportpferde-Auktion von Holger Hetzel auch Geldanlage... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Dienstag, 05. Dezember 2017 um 17:17

Der in Tschechien gezogene siebenjährige Hengst Tiger von Padinus - Heartbreaker-Nimmerdor und mütterlicherseits von Cassini II - Cor de la Bryere war mit 600.000 Euro Preisspitze der 13. Auktion von Holger Hetzel in Goch und ging nach Großbritannien in das Gestüt Old Lodge Stud - Besitzer: ein Prinz aus Saudi-Arabien

(Foto: Thomas Hartwig)

Goch. Was mal aus einer Wette heraus begann, in einer normalen Reithalle weiterging und inzwischen zu einem festlichen Ereignis avancierte, ist kein Märchen aus dem Pferdesport – spiegelt dafür nüchterne Arbeit mit Weitsicht und ohne jede Überheblichkeit oder Großmannssucht wider: Sportpferde-Auktion bei Holger Hetzel und durch Holger Hetzel in einem großartigen Team.

 

 

 

Er fiel nicht auf, und doch wiederum, weil er so alleine da saß. Und man war fast versucht zu fragen, ob ein Bier gefällig wäre. Der Mann mittleren Alters blätterte im Katalog, kritzelte man etwas hin. Er war ziemlich unauffällig,  graue Lederjacke, Brille im verwitterten Gesicht, Jeans wohl kaum von Armani geschneidert, das offene ziemlich vergilbte Hemd auch nicht unbedingt auf der Düsseldorfer Kö gekauft, und vom Coiffeur kam er auch nicht gerade. Still saß er da auf einem Hocker, ein Glas Saft vor sich. Er hatte Blickkontakt zur großen Leuchttafel, auf die Pferde, die gerade dort vor dem Versteigerungspult standen in Nachbarschaft des Auktionators. Für 20 Euro hatte er eine Eintrittskarte gekauft.

 

Elf Pferde waren bereits versteigert worden, die Millionengrenze schon nach 45 Minuten geknackt, als Auktionator Volker Raulf ins Mikro raunte: „Und nun die Nummer Zwölf - Tiger…“ Und da stand dieser braune Prachtkerl nun in der Halle, von Familie Müller in Tschechien gezogen, von königlicher Abstammung, Heartbreaker, Nimmerdor, Grannus, Cassini II Capitol und Cor de la Bryere im Pedigree – mehr Adel geht kaum. Und plötzlich war auch der unbekannte Fremde nach vorne geschnellt, in der einen Hand den Versteigerungskatalog, in der rechten das Handy, in das er kurz was sagte oder ans Ohr hielt. Der braune siebenjährige Modellathlet Tiger stand derweil ruhig vorne im Blickpunkt, souverän, schon zehn ebenfalls gekörte Söhne im eigenen Stammbaum, bereit für den ganz großen Sport. An den Tischen gingen die Kataloge hoch, die Zahlen auf der Leuchttafel noch oben – 600.000 Euro… Ruhe im weiten Rund der hochfein gestylten Reithalle, der Hammer von Volker Raulf knallt aufs Pult. Der Fremde hat den Hengst. Er geht zurück zu seinem Hocker, als hätte er nur ganz kurz geguckt, was in der Halle im einzelnen läuft. Gefragt auf deutsch, was er mit dem Pferd vorhabe, antwortet er auf englisch, er verstehe kein deutsch. Er lächelt freundlich. Dann sagt er, er habe den gekörten Hengst im Auftrag für ein Gestüt in England ersteigert, was die damit vorhätten, wisse er nicht, er hoffe nur, es komme ein guter Springreiter drauf. Er ist plötzlich ein anderer, ein Pferdemann.

 

Erworben wurde Tiger für das Gestüt Old Lodge Stud im Ashdown Forest/ Großbritannien,  unweit von Hickstead nördlich von Brighton, 189 ha groß, mit Schloss. Vor 20 Jahren kaufte Prinz Torki von Saudi-Arabien das Grundstück und begann ganz gezielt eine Springpferdezucht mit besten Blutlinien. Prinz Torki ist der bisher einzige Züchter im arabischen Raum, mit dessen Zuchtprodukt bereits eine Olympische Medaille gewonnen wurde – nämlich Team-Bronze in London 2012 durch Sultan, mit Abdullah Sharbatly (Saudi-Arabien) im Sattel.

 

Vier Pferde für Russland…

 

Holger Hetzel bot auf seiner 13. Auktion 19 Pferde an, 19 mögliche sogenannte Kracher vor dem Sprung in den ganz großen Sport, nicht nur vom Alter her und Prophezeiungen. Volker Raulf, längst ein Routinier dort auf jenem kleinen Karree von keinen zwei Quadratmetern, groß genug, um in drei Stunden möglicherweise für die  Pferdewelt etwas bewegen zu können. Für  insgesamt 4.130.000 Euro gingen die Pferde weg, der „Schnitt“ lag bei 217.368 €. Alles lief wie schon in den Jahren zuvor ganz natürlich ab bei diesem inzwischen alljährlichen Familienfest. Der Rekorderlös wurde nicht mit einem Tusch bejubelt, und die Steigerung an Erlös scheint fast selbstverständlich, denn gute Springpferde sind inzwischen wertvoll wie Gold, eine gute Geldanlage, zumal man ja für Guthaben auf den Banken teilweise bezahlen muss.

 

Und dahin gingen die anderen Pferde: Die lettische Stute My Girl von Frascati für 180.000 Euro nach Russland, die braune Holsteinerin Senorita für 150.000 ebenfalls ins flächenmäßig größte Land der Erde, und für 210.000 Euro wurde dem Ukrainer Alexander Onischenko der Mecklenburger Schimmel Feels like Heaven zugeschlagen. Wie am Abend noch so nebenbei erzählt wurde, strebe Onischenko die deutsche Staatsbürgerschaft an…

 

Der braune Holsteiner Hengst Super Trouper von Catoki brachte 435.000 und wird eine Box in Hessen beziehen, Hengst Casting, ebenfalls Sohn von Catoki, ging für 315.000 in die Niederlande, die belgische Stute Be mine von Quincy-Quidam de Revel hatte einen Käufer im Iran (120.000 €), der holländische Wallach Dynamite hatte nach dem Fall des Auktionshammers keine lange Fahrt vor sich, er wechselte für 210.000 € ins Nachbarland Niederlande. 210.000 € legte ein Russe für die Oldenburger Stute La vie en rose von Lordanus an, und Ulli Horrig war für seine Tochter Sandra der Schimmel-Wallach Bacardi Feeling von Heartbeet 210.000 € wert. Der Schweizer Europameisterschafts-Dritte Martin Fuchs hatte zwei Pferde im Auge, der Sponsor kaufte ihm für 275.000 den belgischen Fuchs-Wallach Ghostbuster von President-Clinton-Corrado I auf der Vaterseite.

 

Pferde als gute Geldanlage…

 

Der braune Oldenburger Wallach Herzbube von Lord Pezi-Lacros-Landgraf I (220.000) zog in einen Hamburger Stall um, die belgische Schimmel-Stute  Lambada (170.000) machte einen weiteren russischen Interessenten glücklich, und der Schweizer frühere Elite-Reiter Willi Melliger wurde für einen Kunden fündig und erhielt den Zuschlag (260.000 €) für den braunen Hannoveraner Wallach Entertainer mit viel Holsteiner Blut in den Adern. Der Holsteiner Hengst Moviestar von Clarino (90.000) und der in Holland gezogene Fuchswallach Manitu von Zambesi (80.000) bleiben in Deutschland wie drei weitere Pferde, die sich Frank Auer sicherte: Der dunkelbraune Oldenburger Wallach Endless Love (75.000) von Diarado-Diamant de Semilly, die ebenfalls in Oldenburg gezogene Stute Angel (160.000) von Centadel-Cento und der braune Holsteiner Wallach Win again (135.000) von Casall.

 

Betriebswirt Holger Hetzel (57), der ja nach dem Abitur Tierarzt werden wollte, Betriebswirtschaft studierte und damals schon den Reitsport mit Handel  als herrlichen Nebenverdienst entdeckte, dann aber Berufsreiter und Trainer wurde, sagte anschließend: „Alles ist übersichtlich und natürlich Jahr für Jahr gestiegen. Auch die Qualität der Pferde.“ Alle Pferde der Versteigerung waren in „meinem Besitz, dafür fuhr ich in ganz Europa herum, war in Polen, Tschechien, in den Niederlanden, Belgien und an vielen Orten von Deutschland, auf Turnieren und bei Züchtern“.

 

Pferde als Geldanlage in der inzwischen zinslosen Zeit für Sparer entdecken anscheinend immer mehr. Und der vom Luxemburger Banker John Baumann und Holger Hetzel vor fünf Jahren aufgelegte Fonds „Equi Future Champions“ (EFC) fand nun seine Fortsetzung, nachdem Baumann vor zwei Jahren 54-jährig einem Rückenmarkstumor erlag. Hetzel, u.a. in diesem Jahr zum zweiten Mal deutscher Vizemeister geworden, Trainer des Verbandes Rheinland, gründete eine GmbH, ihr gehören zur Zeit sieben Personen an. Hetzel: „Alles läuft ganz offen, die Bücher sind jederzeit einsehbar, nichts wird verdeckt oder gar vertuscht.“ Vermögensberater Baumann hatte damals schon den Wirtschaftsfaktor Pferd entdeckt, dann festgestellt, dass Krisen den Pferdesport nicht erfassten, „ganz im Gegenteil“. Und er bemerkte „eine Globalisierung auch im Pferdesport“. Außerdem: „Ein Pferd wird durch den Sport, durch die entsprechende Ausbildung von Könnern, zu einem Wertgegenstand.“ Seine in Auftrag gegebenen Untersuchungen ergaben weiter, dass der Pferdebestand in der Welt zunehme, „die gut ausgebildeten Pferde aber weniger werden.“ Und die Recherchen förderten weiter  zusätzlich zutage, „dass der Wert deutscher Reitpferde in den letzten 40 Jahren eine Steigerung von 700 Prozent erfuhr…“