| Weltcup-Finals ohne Pokalverteidiger... |
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| Geschrieben von: Dieter Ludwig |
| Mittwoch, 01. April 2026 um 11:04 |
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Um diesen Pokal geht es beim Weltcup der Springreiter (Foto: Kalle Frieler) Fort Worth. Ab Mitte kommender Woche finden die Finalturniere um die Weltpokale in Springen und Dressur in Fort Worth/ USA statt. Um die Teilnahme gab es keine Drängeleien um Starterlaubnisse, in Springen und Dressur fehlen gar die Pokalgewinner von Basel 2025 und noch andere mehr. Ist der Weltpokal ein Auslaufmodell oder nicht mehr das Vorzeigeprodukt in der Halle ? Vom 8. bis 12. April laufen in Fort Worth die Finals um die Weltcups in Springen und Dressur, zum elften Mal in der Geschichte des Springsports in den USA. Fort Worth in Texas hat fast eine Million Einwohner, wurde 1849 als Militärstützpunkt gegründet und trägt ihren Namen von General William Worth. Die Stadt ist ein Zentrum des Viehhandels und listet an berühmten Töchtern und Söhnen 154 Personen auf, darunter auch den Mörder des „Beatle“ John Lennon, aus dem Reitsport ist keiner darunter. Zuerst - nach dem alpinen Skiweltcup - war im Sport der Weltpokal im Springreiten ab 1978. 1986 in den Brabanthallen von Hertogenbosch/ NL wurde das erste Dressur-Finale um diesen Pokal ausgeritten, mit der dänischen Siegerin Anne-Grethe Jensen auf Marzog am Ende. Danach gewann u.a. die Niederländerin Anky van Grunsven nicht weniger als neunmal die Trophäe, fünfmal bisher siegte die Deutsche Isabell Werth. Anky van Grunsven reitet keine Turniere mehr, Isabell Werth hat auf einen Start in Fort Worth verzichtet, wie auch die britische Pokalverteidigerin Charlotte Fry. Aus Deutschland starten in Texas Raphael Netz und Moritz Treffinger. Die beiden Prüfungen – Grand Prix und Kür - sind mit insgesamt 300.000 Euro dotiert, die alles entscheidende Kür wurde mit 275.000 € ausgeschrieben, davon gehen an den Ersten 60.000 €. Der Springreiter-Weltcup galt über viele Jahre als inoffizielle Weltmeisterschaft in der Halle. Erstmals traf sich die Springelite zum entscheidenden Turnier 1979 im Scandinavium von Göteborg, am Ende hielt der umjubelte Österreicher Hugo Simon die Trophäe in die Höhe, nach seinen mitreißenden Ritten auf Gladstone. Der Beginn der inzwischen weltumspannenden Serie war nicht gerade einfach, vor allem was völlig Neues, und in dem recht konservativen Reitsport war Neues ziemlich verpönt. Am Anfang der Alpine Ski-Weltcup Die Erfindung eines Weltcups im Sport geht auf den französischen Sport-Journalisten Serge Lang zurück. Er kreierte den alpinen Ski-Weltcup 1966. Alle späteren Wettbewerbe unter dem Begriff „Weltpokal“ sind Kopien. Es begann in über 3.000 m Höhe. Dort hockten im chilenischen Andendorf Portillo im August 1966 eine Handvoll Journalisten, Trainer und Aktive fast täglich gelangweilt zusammen. Nebel und Sturm unterbrachen ständig die alpinen Skiweltmeisterschaften. In dieser erzwungenen Atmosphäre des Nichtstuns wurde die Idee für einen Weltcup ausgetüftelt und skizziert. Der Elsässer Serge Lang, ein Kerl wie ein Berg, Strippenzieher und Schreiber für die angesehene französische Sportzeitung "L`Equipe", riss das Kommando an sich. Bereits ein Jahr später wurden die ersten Rennen gefahren. Die Athleten durften noch nicht offen Prämien einstecken, für sie gab es Kristallkugeln zum Vorzeigen, sie kassierten versteckt. Elf Jahre später fand der Skiweltcup einen ersten Ableger: Den Springreiter-Weltcup. Die Idee dazu hatte der Schweizer Journalist Max Ammann. Er war während seiner USA-Zeit von der besonderen Atmosphäre der Hallenreitturniere in Washington und New York fasziniert. Er dachte schon damals über eine weltweite Serie mit Punktsystem nach. Während der Olympischen Sommerspiele 1976 in Montreal sprach Ammann den damaligen Präsidenten des Reiter-Weltverbandes (FEI), Prinz Philip, an und trug seine Überlegungen vor. Der Königin-Gemahl meinte, eine solche Serie wäre durchaus "verfolgungswürdig, arbeiten Sie mal ein Konzept aus". Donaueschingen: Beginn des Weltcups... Wie Max Ammann in seinem Buch „Der Volvo Weltcup – die ersten zehn Jahre“ schreibt, habe beim Turnier im September 1977 in Donaueschingen „der deutsche Journalist Dieter Ludwig das Signal gesetzt. Der nämlich fragte ganz plötzlich: Max, wie geht`s Deinem Weltcup ?“ Der ehemalige USA-Korrespondent des „Luzerner Tagblatt“ setzte sich in Donaueschingen noch während des Turniers mit den deutschen Springreitern Paul Schockemöhle und Hendrik Snoek zusammen, "ich redete mit allen, die zuhören wollten". Bei den alteingesessenen Veranstaltern stieß der Schweizer vor allem zunächst auf Skepsis, aber wiederum auch auf Interesse, "man weiß ja nie, was daraus werden kann", wie damals Hermann Heinemann als Direktor der Dortmunder Westfalenhalle sagte. In Donaueschingen, wo Brigach und Breg zusammenfließen und von da als Donau den gemeinsamen weiten Weg antreten, begann also die Geschichte des Springreiter-Weltcups. Was fehlte, war Geld – Volvo half Ammann erfuhr Unterstützung von den Amerikanern und dem neu gegründeten Internationalen Springreiter-Club. Was fehlte, war Geld, ein Hauptsponsor eben. Ihn fand der zielstrebige Eidgenosse in Göteborg bei Volvo, er hatte den richtigen Riecher. Er bat um ein Gespräch mit Volvo-Direktor Pehr Gyllenhammar. Der lud ihn zum Mittagessen nach Hause ein. Als später Kaffee und Cognac aufgefahren wurden, stand der mächtige Konzern-Boss auf und sagte: "Wir sind im Geschäft." Volvo gab für die erste Saison 1978/ 79 großzügig 480.000 Schweizer Franken. Seither werden weltweit in verschiedenen Ligen die besten Reiter und Pferde für die Finals gesucht. Inzwischen umfasst der Springreiter-Weltcup 50 Länder, Volvo verabschiedete sich nach 20 Jahren des Gönnertums. Die Skandinavier schossen nicht weniger als 100 Millionen Euro in das Unternehmen Weltcup und spendierten zudem als Ehrenpreise 161 Limousinen. Und den jeweils nach Ende des Finalturniers überreichte Trophäe hatte sich ebenfalls Kunstsammler Ammann ausgedacht. Mit seiner Überlegung ging er in Bern zum Juwelier Jürg Stadelmann, einem ehemaligen Mitglied der inzwischen abgeschafften Schweizer Kavallerie, dem sagte er, „oben muss ein Kelch zum Einschenken von Schampus sein, und unten soll sich ein Sockel zum Eingravieren der Siegernamen befinden“. Zwischen Schale mit Henkeln zum Festhalten und Sockel setzte der Künstler dann noch eine Stele aus Bergkristall. Die Trophy hat eine Höhe von rund 40 cm und ist ein Wanderpokal, der Sieger erhält jeweils eine Nachbildung. Um 1.172.500 Euro Gewinngeld In Fort Worth wird zum 46. Mal um die Spring-Trophäe gesprungen, es geht um insgesamt 1, 3 Millionen Euro Gewinngeld in der 14.000 Zuschauer fassenden Dickies Arena. 550.000 € werden ausgeschüttet in den drei Konkurrenzen, 750.000 zusätzlich an die Platzierten der Gesamtwertung, an den Pokalsieger allein 172.500. Doch das Echo im Vorfeld auf das Finale war nicht gerade laut. Im Blick hat die Springwelt vor allem die Weltmeisterschaften im August in Aachen. Dazu stehen noch weitere große und spektakuläre Prüfungen an. So verzichten einige der Großen auf eine Teilnahme, zum Beispiel Cupverteidiger Julien Epaillard (Frankreich), der vor einem Jahr in Basel die Siegerrunde anführte. Die Springreiterwelt der augenblicklichen Gegebenheiten lässt einem Aktiven nur zwei Möglichkeiten, entweder-oder, will ich zu einem großen Championat wie Aachen oder zum Geldverdienen auf mehrere Veranstaltungen. Die Zahl der erstklassigen Jumper in jedem Stall ist mehr als begrenzt. Und die sogenannten Überflieger werden nicht durch die Zucht produziert, sondern, wie sich der in seiner Zeit mehr als anerkannte Züchter Werner Schockemöhle äußerte: „Das Letzte, was ein Ausnahmepferd ausmacht, lässt sich kaum vor der Zeugung am Schreibtisch errechnen. Hier gesellt sich das Unabwägbare aus der Schöpfung dazu.“ Aus Deutschland qualifizierten sich für Fort Worth Daniel Deußer (Reijmenam/ Belgien), Cupgewinner 2014 in Lyon, Europameister Richard Vogel (Bensheim), Rene Dittmer (Stade) und Patrick Stühlmeyer (Mühlen), Der ebenfalls startberechtigte kommende Ludger-Beerbaum-Angestellte Philipp Schulze Topphoff (Riesenbeck) verzichtete, da sein vorgesehenes Pferd gesundheitlich nicht in Form ist. Bundestrainer Otto Becker (67), Weltcupsieger 2002 in Leipzig, sagt: „Wir werden sicher guten Sport beim Finale erleben. Für mich bleibt der Weltcup nach wie vor sehr gut und attraktiv. Das System hat sich über Jahre bewährt. In besonderen Jahren, wie wegen Olympia und nun wegen der WM in Aachen, verzichtet der eine oder andere Reiter auf einen Start im Finale, um sich für seinen speziellen Höhepunkt der Saison zu konzentrieren.“ „FEI kann nur verwalten…“ Fast 50 Jahre nach der Erfindung des Springreiter-Weltcups sieht Max Ammann sein Werk nicht gut verwaltet. Die größte Anziehungskraft gehe momentan von der „Global Champions Tour“ des Niederländers Jan Tops aus, „der ging aggressiv an die Sache ran, hörte auch immer und überall gut zu und stieß in Nischen“, sagt Ammann. Zum jetzigen Springreiter-Weltcup sagt er: „Als ich nach 20 Jahren von meinem Amt zurücktrat, übergab ich dem Weltverband ein fertiges und auch intaktes Produkt. Doch in der FEI ist nach wie vor niemand da, der von Marketing oder Pressearbeit etwas versteht. In der FEI wird nur verwaltet – aber nicht geführt. Das ist das Hauptproblem beim Weltverband.“ Und weiter sagt Max Ammann (87): „Startverzichte, auch von möglichen Favoriten auf den Pokalgewinn, gab es seit dem ersten Finale 1979. Jahrelang lebte das Finalturnier vom Duell Europa gegen Amerika. Heute dominieren die Europäer, zu Recht. Zu bemerken ist auch, dass es bei einem Weltcup-Finale in den USA immer mehr Verzichte gab als bei einem Endturnier in Europa.“ Und nun die Premier Jumping League Weniger als dem Weltcup in der Hallensaison droht der Global Champions Tour von Jan Tops (Niederlande) nun Konkurrenz einer neuen Serie, die sogenannte Premier Jumping League des US-Milliardärs Frank McCourt (72), ehemals Partner von Jan Tops, jetzt wohl eher Gegner. McCourt, der wie eben als Amerikaner gewohnt alles in Dollar aufwiegt und vergleicht, haute Tops gleich schon in Wellington am letzten Tag des „Winterfestivals des Reitsports“ in Florida die Dollar-Zahlen um die Ohren. Im Gegensatz zum niederländischen Team-Olympiasieger von 1972 und seiner Global Tour würden auf seiner neuen Tour 2027 nicht weniger als 300 Millionen US-Dollar ausgeschüttet, bei Tops ständen 2026 dagegen nur 36 Millionen als Gewinngeld auf der Liste. Die Premier Jumping League soll mit 16 Mannschaften starten, in gesamt 14 Orten von Europa, Nordamerika und dem Nahen Osten. Über ein Reglement, über Namen der ins Auge gefassten Turnierorte, Management der Reisen von Kontinent zu Kontinent, Ausschreibungen, Stewards, Tierärzte, Parcoursbauer, Einhaltung von Tierschutz oder Mitsprache der nationalen Föderationen oder des Weltverbandes (FEI) und der Springreiter selbst blieb unerwähnt. Große Pläne um viel Geld, doch die Wirklichkeit zerreißt oft derlei Phantastereien. Und über Pferdes Wohl wurde auch nicht parliert. Ausgerechnet diesen Punkt in der so sensibel gewordenen Welt ausgelassen. Das war möglicherweise der erste Faux Pas oder: unverzeihlich.
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