| Nachdenkliches und anderes aus der Geschichte "Deutsches Spring-Derby" |
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| Geschrieben von: Dieter Ludwig |
| Freitag, 15. Mai 2026 um 16:48 |
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Hamburg. Zum 95. Mal seit 1920 wird an diesem Sonntag in Hamburg Klein Flottbek das Deutsche Springderby ausgetragen. Obwohl viele Hindernisse entschärft wurden, gilt das Kurs allein wegen seiner Länge als mehr als schwierig und eben auch ungewohnt. Rekordgewinner ist der Brasilianer Nelson Pessoa mit sieben Siegen. Der weltbekannte Parcoursbauer Frank Rothenberger nennt den Aufbau und die Linienführung des Deutschen Springderbys in Hamburg eine revolutionäre Idee. Erfinder ist der Hamburger Kaufmann Eduard F. Pulvermann. Seit dem 26. Juni 1920 wird die Prüfung immer über den gleichen Kurs ausgetragen, über eine Länge von 1250 Meter mit 17 mehr oder minder natürlichen Hindernissen, die der Holsteinischen Landschaft entnommen sind. Nur drei Oxer müssen überwunden werden, und es gibt lediglich einen „Handwechsel“, das heißt eine Richtungsänderung, nach dem Doppel-Birkenrick als zehnter Hürde von rechts nach links. Frank Rothenberger, in Hamburg von 1994 bis 2025 Chef der Hindernislandschaft, sagt weiter: „Beim Derby in Hamburg liegt die Schwierigkeit in der Einfachheit.“ Es sind neben der Länge des Parcours die Hindernisse, die in Prüfungen des modernen Springsports nirgendwo mehr zu finden sind, wie zum Beispiel der „Große Wall“, der nach unten in Richtung weiße Planke drei Meter steil abfällt, oder das sogenannte Pulvermanns Grab. Hindernis Nummer 14, vorne ein 1,50 m hoher Steilsprung, etwas tiefer gelegen ein 2 m breiter Wassergraben, danach ein Rick als Aussprung. Manche glauben, dort habe Eduard Pulvermann seine letzte Ruhe gefunden. In Wahrheit hatte damals beim Bau des Hindernisses ein Arbeiter zu Pulvermann gesagt, da käme ja keiner heil drüber…So entstand der Ausdruck „Pulvermanns-Grab“, was aber inzwischen widerlegt wurde. Das Ungewöhnliche am Derby, das seine Heimat seit 1920 im noblen Klein Flottbek hat, ist auch gleichzeitig sein Reiz. Auch heute noch gilt der Parcours weltweit als eine der größten sportliche Herausforderung für Reiter und Pferd. Carl-Friedrich Freiherr von Langen, dessen Leben später verfilmt wurde unter dem Titel „…reitet für Deutschland“, Dressur-Olympiasieger 1928 in Amsterdam, gewann dreimal diese Konkurrenz, Fritz Thiedemann war fünfmal der Beste, Rekordgewinner mit sieben Siegen ist der Brasilianer Nelson Pessoa, Hans Günter Winkler, Hermann Schridde, Hartwig Steenken, Gerd Wiltfang, Achaz von Buchwaldt, Thomas Frühmann, Franke Sloothaak, Ludger Beerbaum, Hugo Simon, John Whitaker oder Alwin Schockemöhle, der als Erster zuhause den Wall und Pulvermanns Grab zu Trainingszwecken nachbaute, ließen sich als Derby-Sieger ebenfalls mit der berühmten Blauen Schärpe schmücken, während den Pferden aus Tradition nach wie vor der Eichenkranz um den Hals gelegt wird. Nelson Pessoa sagt über einen Erfolg in diesem Wettbewerb: „Der Sieg im Derby ist wie ein Ritterschlag. Der Kurs adelt einen Reiter.“ ************************************* Porträt über Derby-Erfinder Pulvermann von Dr. Horst Willer Der honorige Mensch und Reitersmann wurde am 9. Januar 1893 in der Kirche St. Georg in Hamburg auf den Namen Moritz Eduard Franz Pulvermann getauft. Moritz hieß sein väterlicher Großvater. Der Vorname Eduard stammt aus der mütterlichen Verwandtschaft . Franz dürfte auf den entsprechenden Vornamen eines Taufpaten zurückzuführen sein. Pulvermann selbst hat später stets mit Eduard F. Pulvermann seine Unterschrift geleistet. Das Deutsche Spring-Derby Das Hamburger Springderby zählt zu den Klassikern des Internationalen Springsports. Sein “Erfinder“ , Eduard F. Pulvermann, hat sich mit diesem bedeutsamen traditionellen pferdesportlichen Ereignis ein bleibendes Denkmal geschaffen. Jährlich im Mai treffen sich im herrlichen Jenisch-Park von Hamburg Klein Flottbek Olympiasieger, Welt- und Europameister der Springreiter, um auf dem schwierigsten Parcours der Welt, erneut ihre Kräfte zu messen. Neben dem CHIO Aachen gibt es in Deutschland kein traditionsreicheres und herausragenderes internationales pferdesportliches Ereignis als das Deutsche Spring- und Dressurderby. Nach wie vor streben die besten Springreiter der Welt danach, zumindest einmal den Eichenkranz in Hamburg-Flottbek zu gewinnen. Die Derby-Statistik über Sieger und Platzierte liest sich wie das Who is Who des nationalen und internationalen Springsports. Diese als Krone des Springsports bezeichnete Konkurrenz hat auch hinsichtlich ihrer finanziellen Dotierung an Attraktivität gewonnen. Während 1953 das gesamte Preisgeld nur 12.000 DM betrug und der Sieger 2.500 DM erhielt, konnten die Platzierten in vergangenen Jahren mit einer Gesamtsumme von 120..000 Euro und der Gewinner mit einer Siegprämie von stattlichen 30.000 Euro rechnen. In unserer schnelllebigen Welt gilt die Erfahrung: Nichts ist beständiger als der Wandel. Nun aber eine löbliche Ausnahme: Seit 1920, der Gründung des Hamburger Springderbys, ist die feststehende Springbahn mit seinen kapitalen Natursprüngen in seiner Linienführung, in der Art seiner Hindernisse und seiner außergewöhnlichen Gesamtlänge von 1230 m nahezu unverändert geblieben. Keine andere Springkonkurrenz übt eine so unvergleichliche Faszination auf Publikum und Teilnehmer aus. Der Derby- Parcours in seiner mustergültigen und zeitlosen Gestaltung ist zweifellos bis zum heutigen Tag ein Klassiker geblieben Wer war jener geniale „Erfinder“ des Springderbys? Es war Eduard F. Pulvermann, ein weltoffener und wohlhabender Hamburger Kaufmann. Pulvermann war zudem in den 20- Jahren mit seinen Pferden Tristan, Heiliger Speer, Weißer Hirsch und Kampfgesell ein international erfolgreicher Turnierreiter und ein Horseman ohne Fehl und Tadel. Seine Aufenthalte in England und seine Teilnahme am großen Reitturnier in dem belgischen Badeort Spa, wo er sich für die dort vorgefundene Vielzahl natürliche Hindernisse begeisterte, brachten für ihn die Inspiration und Anstoß zum Bau der Derby-Springbahn. Der feststehende Parcours entstand zunächst im Jahr 1920 auf dem alten Pologelände und wurde 1928 auf den heutigen Derby-Platz verlegt. Pulvermann bevorzugte Sprünge und Hindernisse, wie sie in der freien Natur und der norddeutschen Landschaft häufig vorkamen. Die allseits bekannte Legende um „Pulvermanns Grab“ ist insofern aufzuklären, als das besagte Hindernis für ihn nicht auf dem Derby-Platz zum Verhängnis eines Sturzes geworden ist, sondern ein ganz ähnlicher Graben anlässlich eines Turniers in Travemünde 1919. Als Sohn einer wohlhabenden und weltoffenen Kaufmannsfamilie verbrachte Eduard F. Pulvermann seine Kindheit und Jugendzeit in Hamburg, in der er seine Liebe zu den Pferden entdeckte. Die väterlichen jüdischen Vorfahren - sein Vater war bereits zum evangelisch-lutherischen Glauben konvertiert - sollten ihm später zum Verhängnis werden. Eduard Pulvermann hat seine militärische und reiterliche Ausbildung als “Einjähriger“ bei den 16-er Husaren in Schleswig, im Dragoner Regiment 17 in Ludwigslust und im Jägerregiment zu Pferde Nr.2 in Langensalza erfahren. Der Familientradition folgend erlernte er den Beruf des Kaufmanns, den er später in der Wahrnehmung der internationalen Geschäftsbeziehungen des eigenen Unternehmens mit Erfolg und großer Hingabe ausübte. Im Oktober 1914 heiratete Eduard Pulvermann in der Reinbecker Kirche Ruth Freiin v. Cramm, Tochter des Hofbesitzers Curt Freiherr v. Cramm auf Hinschendorf. Pulvermann nimmt am Ersten Weltkrieg teil, wird bereits im Oktober 1914 zum Offizier befördert, nachdem er vorher in der Schlacht von Tannenberg erfolgreich gekämpft hatte. Später war er mit wechselnden Aufgaben als Kompanie- und Ordonanzoffizier an verschieden Fronten im Einsatz. Nach dem verlorenen Krieg hatten für Pulvermann die geschäftlichen und familiären Verpflichtungen absoluten Vorrang. Schon bald unterhielten er und sein Stammhaus in Hamburg weitreichende geschäftliche Beziehungen zu Niederlassungen in fast allen Erdteilen. Pulvermann war Verfechter konservativer Werte, war Landwirt und Kirchenpatron, liebevoller Familienvater und Opa Pu. Seine wirtschaftlichen Erfolge hatten es ihm ermöglicht, Anfang der 20-er Jahre das Landgut Westensee in Schleswig-Holstein zu erwerben, wo er später nicht nur ein kleines Gestüt aufbaut, sondern auch eine erfolgreiche Rinder- und Schweinezucht betreibt. Trotz aller wirtschaftlichen und reiterlichen Erfolge bleibt Eduard Pulvermann persönliches familiäres Leid nicht erspart. Im November 1927 stirbt seine Frau Ruth Pulvermann an einer akuten Erkrankung. In zweiter Ehe heiratet er im Februar 1929 Sybilla v. Alten, Tochter des Regierungsrats Maximilian v. Alten aus Hannover. Zu den beiden Kindern aus der ersten Ehe gesellten sich später zwei Töchter. Die Nürnberger Rassegesetze machten Pulvermann wegen seiner jüdischen Großeltern zum „Halbjuden“. Ihm blieb während des Nationalsozialismus ein äußerst trauriges und leidvolles Schicksal nicht erspart. Unter dem Vorwand der Heimtücke, Volksverhetzung und Devisenvergehens wurde er im März 1941 von der Gestapo verhaftet. Im ehemaligen KZ Neuengamme vor den Toren Hamburgs wurde er beinahe zu Tode gequält. Am Ende seiner Internierung starb Eduard F. Pulvermann im April 1944 im Gefängnislazarett Langenhorn. Es gilt, immer wieder den großen Kreis der reitbegeisterten Menschen zu appellieren, diesem tüchtigen und untadeligen Menschen, dem die Reiter Welt den genialen und zeitlosen Parcours im Jenisch Park verdankt, stets ein ehrenvolles Gedenken zu bewahren.“ ************************************* 17 Hindernisse – 24 Sprünge… Mit dem Hamburger Springderby hat sich Eduard F. Pulvermann selbst ein lebendes Denkmal gesetzt. Der Parcours weist 17 Hindernisse und 24 Sprünge auf und ist doppelt so lang ist wie der üblicher Springbahnen, wobei 400 m in der Minute zurückzulegen sind. Insofern können sich wegen Ermüdungserscheinungen bei Pferd und Reiter vor allem gegen Ende des Parcours Springfehler häufen. Worin bestehen nun die speziellen Tücken dieser historischen Springbahn? Wenn auch keine scharfen Wendungen und Diagonallinien zu reiten sind, so sind die rasche Abfolge von Steil- und Hochweitsprüngen, die teilweise schwierigen Distanzen zwischen den Sprüngen und die Mischung aus Springsport und Querfeldeinritt das Salz in der Suppe dieser originellen Hindernisbahn. Das fehlerfreie Überwinden solcher Hindernisse, wie die Irischen Wälle, die Palisade, der Großen Wall mit der nach dem Abstieg unmittelbar folgenden Planke, der Birkenoxer , die Eisenbahnschranken und Pulvermanns Grab, erfordern vor allem Mut, Ausdauer und Können von Reiter und Pferd. Am Großen Wall, der eigentlichen Klippe des Springderbys, mussten auch ganz erfahrene Reiter immer wieder Fehler und Stürze hinnehmen. Die Mehrzahl der Reiter geht nicht ohne gründliche Vorbereitung in Hamburg an den Start. So wurden auf einigen Trainingsplätzen die wichtigsten Hindernisse des Klein Flottbeker-Parcours nachgebaut. Derartige Hindernisse gehören heute nicht mehr zum üblichen Repertoire nationaler und internationaler Springturniere. Mittlerweile ist es ein offenes Geheimnis, dass in den sechziger und achtziger Jahren die Sprünge jeweils deutlich erhöht wurden. Zu Beginn der Zwanziger Jahre betrug die Höhenabmessung 1,30m bis 1,40m. Gegenwärtig bewegen sich die Abmessungen zwischen 1,40m und 1,60m. Mit dieser Gegenüberstellung soll die Leistung der Springreiter vor dem Zweiten Weltkrieg nicht geschmälert werden. Sie verfügten damals noch nicht durchgängig über so exzellentes Pferdematerial wie ihre Reiterkollegen der Neuzeit. Das traditionsreiche Springderby hat im Rückblick seine Histörchen, Rekorde und Besonderheiten. Dazu hier eine kleine Auswahl: -- Eduard F. Pulvermann hat in den zwanziger Jahren regelmäßig mit seinen eigenen Pferden teilgenommen. Zwar war er oft platziert, aber einen Sieg konnte er nicht erringen. Seine hohe sportliche Auffassung wollte er dadurch zum Ausdruck bringen, dass er stets als Erster an den Start ging. Im Gründungsjahr belegte er mit Tristan, einem französischen Soldatenpferd, den sechsten Platz. -- Zu jener Zeit war der im Spring-, Dressur- und Vielseitigkeitssport gleichermaßen erfolgreiche Carl Friedrich v. Langen sehr populär. Er setzte auch im Springderby neue Maßstäbe. Nachdem er bereits 1924 mit seinem legendären Hanko das Derby gewonnen hatte, gelang ihm dies kurz darauf noch zweimal mit seinem Olympiapferd Falkner. -- Im Jahr 1925 hatte Pulvermann Prinz Friedrich Siegesmund v. Preußen, mit dem er eng befreundet war, sein zuvor von ihm erworbenes Pferd Heiliger Speer für das Derby zur Verfügung gestellt. Das Paar konnte sich an siebter Stelle platzieren. -- Noch zur Geburtsstunde des Derbys lautete die Ausschreibung: “Deutsches Springderby. Offen für alle Pferde. Herrenreiten“. Bis dahin fanden sich unter den Erstplatzierten viele adelige Rittmeister, wie der spätere Olympiareiter Marten v. Barnekow, v. Wietersheim, Graf Görtz, Graf W. Hohenau, Hermann v. Nagel und viele andere. Im Jahr 1934 war es dann soweit, erstmals konnten auch zwei Reiterinnen teilnehmen. Die Reiterelite musste sich geschlagen geben. Irmgard v. Opel mit ihrem Schimmel Nanuk trug nach Stechen den Sieg davon. -- Der Nationalsozialismus hatte auch die deutsche Reiterei erfasst. Ab 1934 war es Nicht-Ariern veboten, in Deutschland an Turnieren teilzunehmen. Als Vertreter der SS-Reitschule München-Riem gingen die Gebrüder Hermann und Waldemar Fegelein in den Jahren 1936 bzw. 1939 als Sieger im Derby hervor. -- Kriegsbedingt kam es zu einer zehnjährigen Unterbrechung. Die Menschen, die trotz der großen Zerstörungen in den letzten Kriegsjahren ausgeharrt hatten, sollen aus purer Not alles Brennbare - darunter Tribünenbretter, Hindernisstangen und Holzeinfriedigungen - auf dem Derby-Platz abgebaut und als Heizmaterial genutzt haben. -- Der Neuanfang gelang im Jahr 1949. Erfreulich war zudem, dass sogleich eine Frau, Käthe Schmidt-Metzger, die bereits 1936 Zweitplatzierte gewesen war, auf ihrem Holsteiner Fenek den Eichenkranz erringen konnte. Da es damals um die Transportmöglichkeiten noch recht schlecht bestellt war, hatte die spätere Siegerin den Weg von Elmshorn nach Hamburg zu Pferde zurückgelegt. -- Seit 1952 ist das Springderby international ausgeschrieben. So wurde es dann auch zur Selbstverständlichkeit, dass international erfolgreiche Reiter, wie die Brüder d`Inzeo, Nelson Pessoa, Eddie Macken, Henk Noren, David Broome, Harvey Smith, Conrad Homefield, John Withaker, Thomas Frühmann, Hugo Simon, um nur einige zu nennen, gegen ihre deutschen Konkurrenten antraten und sich auch auf den vorderen Plätzen behaupten konnten. -- Fritz Thiedemann, erfolgreicher Olympia- und Nationenpreisreiter, gewann zu seiner Zeit das Springderby fünfmal mit den Pferden Loretto, Meteor, Diamant, Finale und Retina. Von Ihm wird behauptet, dass er den Flottbeker Turnierplatz wie im Schlaf kannte. -- Nicht nur dem großrahmigen Holsteiner Meteor war der Derby-Kurs wie auf den Leib geschrieben, sondern auch der kleine Stroller, gezogen aus einer Connemara-Stute und abstammend von einem Englischen Vollblüter, mit einem Stockmaß von 1,50 m, geritten von der Engländerin Marion Coakes, hatte 1970 im Springderby die Nase vorn. Dieses wunderbare Pferd wurde 36 Jahre alt. -- Im Laufe der Jahre war der Springsport immer professioneller geworden und hatte an Internationalität gewonnen. So sprachen Kritiker in den Jahren 1982 und 1984, als das Derby jeweils in zahlenmäßig stark besetzten Stechen entschieden werden musste, ganz offen von einer “Nullrundeninflation“. Paul Schockemöhle - oft Platzierter, aber nie Sieger des Derby - sprach mit seiner Feststellung: “Das Derby ist zu leicht“, das aus, was viele auch beobachtet hatten. Daraufhin wurden im Jahr 1985 einige Sprünge erneut erhöht. Der schleichenden Entzauberung des Springderbys war damit Einhalt geboten, es hatte seinen Platz als Klassiker zurückerobert. -- Bislang hatte nur einer das große Glück, insgesamt siebenmal in seinem Reiterleben den Eichenkranz des Derbys zu gewinnen: Es war der legendäre Nelson Pessoa auf seinen Pferden Espartaco, Gran Geste und Vivaldi, wobei seit dem ersten Sieg im Jahr 1961 dreiunddreißig Jahre vergangen waren, als er im Jahr 1994 als bereits 59-jähriger zum letzten Mal das Derby für sich entscheiden konnte. Ein weiterer Derby-Spezialist mit fünf Siegen ist Hugo Simon. -- Im Jahr 1996 endete das Springderby insofern sensationell, als die ersten drei Plätze von drei Pferden belegt wurden, die schon längst das Gnadenbrot verdient hätten: Sieger war Achaz v. Buchwaldt mit dem 18-jährigen Lausbub, ihm folgte John Whitaker auf dem 19 Jahre alten Gammon, und auf dem dritten Platz rangierte Nelson Pessoa auf seinem unverwüstlichen Vivaldi, der auch bereits 19 Jahre auf dem Buckel hatte. -- Unter den irischen Reitern, die mit den Naturhindernissen besonders vertraut sind, ragte damals Eddie Macken besonders heraus. Er konnte sich gleich dreimal in die Siegerliste des Derbys eintragen. Dreimal in der Derby-Historie gewannen auch Alwin Schockemöhle und Thomas Frühmann. Carsten Otto Nagel zählt mit zwei Siegen und sechs Platzierungen zu den „Alten Hasen“ des Derby-Kurses ebenso wie Weltmeister und Olympiasieger Ludger Beerbaum, der ähnlich erfolgreich war. Mit vier Erfolgen schob sich zuletzt auch Andre Thieme in die vordere Reihe. -- Einer der Ersten aus dem Osten, der nach der Wiedervereinigung den Derbysieg davontragen konnte, war Holger Wulschner im Jahr 2000 mit dem Holsteiner Hengst Capriol. Aber auch weitere Mecklenburger, wie Thomas Kleist, Heiko Schmidt, Thomas Granzow und Andre´ Plath, haben sich durch Siege und Platzierungen einen Namen gemacht. -- In bester Erinnerung ist noch der sensationelle Erfolg von Toni Hassmann, als ihm in den Jahren 2004 und folgende der Hattrik gelang, mit seinem Holsteiner Collin. Im Jahr 2014 war Gilbert Tillmann, Hufschmied aus dem Rheinland, der Sieger, der seinen 18-jährigen Braunen Hello Max grandios über den Derby-Kurs gebracht hatte. Er konnte sein Glück nicht fassen, Er hatte Hallo Max , der einst als unreitbar verschrien war und zwischenzeitlich auch als Schulpferd gedient hatte, für den Springsport entdeckt Wie kam es zum Namen “Pulvermanns Grab“ ? Wie bereits vorher kurz erwähnt, bedarf es der Bezeichnung „Pulvermanns Grab“ einer Aufklärung. 1919 anlässlich eines Turniers in Travemünde mit Pulvermann als Parcoursbauer wurde jenes besagte Hindernis von Klein Flottbek erstmals in die Hindernislandschaft gestellt. Als er dann selbst diese Hürde überwinden wollte, kam er zu Fall, und sein Freund v. Buddenbrock-Pläswitz quittierte diesen verhängnisvollen Sturz mit dem spontanen Ausruf „Ah, das ist Pulvermanns Grab“. Diese mögliche Blamage hat den Schöpfer des Springderbys nicht davon abgehalten, jenes Hindernis im Jahr 1923 als Neuheit mit in die Hindernisbahn aufzunehmen. Die Bezeichnung Spring-Derby soll darauf zurückzuführen sein, dass Pulvermann als Freund des Turfs ein Pendant zum Deutschen Galopp-Derby ebenfalls ein solches Ereignis mit gewichtigem Namen dem Springsport gegenüberstellen wollte. Als E.F. Pulvermann sich 1935 “gezwungenermaßen“ vom Turniersport verabschiedete, gab er auf seinem Gut Westensee für seine Freunde ein Abschiedsessen. Zur obligaten Tischrede wurde sein Pferd und Wegbegleiter “Weißer Hirsch “ in den Speisesaal geführt und hinter Pulvermann aufgestellt, der dann bewegt seine Dankesworte sprach... |