Außenseiter gewann das 157. Deutsche Galopper-Derby in Hamburg Horn Drucken
Geschrieben von: Martina Brüske/ dl   
Montag, 06. Juli 2026 um 08:07

Hamburg. Die Besucher auf der Galopprennbahn in Hamburg Horn und alle Galopp-Fans in 27 Ländern des World Pools wurden am Finalsonntag des IDEE Derby-Meetings am Sonntag Zeuge der größten Überraschung in der Geschichte des bedeutendsten Rennens hierzulande.

Der von Andreas Wöhler - sechster Derbysieg - in Spexard bei Gütersloh für den Stall Bergholz von Friedrich von Lenthe und Dr. Hans-Wilhelm Jenckel trainierte große Dardanos triumphierte mit Jockey Wladimir Panov im  IDEE 157. Deutschen Derby (Gruppe I, 650.000 Euro, 2.400 m) – zur Quote von 84,8:1! Die Dreierwette bezahlte 43.221,5:1 Euro, die QUINTETT-Wette wurde nicht getroffen. Unter den Augen von Hamburgs Erstem Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher sorgte Dardanos für ein Ergebnis, mit dem kaum jemand gerechnet hatte. 390.000 Euro Siegprämie waren der Lohn für diese grandiose Leistung.

Der dreijährige Sohn des Ausnahme-Vererbers Soldier Hollow aus der Zucht von Barbara Holubova und Halbbruder des letztjährigen Derby-Starts Delgardo übertraf alle Vorformen, wie einen zweiten Rang im neu geschaffenen Hoffnungspreis – Derby-Trial in Dortmund. Stets gehörte Dardanos dem Vordertreffen im 18er-Feld an, in das in der Gegenseite viel Bewegung kam, als Kairos und Chiefland in äußeren Spuren an die Spitze zogen. Auch Salitos galoppierte dichtauf gemeinsam mit dem späteren Horn-Helden Salitos.

Auf der Zielgeraden sah man drei Liberty Racing-Pferde vorne, doch die größte Energieleistung vollbrachte Dardanos. Mit riesigem Kampfgeist stürmte der einstige 10.000 Euro-Kauf der BBAG-Jährlingsauktion mit einem wie entfesselt agierenden Wladimir Panov, einem der Jockeys aus der zweiten Reihe, der noch nie ein Derby gewonnen hatte, mit einer Länge zum Sieg in dem erneut von Albert Darboven gesponserten Highlight des Turf-Jahres 2026. Ein großartiges Ergebnis erzielten auch die Liberty Racing-Besitzergemeinschaften mit den Plätzen zwei, drei und vier von Chiefland, Salitos und Kairos, die nach ihrer Überraschungsoffensive unterwegs prächtig standhielten.

Interessant und geschichtsträchtig: Friedrich von Lenthe, gemeinsam mit Dr. Hans-Wilhelm von Jenckel Mitbesitzer von Dardanos, ist auch an den Liberty Racing-Syndikaten beteiligt. Damit durfte er sich über die vier Erstplatzierten freuen, so etwas hat es in der 157-jährigen Derby-Historie noch nie gegeben! 

Platz fünf ging an Quitos für das in Brackel gelegene Gestüt Paschberg. Damit waren nur Außenseiter auf den ersten fünf Plätzen, denn der Favorit Englishman konnte sich als Sechster ebensowenig steigern wie der als beste Wöhler-Chance eingestufte Gostam als Zehnter. Sogar nur den vorletzten Platz belegte der Engländer Bay Of Brilliance.

STIMMEN:

Wladimir Panov (Jockey von Dardanos): „Das ist der beste Tag in meiner Karriere. Ich kann das gar nicht fassen. Wir hatten immer eine gute Position, und Dardanos ist auch ein sehr unkompliziertes Pferd. Etwas Besseres konnte mir nicht passieren.“

Andreas Wöhler (Trainer u.a. von Dardanos): „Dardanos hat das letzte Rennen noch gebraucht. Er hatte sich anschließend stark verbessert und brauchte einfach nur Zeit. Es ist immer wieder etwas Besonderes und sehr Emotionales, das Derby zu gewinnen.“ 

Friedrich von Lenthe (Mitbesitzer von Dardanos): „Es ist unbeschreiblich und überwältigend. Das war ein großartiger Erfolg von Dardanos, aber ich gratuliere auch den Initiatoren von Liberty Racing. Wir kommen aus der zweiten Reihe und treten nun einmal in die erste Reihe. Dem Jockey haben wir das Vertrauen geschenkt, da er das Pferd kannte.“

Lars-Wilhelm Baumgarten (Manager von Liberty Racing, u.a. von Chiefland, Salitos und Kairos): „Ein großartiges Ergebnis für Liberty Racing mit dem Zweiten bis Vierten im Derby. Ein Weltklasse-Ritt von Cieran Fallon auf Chiefland. Wir hatten uns die Taktik überlegt, außen auf den besseren Boden zu gehen. Gratulation dem Stall Bergholz zum Sieg von Dardanos.“

Bauyrzhan Murzabayev (Jockey von Salitos): „Wir erwischten zunächst einen günstigen Rennverlauf im Vordertreffen. Ich bin dem Sieger gefolgt. Mitte der Geraden wurden wir etwas gestört. Er ist toll gelaufen.“

Marcel Weiß (Trainer von Englishman): „Er hatte einen guten Rennverlauf. Er hätte anderen Boden benötigt, um seine Bestform zu zeigen.“

Soreanga im Stuten-Thriller minimal vorne

Stuten-Power im Rahmenprogramm vor 20.400 Zuschauern am großen Tag des IDEE 157. Deutschen Derbys in Hamburg-Horn, an dem erstmals sechs Rennen zum World Pool-Programm gehörten und in 27 Länder, wie nach Hong Kong, übertragen wurden.  Im ersten der beiden Grupperennen für die Ladies gab es gleich ein packendes Finish: Die von Andreas Wöhler für das Gestüt Fährhof trainierte Dreijährige Soreanga (6:1) hielt in der Hugo Pfohe Horsepower Trophy – Hamburger Stutenpreis (Gruppe III, 55.000 Euro, 2.200 m) an der Spitze einen minimalen Vorsprung gegen die nicht schlechter gehende Believe in Me eisern fest. Nach Zielfoto-Entscheid hatte die schon 2025 zur Listensiegerin aufgestiegene Pferdedame  einen kurzen Kopf Vorteil.

Believe in Me unterlag in allen Ehren, schien kurz gewinnen zu können. Dahinter war der Abstand zu Noble Lips als gute Dritte schon deutlicher vor der Französin Chill Y Flama, die von letzter Stelle nie Chancen auf mehr hatte. Die Favoritin Schneewittchen gab sich bald geschlagen.

STIMMEN:

Eduardo Pedroza (Jockey von Soreanga): „Sie hat gezeigt, dass sie in diese Klasse gehört, eine wirklich tolle Stute.“

Andreas Wöhler (Trainer von Soreanga): „Die Stute hat das letzte Rennen noch gebraucht. Natürlich steuern wir nun den Preis der Diana an.“

Dr. Andreas Jacobs (Besitzer von Soreanga): „Sie hat nun an die Formen aus dem vergangenen Jahr angeknüpft. Ich denke, dass Soreanga noch nicht einmal bei hundert Prozent war. Wir peilen nun die Diana an.“

Klaus Hofmann (Besitzer von Believe in Me): „Wenn sie außen gekommen wäre, hätte sie gewonnen. Auch kleine Trainer können schnelle Pferde trainieren.“

Andreas Suborics (Trainer von Noble Lips): „Wir hatten einen guten Rennverlauf, nur zu Beginn der Geraden wurde sie etwas irritiert. Unsere Stute war ungefährdete Dritte. Es geht nun in die Diana und dann in den T. von Zastrow Stutenpreis nach Baden-Baden.“

England vor Frankreich und Deutschland

Eine internationale Angelegenheit war das Sparkasse Holstein-Rennen – Hamburger Stuten Meile (Gruppe III, 55.000 Euro, 1.600 m), denn die Engländerin Sunlit Uplands (14,8:1-Außenseiterin) holte sich als völlig unterschätztes Pferd die Prüfung gegen die favorisierte Godolphin-Stute Fortuna Diamond aus Frankreich und Mala Wyska als beste Inländerin.

Nach frühem Vorstoß stand die von Stuart C. Williams auf der Insel für Rachel Flynn und Ex-Trainer Rae Guest, der 2025 seine Karriere beendet hatte, locker mit drei Längen Vorsprung durch. Jockey Marco Ghiani hatte alles bestens eingeteilt und sicherte die 32.000 Euro Siegbörse. „Ich war letztes Jahr schon in Düsseldorf, nun habe ich hier in Hamburg ein Grupperennen gewonnen. Ich mag Deutschland“, sagte Ghiani. „Sunlit Uplands hatte schon 2025 ihr Potenzial angedeutet, und in diesem Jahr war sie zweimal gut platziert in Gruppe- und Listenrennen. Sie wird mit dem Alter immer besser“, fügte Mitbesitzer Rae Guest hinzu.

Begonnen hatte der Derby-Tag mit dem sehr sicheren ersten Karrieretreffer von Stall Grafenbergs Laetitia (3,9:1) mit Martin Seidl für den Kölner Trainer Waldemar Hickst, die sich in einer 2.000 Meter-Prüfung gegen New Rocket und Königin Karlia behauptete. Besitzer ist mit Albrecht Woeste der Ehrenpräsident von Deutscher Galopp.

Hamburger Treffer durch Ally McMagic

„Die meisten Besitzer kommen aus Hamburg, daher wollten wir hier gewinnen“, schilderte Trainer Pavel Vovcenko nach dem neuerlichen Treffer von Ally McMagic (11.2:1) mit Alexander Pietsch, die für den Stall Rüm Hart schon 2025 hier erfolgreich gewesen war, in einem Ausgleich III über 2.200 Meter. Die Riesenaußenseiterin Pearl of Japan, Obstler und Oriental King komplettierten die Viererwette, die nicht getroffen wurde.

Askalon dominiert

Start-Ziel war die Erfolgstaktik im Rudolf-August Oetker-Gedächtnisrennen (52.000 Euro, 1.600 m), denn der von Peter Schiergen für Philip Baron von Ullmann gesattelte Askalon (4,8:1) wurde den hohen Ambitionen der Wetter gegen Bapp und Nardos vollauf gerecht. Bauyrzhan Murzabayev teilte dem Hengst an der Spitze gegen Bapp und Nardos alles bestens ein. „Es hat bestens gepasst, der Jockey hat ihm ein sehr gutes Rennen serviert“, schilderte Trainer Peter Schiergen.

„Onzo“-Jubel im Hapag-Lloyd-Rennen

Onzo – diese Bezeichnung steht für „Organisation notleidender Zocker“ und ist der besonders humorvolle Deckname für den Stall des Düsseldorfer Sport-Journalisten Daniel Delius, dessen Stute La Spezia (6,4:1) unter Leon Wolff das Hapag-Lloyd-Rennen (52.000 Euro, 2.200 m) beherrschte. Nach einem perfekten Rennverlauf verabschiedete sich die Lady deutlich von Charleston und Noyan. „Ich war etwas skeptisch wegen der Distanz, aber sie hatte ja schon in Hannover zuletzt sehr souverän gewonnen und wird immer reifer“, kommentierte Trainer Sascha Smrczek.

Katar-Seriensiegerin beeindruckt

Im höchstdotierten Rennen für Arabische Vollblüter in Deutschland, dem The President of the United Arab Emirates Cup (Gruppe II, 250.000 Euro, 1.600 m) dominierte mit der Katar-Seriensiegerin Chdia (1,5:1) in den weltberühmten Farben von Wathnan Racing für Star-Trainer Alban de Mieulle mit Weltklasse-Jockey James Doyle gegen Haseef und HM Majdallah. 

Eine sensationelle Entwicklung hat die von Gordan Batistic in Iffezheim für den Stall Grey Goose vorbereitete Ostseesonne (3,7:1) genommen, denn in einem 1.600 Meter-Ausgleich III landete die Stute ihren vierten Coup in Serie, nach einem abermals erstklassigen Ritt von Sibylle Vogt. Newkidontheblock, Feuerwehrfelicitas und Belisaire auf Rang zwei bis vier machten die Viererwette rund, die 3.794,4:1 Euro bezahlte.

Er scheint die Rennbahn in Hamburg-Horn zu lieben – Windfang, von Bohumil Nedorostek aus Hannover entsandt, holte sich wie schon im Vorjahr eine Prüfung in der Hansestadt. Vorneweg ließ der 6,7:1-Mitfavorit in einem 1.600 Meter-Ausgleich II nichts anbrennen und verwies Mister Phoenix, Needle Drop sowie Anatara auf die nächsten Ränge. Einen Erfolgstag hatte auch Jockey Bauyrzhan Murzabayev, der insgesamt drei Treffer am Sonntag feierte.

Top-Bilanz

Hochzufrieden fiel das Fazit von HRC-Schatzmeister Johann-Heinrich Riekers aus: „Wir hatten heute einen Wettumsatz von 4,8 Mio. Euro, allein 1,5 Mio. Euro kamen aus dem Derby. Rund 20 Mio. Euro wurden im World Pool gewettet, da sind die deutschen Umsätze mit enthalten. Stark waren die Zuwächse am Derby-Tag in der Bahnwette und beim Auslandsumsatz. Bemerkenswert war, dass ein Wetter auf der Rennbahn mit 1,50 Euro Grundeinsatz die Dreierwette im Derby getroffen und 68.000 Euro bekommen hat. Ich bin begeistert, wie toll es gelaufen ist. Ich denke, Herr Matthiessen hat vom Himmel aus die Daumen gedrückt und die richtigen Pferde und Umsätze besorgt. Mein Dank gilt dem gesamten Vorstand und unserem Team.“

 

 

 

 

 

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