







| Klaus Pavel oder Butterbrote von Prinzessin Pilar de Borbon... |
|
|
|
| Geschrieben von: Dieter Ludwig |
| Mittwoch, 05. August 2026 um 10:37 |
|
Klaus Pavel, seit 50 Jahren zuhause in Belgien (Foto: privat) Raeren/ Belgien. Von 1990 bis 2018 fanden acht „Weltreiterspiele“ und gleichzeitig Weltmeisterschaften statt, als einziger Austragungsort verbuchte nur Aachen 2006 ein finanzielles Plus. Und der die Veranstaltung in die alte Kaiserstadt geholt hatte, war Klaus Pavel, der heutige Ehrenpräsident des ausrichtenden Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV). Nun sind wieder Weltmeisterschaften in Aachen, und Klaus Pavel ist Ehrengast. Die Idee hatte Fritz Widmer († 2015). Der frühere Kommandant der Schweizer Kavallerie und späterer Generalsekretär des Reiterweltverbandes (FEI) trug seine Überlegungen zur gedacht einmaligen Veranstaltung von Weltreiterspielen dem Präsidenten Prinz Philip vor, der nickte sie ab. So fand 1990 in Stockholm die ersten Reitergroßveranstaltung dieser Art in Erinnerung daran statt, dass Stockholm 1956 die von Melbourne ausgelagerten die Olympischen Reiterwettkämpfe organisierte, weil Australien auf den harten Quarantänevorschriften beharrt hatte und keine Pferde kurzfristig ins Land lassen wollte. Nur Aachen machte ein Plus... Auf Stockholm folgten Den Haag 1994, vier Jahre danach Rom, 2002 wurde die Großveranstaltung in Jerez de la Frontera/ Spanien durchgeführt, 2006 in Aachen, 2010 in Lexington/ USA, 2014 in der Normandie und zum Schluss 2018 in Tyron/ USA. Danach gab es keinen finanzstarken Interessenten mehr für ein solches Mammutereignis, die FEI vergab wie vor 1990 wieder einzelne Welttitelkämpfe. Bis auf Aachen waren alle anderen Veranstalter der Reiterweltspiele jeweils danach mit dem Tilgen der Schulden beschäftigt. Und der den Großevent nach Aachen geholt hatte, war Klaus Pavel. Der Industrielle aus Aachen, wortgewandt, hatte ein in FEI-Kreisen, wo vor allem Blaues Blut auf Kongressen in den Adern der Beteiligten floss, ein völlig ungewohntes Auftreten. In seiner ersten Rede vor der FEI-Hauptversammlung im Januar 1996 in Sevilla, sagte er unter anderem, was auch heute noch stimmt, der Reitsport habe als eine der ältesten Sportarten eine lange Geschichte, besitze Noblesse, Eleganz, biete Spannung und Risiko, das müsste sich doch vermarkten lassen. Es sei falsch, auf dem hohen Ross sitzen zu bleiben, man solle aber von anderen Sportarten wie Fußball, Tennis, Formel 1 oder auch Golf lernen, „wir müssen stärker als bisher die Aktiven, die Zuschauer, die Medien, Sponsoren, Pferdebesitzer, Mäzene und Sponsoren einbinden in den Sport, in den Ablauf der Turniere.“ Seine Worte haben nichts an Gewicht oder Wichtigkeit verloren, wie auch nicht dieser Satz: „Die drei M`s haben weiter Gültigkeit: Medien – Marketing – Money. Der Schlüssel zum Erfolg.“ Cowboy, der aus der Hüfte schießt... Anschließend nach seiner Rede in Sevilla wurde gewitzelt über Pavel „den Cowboy, der aus der Hüfte schießt“. Aber man erkannte seine Argumente auf der anderen Seite an, und wie er sich heute erinnert, nach heftigen Meinungsverschiedenheiten mit der FEI-Präsidentin Dona Pilar de Borbon (+2020), dass die Vermarktungsrechte immer beim Veranstalter liegen müssen, wurden sie später gute Freunde, sodass Dona Pilar sich nicht zu schade fand, dem Cowboy aus Aachen für die Rückreise aus Spanien persönlich die Butterbrote zu schmieren, „weil doch das Essen auf der Iberia so schlecht ist“. 2002 auf der Generalversammlung in Jerez de la Frontera erhielt Aachen den Zuschlag zur Ausrichtung der Weltreiterspiele 2006. Klaus Pavel (90), früher auf ländlichen Reitturnieren um Aachen unterwegs im Springen bis zur Klasse M, von Beruf Diplomingenieur in Fertigungstechnik, der Portugiesisch und Englisch in Wort und Schrift beherrscht, sich auf italienisch, spanisch und französisch gut verständigen kann und dazu auch, wenn erforderlich, die Gäste auf arabisch begrüßte, wurde am 24. November 1993 zum Präsidenten des noblen Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) gewählt, eine halbe Stunde nach Aufnahme in den Verein. Bis 2010 stand er an der Spitze des ALRV. Nach ihm kam als Präsident Carl Meulenbergh, ihm wiederum folgte Stefanie Peters, Tochter des früheren und inzwischen verstorbenen Vize-Präsidenten Klaus Peters. Beide noch von Pavel für dieses Amt vorgeschlagen. Loblied auf Michael Mronz Dass der Pferdewechsel im Springsport um den Weltmeistertitel abgeschafft wurde, versteht er nicht, sei doch das Spannendste gewesen bei einer solchen WM. Er lobt auch ausdrücklich den Veranstaltungsvermarkter Michael Mronz (59), den Pavel damals in das ALRV-Team geholt hatte, „denn ohne ihn und seine Ideen gäbe es möglicherweise den Verein und vielleicht auch das Turnier trotz der derzeitig sehr gut aufgestellten Mannschaft heute wahrscheinlich nicht mehr.“
Klaus Pavel sagt: „Ich habe eine gute Mannschaft hinterlassen, die bis heute hervorragend funktioniert.“ Ihm selbst sei immer wichtig gewesen, mit allen harmonisch zusammenzuarbeiten, es habe nie Zwistigkeiten gegeben, und er sagt: „Ich habe den Verein wie ein Unternehmen geführt. Nach dem Motto: Jeder ist zu ersetzen – außer Jesus Christus. Und unter der Maxime: Alleine ist man gar nichts, nur im Team kann man etwas bewirken.“ "Herr Minister, brauchen noch Millionen..." Ohne städtische Gelder wurden die Weltreiterspiele 2006 organisiert, „alles über Sponsoren, und ohne einen Zuschuss aus Berlin vom Staat, wie auch in diesem Jahr. Die Stadt Aachen hat ja nichts…“ Und in diesem Zusammenhang erzählte er dazu die Anekdote mit dem damaligen Innenminister Otto Schilly aus dem Jahre 2004 bei dessen Besuch in der Soers während einer gemeinsamen Kutschenfahrt. Pavel: „Herr Minister, wir brauchen für die WEG in zwei Jahren noch Geld.“ Schilly: „Wieviel?“ Pavel: „Ein paar Millionen.“ Schilly zum begleitenden Ministeriumsmitglied: „Der Pavel braucht noch Geld.“ Der Begleiter: „Wir haben keines mehr, alle Töpfe sind leer.“ Daraufhin der Minister: „Egal, besorgen Sie dem Pavel ein paar Millionen...“ Es wurden am Ende drei Millionen Euro angewiesen, etwa 20 Millionen Euro betrug das Budget der Veranstaltung. Sein Führungsmotto, sagt Klaus Pavel, sei auch immer dieser chinesische Spruch von Lao Tse gewesen: „Wenn Du Menschen führen willst, musst Du hinter ihnen gehen, nur so kann man jeden auffangen, wenn er mal stürzt.“
|