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Martin Richenhagen - Der Amerika-Flüsterer... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig/ WirtschaftsWoche   
Freitag, 09. April 2021 um 13:11

Dressur, Pferde und Oldtimer waren schon immer das Hobby von Martin Richenhagen, hier in einem Porsche des Jahres 1958. Dafür hat er nun auch noch ein bisschen mehr Zeit

(Foto: privat)

Duluth/ Atlanta. Nicht weniger als 16 Jahre lenkte Martin Richenhagen (68) den Weltkonzern AGCO. Wie nicht anders zu erwarten war, schrieb der frühere Dressurreiter ein Buch, das unter dem Titel „Der Amerika-Flüsterer. Mein Weg vom deutschen Religionslehrer zum US-Topmanager“ dieser Tage auf den Markt kam. Auch ein kleiner Blick auf die andere Denk- und Handelsweise der US-Amerikaner.

 

Es durfte oder konnte gar nicht anders sein: Martin Richenhagen hat seine Erfahrungen als Mensch und als Top-Manager des Weltkonzerns AGCO in einem Buch festgehalten. Bis Ende letzten Jahres führte und lenkte der gebürtige Rheinländer das Weltunternehmen AGCO, den Konzern für Landtechnik mit 25.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von über zehn Milliarden US-Dollar, der Prof. hc. schuf in seiner Aegide 10.000 neue Arbeitsplätze und konnte den Umsatz verdreifachen. Sein Beruf habe ihm immer mächtig Spaß gemacht, „Höhepunkt war der Neubau unseres Fendt-Werks, unsere Aktivitäten in Afrika, und auch die Gründung unserer Stiftung. Außerdem hatte ich das Glück, alle wichtigen Entscheidungsträger persönlich zu treffen: Gorbatschow, Putin, fünf US-Präsidenten, Angela Merkel, Nicolas Sarkozy oder Emannuel Macron“. Der Wirtschaft werde er durch verschiedene Aufsichtsmandate weiter verbunden bleiben, er möchte sich um seine Familie noch stärker kümmern, „um vier Enkelkinder – und dann um meine Oldtimer“, so sein Wort für die nächste Zukunft.

Nun hat er auch ein Buch geschrieben, das am 8. April auf den Markt kam unter dem Titel „Der Amerika-Flüsterer. Mein Weg vom deutschen Religionslehrer zum US-Topmager“. Auszüge daraus brachte die Wirtschaftswoche, das Buch ist erschienen bei Edel Books und kostet  24,95 Euro.

Sie nannten ihn Pastor

Das Leben des Martin Richenhagen, geboren in Köln-Mülheim, nach dem Studium der Theologie, der Philosophie und Romanistik Lehrer am Gymnasium in Frechen für Französisch und Religion ist keine Episode aus dem Abenteuerbuch der bekannten Karrieremacher „Vom Tellerwäscher zum Millionär“. Millionär wurde er, aber nicht aus Zufall. Leistung und anders sein als andere brachten ihn nach ganz oben an die Spitze eines Weltunternehmens. Er hatte auch immer die richtigen Befürworter, aber zusätzlich Mut, Wagnisse einzugehen, ohne als Hasardeur zu gelten. Und seine Liebe gehörte auch immer dem Pferd, dem Dressursport. Er gründete während des Studiums den Akademischen Reiterclub Bonn, und er war Vorsitzender der Studentenreiter. Er ritt selbst Dressur bis zur schweren Klasse, und weil er Religion unterrichtete, wurde er „Pastor“ genannt, später war er Dressurrichter und bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in China Equipe-Chef der deutschen Dressur-Mannschaft.   

Sein Wohnsitz wird Duluth bleiben, am Rande der Olympiastadt Atlanta/ Georgia, dort hat er sich eine kleine Reitanlage gebaut, dort züchtet er auch, und er und seine Frau Brigitte wollen sich auch wieder stärker um das eigene Reiten bemühen und „auch andere ausbilden…“ Aber er wird sich auch wieder länger in Deutschland aufhalten.

Momente im Leben, die haften

In seinem Buch greift er Stationen heraus, die sein Leben ebenfalls beeinflussten. So den Herbst 1983, „22. Oktober: 500.000 Menschen waren in Bonn zusammengekommen, um gegen den NATO-Doppelbeschluss zu protestieren. Als Antwort auf die sowjetischen SS-20 sollten in fünf westeuropäischen Ländern Pershing II stationiert werden, mit Atomsprengköpfen bestückte Mittelstreckenraketen. Eines dieser Länder war Deutschland. Mich ließ die Debatte eher kalt, muss ich zugeben. Dass ich dennoch zur Demo fuhr, hatte einen anderen Grund. Es war ein Samstagmorgen, als mich meine hochschwangere Frau weckte: `Es ist so weit.`…Wir mussten rasch los. Mit dem Notarztwagen ging es auf den Venusberg zum Universitätsklinikum, einmal quer durch Bonn. Der Fahrer hatte seine Mühe, denn alle Straßen waren wegen der Großdemo verstopft. Man musste dauernd mit den Demonstranten reden, damit sie einen durchließen....Einen Monat nach der Riesendemo in Bonn stimmte der Bundestag dafür, dass Pershing II in Deutschland stationiert werden sollten, was kurz darauf auch geschah. US-Präsident war damals Ronald Reagan, der in Deutschland alles andere als beliebt war. Die Leute fragten: Wie kann es sein, dass ein drittklassiger Schauspieler Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden kann? Meine Meinung war schon damals eine andere. Ich fand Reagans Vorgehen gut, bei dem es am Ende darum ging, die Russen quasi in Grund und Boden zu investieren. Die gigantischen Militärausgaben Amerikas haben aus meiner Sicht entscheidend dazu beigetragen, dass die Sowjetunion auseinandergefallen ist und der Kalte Krieg zu Ende ging. Die Russen mussten mitziehen, konnten es aber nicht. So war Reagan zumindest ein Stück weit mitverantwortlich dafür, dass es die Wiedervereinigung geben konnte.“

Wie jemand wie Reagan überhaupt Präsident werden konnte, solche Fragen habe er immer wieder gehört. „Genauso war es bei Bush jr. und dann auch bei Trump. Ich habe Freunde, die wollten mich während der Amtszeit von George W. Bush nicht in Amerika besuchen. Sie sagten: Solange Bush Präsident ist, kommen wir nicht. Meine Antwort: Dann kannst du auch zu Hause bleiben, wenn Bush nicht mehr regiert. Ich werde dich nicht mehr einladen. Was kann ich dafür, dass das Land, in dem ich lebe, den möglicherweise falschen Präsidenten hat? Viele Menschen in Deutschland behaupten, dass das politische System bei ihnen besser und vor allem gerechter sei. Dass es in Deutschland jemand wie Trump gar nicht nach oben schaffen würde. Natürlich ist es besser, nicht von Trump regiert zu werden. Aber ich frage mich schon, ob das allein als Argument genügt, um den Kontakt abzubrechen.“

Und weiter fragt Richenhagen, Ritter der Ehrenlegion von Frankreich, ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland, ob ein Schauspieler oder ein Immobilienunternehmer als Kanzler der Bundesrepublik Deutschland vorstellbar sei? Seine Meinung:  „Es ist ganz offensichtlich so, dass nicht jeder Bundeskanzler werden kann. Denn zuvor gilt es, einen parteiinternen Selektionsprozess zu durchlaufen, der Jahrzehnte dauert. Bundeskanzler in Deutschland, das werden immer Parteikarrieristen, die vorher innerhalb ihrer Partei alles weggebissen und ausgeschaltet haben, was gefährlich werden könnte. In Amerika ist das ein ganz anderer Prozess. Man kann Präsident werden, ohne dass es ein Thema ist, ob die Partei zustimmt oder nicht. Jeder in Amerika geborene Bürger kann Präsident werden. Ich empfinde das als einen wichtigen Unterschied und sehr respektabel. Da kann jeder aufstehen und sagen: Ich will jetzt Präsident werden. Trump war ja zunächst sogar bei den Demokraten, bevor er zu den Republikanern wechselte. Der amerikanische Prozess ist für mich grundsätzlich sogar demokratischer als der deutsche.“

Er kenne Leute, die für das höchste Amt im Staat kandidiert hätten. Einer davon sei Herman Cain gewesen, „der 2004 bei uns in den AGCO-Aufsichtsrat eingezogen war. Ein Schwarzer aus Atlanta, ein echter Selfmademan, der als Chef der Fast-Food-Kette Godfather’s Pizza Erfolg hatte und eben im Nebenjob Prediger war. Seinen gospelartigen Gottesdienst hatten Brigitte und ich ja zweimal besucht. Man muss sagen: Cain hatte Entertainerqualitäten, er nannte sich Hermanator und hatte in Atlanta sogar eine eigene Radioshow. Cain legte das Mandat bei AGCO nieder, um sich voll auf den Wahlkampf gegen Barack Obama zu konzentrieren. Da lag er im Lager der Republikaner aussichtsreich im Rennen…Auf dem Weg nach Washington stolperte er über einen umstrittenen Belästigungsvorwurf, der ihn zur Aufgabe zwang“.

Covid-Tote auf Trumps Konto

„Bei der Präsidentschaftskandidatur spielt Geld eine große Rolle

Cain starb im Juli 2020 an Covid-19, nachdem er am 20. Juni an einer Wahlkampfveranstaltung seines Freundes Donald Trump teilgenommen hatte – ohne Maske. Neun Tage später wurde die Infektion diagnostiziert. Ich glaube, einige Hundert Tote gehen auf Trumps Konto allein wegen seines unverantwortlichen Wahlkampfs.“ Herman Cains Trauerfeier habe er besucht, „das Problem bei einer Präsidentschaftskandidatur in den USA ist natürlich, dass Geld eine so große Rolle spielt. Auch Cain hätte mit seinen vergleichsweise bescheidenen Mitteln 2012 vermutlich noch Schwierigkeiten bekommen. Man muss den Wahlkampf ja selbst finanzieren. Und das geht nur, wenn man entweder Milliardär ist oder viele Unterstützer hat. Für Leute aus sozial schwachen Verhältnissen oder Vertreter von Minderheiten etwa ist es schwierig, eine Chance zu haben. Ich kann mir derzeit schwer vorstellen, dass beispielsweise eine junge Frau mit südamerikanischen Wurzeln Präsidentin wird.“ Mit Gerhard Schröder dagegen habe es in Deutschland jemand aus einfachen Verhältnissen an die Spitze geschafft, er sei natürlich ein unglaublich geschickter Kämpfer gewesen, „aber er musste sich auch durchbeißen – von den Jusos bis ins Kanzleramt, wo er ja sehr sinnbildlich schon 1982 nachts in Bonn leicht alkoholisiert am Zaun rüttelte, wie kolportiert wird“.  In den USA könne jeder kandidieren.

„Was schon in der Reagan-Ära auffiel, dann bei Bush und erst recht bei Trump: Viele Menschen in Deutschland treffen ihre Bewertung der USA allein aufgrund der Person, die gerade regiert. Wenn die einem nicht passt, ist gleich das ganze Land schlimm, und man will nichts mehr damit zu tun haben. Das halte ich schon mit Blick auf die Zahlen für falsch. 2016 lebten in den USA rund 325 Millionen Menschen. 63 Millionen US-Amerikaner wählten Donald Trump. Wer also Amerika als Trump-Land ablehnte, tat gut 80 Prozent der Bevölkerung unrecht. Natürlich sind nicht alle wahlberechtigt und nicht alle Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Aber was will man denen vorwerfen? Jetzt ist Joe Biden Präsident – sind die USA damit wieder ein gutes Land? Falls ja: Was bedeutet es, dass Donald Trump 2020 mit mehr als 70 Millionen Stimmen sogar erheblich mehr Wähler hatte als vier Jahre zuvor? Im Grunde gilt es doch zu akzeptieren, dass ein Idiot an der Spitze nicht bedeutet, dass die anderen Amerikaner auch alle Idioten sind...“

Andere Mentalität der Amerikaner

„Die Amerikaner haben eine andere Mentalität. Wenn ein Amerikaner Geld hat, gibt er das aus. Zum Beispiel für ein riesiges, teures Haus. Ist man kreditwürdig, dann bekommt man einen dicken Hypothekenkredit, zwanzig bis dreißig Jahre fest, zu minimalen Zinsen, mit lediglich 10 Prozent Eigenkapital. Man kauft ein Haus für 2 Millionen, hat da 200.000 eigenes Geld drinstecken, also relativ wenig, und einen Job, mit dem man die Zinslast bedienen kann. Wenn es gut geht, steigen die Preise und dann wird das Haus irgendwann verkauft. Dann kauft man ein noch größeres. Wenn es aber eine Krise gibt, bemerkt man auf einmal, wie reihenweise die Häuser zwangsversteigert werden, weil die Leute ihren Job verlieren und keine Absicherung haben. Genauso ist das bei Autos. Der Amerikaner sagt nicht: Mein Lebenstraum ist, mal Ferrari oder Porsche zu fahren.“ Der Amerikaner lease sich einen Ferrari, wenn er sich das leisten könne, und fahre dann da mal ein paar Jahre mit rum. Interessant sei dabei: „Wenn das alles finanziell nicht mehr funktioniert, dann akzeptieren die Leute das auch. Dann trifft man beim Limousinenservice auf Fahrer, die früher mal im Vorstand von einem Computerhersteller waren oder einst erfolgreiche Verkaufsleiter. Wenn sie ihre Kohle verballert haben, dann arbeiten die auch bis achtzig. Das ist eine andere Einstellung zum Leben.“


 


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