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Erinnerung an Reiner Klimke - am Donnerstag wäre er 80 geworden... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Dienstag, 12. Januar 2016 um 14:49


Dr. Reiner Klimke und Ahlerich nach Doppel-Gold bei der Europameisterschaft 1985 in Kopenhagen

(Foto: Werner Ernst)

Münster. Zehnmal deutscher Meister, 13 mal Europameister, sechsmal Weltmeister und sechsmal Gold bei Olympischen Spielen – mehr kann normalerweise ein Reiter in seinem Leben nicht erreichen. Und so wird eben Dr. Reiner Klimke für alle Zeiten unerreicht bleiben. An diesem 14. Januar 2016 wäre er 80 geworden – mit 63 erlag er den Folgen eines Herzinfarkts am 17. August 1999. Auszug aus dem Buch „Erinnerungen an einen großen Reiter und Menschen“.

 

Vor den Spielen 1984 in Los Angeles schickte eine Firma für Brotaufstrich an die deutschen Olympiastarter einen simplen Handzettel, darauf sollten die Sportler persönliche Fragen beantworten. Reiner Klimke nannte als Hobby „Reiten und Lesen“, bei sportliches Vorbild schrieb er „z. Zt. keines“, als Lieblingssänger nannte er Neil Diamond, bei Lieblingsessen notierte er „Züricher Geschnetzeltes“, und bei „sportliche Erfolge“ – machte er nur einen Strich… Das Blatt hätte nicht ausgereicht, alle seine Siege, Platzierungen, Plaketten zu notieren. Ein Strich, sonst nichts. Einer wie er musste nicht auch noch als Statistiker auftreten. Er war sich damals längst selbst genug.

 

Und natürlich auch von sich mehr als überzeugt. So sagte er am 21. November 1983 während des Turniers in der inzwischen längst abgerissenen geschichtsträchtigen Berliner Deutschlandhalle: „In Los Angeles reite ich mit Ahlerich – und ich gewinne mit ihm.“ Und da er gerade gut in Fahrt war in jenem Moment nach dem Erfolg mit dem Wallach im Grand Prix Special, bekam der damalige Chefredakteur der „ReiterRevue“ Gerhard Sch. so en passant sein Fett ab. Dem nämlich sagte er: „Sie sind ein Riesen-Arschloch, das wollte ich Ihnen schon längst mal sagen. Sie berufen sich immer auf die Pressefreiheit, ich berufe mich nun mal auf die Meinungsfreiheit…“

 

Nebensächlichkeiten machten ihn menschlich so sympathisch. Er war einer, mit dem man gerne ein Bier trank. Weil er auch etwas zu sagen hatte. Nicht nur zum Reiten oder über Pferde.

 

Dass er Reiter wurde, war vorgegeben. Sie ritten alle in der Familie, der Vater, die Mutter, die Geschwister. Der Krieg zerriss die ganze Familie, Münster wurde zerbombt. Der Vater, Professor für Psychiatrie und Neurologie an der Uni in Essen, war abkommandiert als Oberstabsarzt nach Finnland und Russland, die Mutter und Schwester Grete lebten auf einem Bauernhof bei Paderborn, Bruder Jürgen musste nach Bayern, und Reiner Klimke lebte im Zuge der Kinderlandverschickung zwischen 1940 und 1943 bei einem Bauern in Entrup. Dort fuhr man noch mit der Kutsche zur Kirche und zur Schule, das Pferd gehörte zum Alltag, zum Leben.

 

Mit dem Fahrrad nach Warendorf

 

Vier Jahre nach Kriegsende ritt Reiner Klimke als 13-jähriger bereits seine ersten Turniere. Albert Stecken, später Vorsitzender des Dressurausschusses, und dessen Bruder Paul, zwei große Pferdemänner, formten ihn. Mit dem Familienpferd Nette kamen die ersten Erfolge. Er startete für den Reiterverein Westbevern, in Warendorf wurde der große Hippologe Dr. Gustav Rau auf ihn aufmerksam. Der holte ihn an das Deutsche Olympiadekomitee für Reiterei (DOKR). Zwischen 1953 und 1955 pendelte der Pennäler Klimke zwischen Münster und Warendorf, „entweder mit dem Zug, mit dem Fahrrad hin und zurück an die 50 Kilometer, oder später mit einem Moped.“ Am Komitee „ritt ich alles, was in den Boxen herumstand, in Disziplinen Springen, Dressur, Military“, wie er mal erzählte, zum Beispiel Aar und Scipio. Mit dem von ihm auf Dressur „umfunktionierten“ Wallach Aar, der unter Fritz Thiedemann 1953 den Großen Preis der Springreiter in Aachen beim CHIO gewann, siegte Klimke zwei Jahre später, ebenfalls in Aachen, in einer schweren Dressur, und ein Jahr später gewann er auf dem Vollblüter Scipio, der von Gustav Rau für die Vielseitigkeit angekauft worden war, eine St. Georg-Dressur. 1955 war Reiner Klimke der erste deutsche Dressurreiter, der nach dem Zweiten Weltkrieg wieder im Ausland ritt, in Thun in der Schweiz. Auf Aar wurde er Sieger in der Intermediaire-Konkurrenz und Zweiter im Grand Prix.

 

In seiner Warendorfer Zeit „gewann“ Reiner Klimke übrigens seine erste Medaille. Bei einem Besuch des damaligen Kaisers von Äthiopien, Haile Selassie, durfte er dem Negus am Komitee Scipio vorreiten, und der schenkte ihm anschließend gönnerhaft eine Goldmünze…

 

Auf Knopfdruck konnte Reiner Klimke sein Leben aufblättern wie ein Buch, den Sport, den Beruf, die Familie, die Freunde, das Schöne und weniger Schöne. Da sagte er oft: „Was gut war, sagen mir die anderen, was nicht so gelang – meine Frau Ruth.“ Im Sport hatte er keine Steigbügelhalter, und beim Begriff „Sponsor“ wusste  in seiner Zeit so mancher nicht einmal, wie man Sponsor buchstabiert, geschweige denn, was es bei einem Sponsor so auf sich hat.

 

Per Anhalter nach Olympia

 

Olympia war immer das Ziel des ewig schlaksigen Reiner Klimke. Und nahe dran war er bereits 1956. Mit der vom großen Lehrmeister Willi Schultheis ausgebildeten und von ihm dann weiter intensiv geförderten Hannoveraner Stute Doublette sah er sich bereits auf der Reise nach Stockholm, wohin die Reiterspiele wegen der strengen Quarantänebestimmungen Australiens von Melbourne ausgelagert worden waren. Doublette stand in Besitz des mächtigen Verlegers Axel Caesar Springer, dessen Gemahlin Rosemarie ebenfalls in der Hohen Schule der Dressur zuhause war. Klimke wiederum hatte sich inzwischen mit der Ehefrau von Gustav Rau verkracht, so dass er plötzlich nichts mehr zu reiten hatte, aber von Springer glücklicherweise mit offenen Armen aufgefangen wurde. Doch den Warendorfer Funktionären war er trotz Leistung und Doublette für Olympia noch zu jung, zu unerfahren, nach Skandinavien reiste die Damen-Equipe mit Liselott Linsenhoff und Adular, Hannelore Weygand und Perkunos und Anneliese Küppers und Afrika, das Trio kehrte mit Silber zurück.

 

Reiner Klimke teilte gleichzeitig das Schicksal seines oftmaligen  Zimmerkollegen („wenn ich mal in Warendorf übernachtete“) Alwin Schockemöhle, der hatte sich in der Vielseitigkeit für Olympia qualifiziert, wurde aber ebenfalls aus angeblich gleichen Überlegungen nicht nominiert.

 

Alwin Schockemöhle, ein Jahr jünger als Reiner Klimke, war ebenfalls als großes Talent nach Warendorf ans Komitee geholt worden, wo Deutschlands Reiterzukunft gemacht wurde. Klimke, dessen Reiterstärke im „Busch“ lag, und Schockemöhle, der stark in der Dressur ritt, brüteten damals schon an Neuerungen herum, was sich in der deutschen FN alles ändern müsste, beispielsweise die Kungelei sollte aufgeschafft werden oder Herkunft und Besitz dürften keine Rolle mehr spielen. Das Duo wollte damals bereits eines: Eine Nominierung für Olympische Spiele oder Championate sollte nur noch von vorher gezeigten Leistungen abhängen.

 

Bei den Olympischen Spielen waren dann die beiden Kumpels in der schwedischen Hauptstadt dennoch, per Anhalter hatten sie Stockholm erreicht. Eintrittskarten als ganz normale Zuschauer mussten sie sich dann jedoch selbst organisieren, vom Verband half niemand. Nach dem verhinderten Olympia setzte Alwin Schockemöhle verärgert die Sturzkappe ab und wurde Springreiter von Weltgeltung, Reiner Klimke hängte Frack und Zylinder an den Haken und ritt im „Busch“.

 

Briten erstmals zu Hause geschlagen…

 

Für die Military, wie damals die Vielseitigkeit noch hieß, kaufte er Alwin Schockemöhle „für einen Freundschaftspreis“, so er selbst, den Wallach Lausbub ab. Mit Lausbub und Reiner Klimke, dazu August Lütke-Westhues auf Franko, Ottokar Pohlmann auf Polarfuchs und Siegfried Dehning auf Fechtlanze, wurde die deutsche Equipe Vize-Europameister hinter Großbritannien 1957 in Kopenhagen, zwei Jahre später mussten sich die Briten, die sich bekanntermaßen gerne für die Erfinder der Vielseitigkeit halten, auf eigenem Grund und Boden um den Titel des alten Kontinents in Harewood erstmals geschlagen geben, der deutschen Mannschaft mit Reiner Klimke auf Fortunat, Dehning auf Fechtlanze, August Lütke-Westhues auf Franko und Ottokar Pohlmann auf Polarfuchs. Reiner Klimke: „Das war ein historisches Ereignis, der Mythos von der Unbesiegbarkeit der Briten war erstmals gebrochen.“

 

Im Olympischen Jahr der Sommerspiele 1960 in Rom wurde Reiner Klimke auf der Stute Winzerin deutscher Meister in der Military, übrigens, kein anderer deutscher Reiter war bis dahin, vor allem nicht in Vielseitigkeit und Dressur, in zwei verschiedenen Disziplinen nationaler deutscher Titelträger. Die Auktionsstute Winzerin „hatte gerademal 4000 Mark gekostet“, wie er sich erinnerte. Auf der dann in der Geschichte der Vielseitigkeit wohl geradezu mörderischsten Cross-Strecke aller Zeiten mit acht toten Pferden belegte er mit Winzerin den 16. Platz, „wäre Ottokar Pohlmann ins Ziel gekommen, hätten wir Silber gewonnen“, erzählte er später. Doch in der gemischten deutschen Equipe aus Reitern der damaligen DDR und der Bundesrepublik schieden Klaus Wagner auf Famulus und Pohlmann auf Polarfuchs im Gelände aus, Gerhard Schulz (DDR) auf Wanderlili wurde am Ende auf Platz 16 registriert, Reiner Klimke mit Winzerin auf Position 18.

 

Obwohl sein Herz bis zu seinem Tod immer für die Vielseitigkeit schlug, beendete er seine Busch-Karriere nach Rom. Noch in der sogenannten Ewigen Stadt fragte man ihn, ob er nicht als Dressurreiter nach Neuss auf die Lauvenburg komme wolle, wo gerade Harry Boldt seinen Dienst quittierte. Reiner Klimke holte Frack und Zylinder wieder aus dem Schrank und nahm den Job an, zumal er in der Nachbarstadt Düsseldorf als Referendar am Gericht arbeitete. Bis 1963 blieb er in Neuss, er bildete seine eigenen Pferde Arcadius und Dux weiter aus. Mit Arcadius gewann er 1965 in Kopenhagen Mannschafts-Gold zusammen mit Harry Boldt auf Remus und Josef Neckermann auf Antoinette, dazu kam Bronze in der Einzelwertung. Zwei Jahre später wurde er mit Dux erstmals Einzel-Europameister und holte mit Harry Boldt auf Remus und Josef Neckermann auf Mariano auch Team-Gold. 1965 und 1967 waren die Anfänge einer unglaublichen Sammlung von Titeln und Medaillen. Reiner Klimke mal zum Verhältnis mit Harry Boldt: „Wir hatten beide kein Geld, also auch keine Pferde, aber wir konnten reiten – man mochte uns und ließ uns mitmachen.“

 

Als er auf Ahlerich beim kontinentalen Championat 1983 in Aachen auf Ahlerich hinter der Dänin Anne Grethe Jensen und Marzog „nur“ Silber in der Einzelwertung gewann, sagte er noch am Abend nach der Schlussfeier in der Soers: „Den Titel hole ich zurück nach Deutschland.“ Wie so oft behielt er Recht. 1985 in Kopenhagen entthronte er mit Ahlerich Anne Grethe Jensen.  Und er lud persönlich zur Siegesfeier im Team-Hotel ein. Als der damalige Equipechef Anton Fischer dann verkündete, er werde die Kosten übernehmen, sagte Reiner Klimke: „Nein Anton, das ist meine Feier, ich habe eingeladen und ich zahle auch…“

 


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