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"Man muss nicht immer der Größte und Beste sein..." PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Montag, 13. September 2021 um 17:10

Alleinerbe eines Imperiums - Francois Kasselmann

(Foto: Anke Gardemann)

Hagen a.T.W. Zum zweiten mal nach 2005 fanden auf dem Kasselmannhof in Hagen am Teutoburger Wald Dressur-Europameisterschaften statt, trotz Zuschauerbeschränkungen wegen der Corona-Krise kamen an drei Tagen mehr Besucher als der Ort Einwohner hat, Vater und Sohn Kasselmann geben sich dennoch eher zurückhaltend…

Hagen am Teutoburger Wald hat laut letzter offizieller Angabe 13.412 Einwohner. Und wenn in der Ortschronik der Sport aufgeführt wird, wirft sich die Gemeinde richtig in die Brust. Aufgelistet werden neben einer Fußball-Nationalspielerin auch Basketballerinnen und Bogeschützen mit Olympiateilnahme, aber vor allem der Reitsport, hervorgehoben werden dabei in der Dressur Vater Jürgen und Sohn Christoph Koschel und das alljährliche Turnier „Horses and Dreams“ auf dem Hof Kasselmann.

Der Kasselmannhof wurde urkundlich erstmals 1322 erwähnt. Er gehörte Ullrich Kasselmann (73), er hat ihn bereits an seinen Sohn Francois (39) überschrieben, er selbst, so sagt Ulli K., wäre jetzt nur noch Bauer. Kasselmann senior ist gelernter Hufbeschlagschmied, heute muss man ihn auch Unternehmer mit Weitsicht betiteln. Er verkehrt wie selbstverständlich im Hochadel, mit Potentaten, in Kreisen der obersten Politik wie in der Dorfkneipe. Er besitzt eine angeborene und nicht erlernbare Eigenschaft, mit Menschen umgehen zu können, mit jedem nach dessen Facon. Kein Wunder, dass man ihn in Reiterkreisen auch „heiliger Ulli“ nennt. Sein Geld verdient er längst nicht mehr mit Eisen den Pferdehufen anpassen, der frühere Auktionsreiter macht „Asche“, wie man in der Branche Einnahmen nennt, mit Pferdehandel, der alljährlichen Auktion PSI, Zucht, Turnieren aber auch mit umgesetzten Ideen nicht nur in der Welt des Pferdes, aber doch vornehmlich, so ließ er seine Erfindung eines Bodenbelags, der Stürze abfedert, patentieren, wie auch computergelenkter minimaler Wasserverbrauch auf Reitplätzen oder lasergesteuertes Abziehen von Sandplatzarenen.

Nun hatte er zum zweiten Mal nach 2005 die Dressur-Europameisterschaft auf den Borgberg geholt, wo ihm 200 ha Land gehören. Das Stadion war täglich mit 4.900 erlaubten Zuschauern ausverkauft, fünfmal insgesamt. Der Etat der Veranstaltung lag bei 2,2 Millionen Euro, da musste auch etwas zusätzlich hereinkommen, über normale Einrittsgelder lässt sich so eine Veranstaltung nicht finanzieren. Und für alle jene, die unter sich sein wollten, hatte Ulli K. natürlich das passende Angebot parat. So kostete zum Beipsiel eine VIP Sky Lounge für sechs Personen mit „exklusivem Blick auf die Arena inklusive All Day Catering und erlesenem Wein und Champagner“ von Dienstag bis Sonntag 12.000 Euro, wer auch noch das Rahmenprogramm mitnahm, musste 13.500 berappen.

Alleinerbe Francois wurde von den Eltern Bianca und Ulli Kasselmann wahrlich mit allen Freiheiten behutsam in den sicherlich nicht leichten Job eingeführt. Francois K. durchlebte eine wahrlich unbeschwerte Jugend, logischerweise ritt er, doch nicht Dressur, Springen, dort war seine Mutter sogar 1980 deutsche Meisterin. Er hatte sogar einen eigenen Springstall. Er trainierte ein Jahr lang bei den Springpferde-Experten Alwin und Paul Schockemöhle in Mühlen, dort lernte er seine Frau Diana kennen, mit ihr ist er seit 2007 verheiratet. Er regelt das Management des Verkaufs in der Hauptsache von Dressurpferden und der Zucht, er hält „Verbindungen in alle Winkel der Erde“, wie er sagt, „besonders in die USA, nach Argentinien, Marokko, Südafrika, China, Australien, Neuseeland, Japan oder Mexiko“. Im Unternehmen Kasselmann arbeiten zur Zeit 100 Angestellte, 250 Pferde gehen unter dem Sattel, gerade wurde wieder ein Stall mit 60 Boxen fertiggestellt. In fünf Hallen kann geritten werden. In genau zehn Tagen beginnt ab dem 23. September vor Schloss Monrepos in Ludwigsburg bei Stuttgart ein weiteres Dressur-Großereignis unter der Regie des Unternehmens „Horses&Dreams“ von Kasselmann mit u.a. 25 Grand Prix-Pferden. Im Hinblick darauf, dass vielleicht die Dressur aus dem Olympischen Programm gestrichen werden könnte, meint Ulli Kasselmann: „Wir müssen die Jugend begeistern für die Dressur, darin liegt auch die Zukunft bei Olympia. Und wir müssen auf Turnieren alles anbieten, Sport und Unterhaltung als eine Einheit.“

Auf die Frage, ob und wie es mal ohne Ulli Kasselmann weitergehen werde auf dem Kasselmannhof, sagt Francois Kasselmann: „Wir sind gut aufgestellt. Ulli ist nicht zu ersetzen, aber wir haben auch keine Angst vor der Zukunft.“ Und er sagt: „Man soll nicht immer danach streben, der Größe und Beste zu sein oder zu werden – gesundes Mittelmaß ist auch genug.“

 

 

 

 

 

 

 


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