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Deutsche Vielseitigkeitsreiter bei EM weiter in Medaillen-Nähe PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Uta Helkenberg/ fn-press/ DL   
Samstag, 25. September 2021 um 19:08

 

Avenches. Die deutschen Vielseitigkeitsreiter liegen bei den Europameisterschaften im Schweizer Avenches weiter auf Medaillenkurs – doch die Hände an Gold haben die Briten.

Alle vier deutschen Teamreiter beendeten die Geländestrecke ohne Hindernisfehler und rangieren in Avenches/ Schweiz bei den 33. Europameisterschaften in der Vielseitigkeit seit 1955 damit weiterhin auf Platz zwei hinter der britischen Mannschaft und vor Frankreich. Auch in der Einzelwertung führt mit Nicola Wilson mit JL Dublin ein britisches Paar unmittelbar vor Titelverteidigerin Ingrid Klimke (Münster) mit SAP Hale Bob OLD, die im Gelände nur ein ganz kleines bisschen zu langsam war. 

„Die Runde war super, gerade am Anfang zog er so seinen Strich, war immer super vor der Zeit“, sagte Ingrid Klimke (Münster) über ihren erfahrenen, mittlerweile 17-jährigen Partner SAP Hale Bob OLD. Erst am Ende der Strecke lief den beiden dann doch etwas die Zeit davon, nachdem sie auch einmal einen etwas längeren Weg gewählt hatten. „Es war wie ein bisschen wie ein Stechen heute, man durfte eben nirgendwo Zeit liegen lassen“, sagte die Titelverteidigerin. Gerade einmal drei Sekunden fehlten ihr auf die komplette Nullrunde – 1,2 Strafpunkte -, allerdings genug, um in dem eng beieinander liegenden Starterfeld der Britin Nicola Wilson den Vortritt lassen zu müssen. Es bleibt allerdings spannend, denn die Führende hat gerade einmal einen Zeitfehler (0,4) im Springen gut, um ihre Position auch im Springen zu behaupten.

Einen Springfehler können sich allerdings beide nicht leisten, zu eng liegt das Feld auch nach der Geländeprüfung beisammen. So rangiert Michael Jung (Horb) mit dem erst neunjährigen fischerWildWave nach dem Gelände auf Platz sechs. Er war nicht nur der Einzige der insgesamt sechs deutschen Reiter, der sein Dressurergebnis (23,3 Minuspunkte) nach Hause brachte, sondern insgesamt der Schnellste im Kurs. Nur 9 Minuten und 56 Sekunden wurden für das Paar gemessen, erlaubt waren elf Sekunden mehr. „Ich bin sehr glücklich über fischerWildWave, er hat hier wieder gezeigt, was er kann. Er kann super galoppieren, ist in jeder Situation geschickt, auch wenn es manchmal nicht so schön aussieht, und macht das einfach gut“, sagte Jung zufrieden nach dem Ritt. „Ich bin begeistert, wie clever er ist und wieviel er springen kann. Und er hätte auch noch drei Minuten länger laufen können.“ Seine Schnelligkeit und Ausdauer verdankt fischerWildWave nicht zuletzt seinem Vollblutvater Water Dance xx, der selbst erfolgreich in der Vielseitigkeit am Start war. „Ich freue mich schon auf die Zukunft mit ihm“, sagte Jung.

Ihrem Ruf gerecht wurde die Hannoveraner Stute FRH Butts Avondale, die von ihrer Reiterin Anna Siemer gerne liebevoll als „schnellste Maus von Mexiko“ bezeichnet wird. Die beiden Newcomer in einem deutschen „Senioren“-Team machen als siebte Starter am Vormittag den Anfang für Deutschland. Sie bewiesen mit ihrer ebenfalls schnellen Runde, dass sich der Kurs von Parcourschef Mike Etherington-Smith trotz der Bedenken über die vielen Wendungen und unterschiedlichen Böden gut reiten ließ. „Ein rittiges Pferd ist ja immer von Vorteil, in jeder Disziplin. Aber mit einer leichten Verbindung kann man die Wendungen hier einfach besser reiten, als wenn man ein Pferd hat, der richtig stark ist und die ganze Zeit pullt“, sagte die Pferdewirtschaftsmeisterin aus Salzhausen. Lediglich 1,6 Strafpunkte für Zeitüberschreitung hießen für das Paar ein Endergebnis von 33,1 Minuspunkten, mit denen sie auf den 15 Platz im Zwischenstand vorrückten. Und nicht nur das. Lieferten die beiden in der Dressur noch das Streichergebnis fürs deutsche Team, fällt diese Rolle nach dem Geländeritt Andreas Dibowski (Döhle) mit der Hannoveraner Stute FRH Corrida zu. Die beiden Olympiareservisten waren in Avenches laut Bundestrainer Hans Melzer „die Dressur ihres Lebens“ gegangen, mussten sich allerdings im Kurs 15,2 Zeitstrafpunkte anrechnen lassen. Mit 40,8 Minuspunkten belegen sie Platz 30 vor dem abschließenden Springen. „Sie war schon sehr stark. Das kenne ich schon von ihr, dann hört sie nicht mehr zu“, erklärte er etwas enttäuscht. „Und man musste eben doch sehr exakt auf der Linie sein, dann brauche ich zu viel Vorbereitung und dann läuft einem einfach die Zeit weg.“

Drei Nullrunden für Großbritannien 

Einen Zwischenstand von 78,4 Minuspunkten nimmt die deutsche Mannschaft nach Dressur und Gelände mit ins Springen. Rund neun Punkte – etwa zwei Springfehler weniger – schlagen für die Briten zu Buche. Sie brachten zwei Reiter "null" ins Ziel und beendeten die zweite Teilprüfung mit zusammen 69,1 Minuspunkten. Auf dem dritten Platz folgt mit 96,8 Minuspunkten die Mannschaft aus Frankreich, die mit Maxim Livio und Api du Libaire den aktuellen Drittplatzierten (22,5 Minuspunkte) der Einzelwertung stellen. Allerdings sind sie nach dem Ausfall von Gwendolyn Fer, die am letzten Wasserhindernis aus dem Sattel kam, nur noch zu dritt am Start. Das gilt auch für die Schweizer, die mit 106,5 Minuspunkten auf Rang vier liegen.

Nicht vom Glück verfolgt war am Geländetag der deutsche Einzelreiter Dirk Schrade (Heidmühlen), der nach längerer Championatspause erstmals wieder die schwarz-rot-goldenen Farben vertritt. Mit seinem Holsteiner Casino fing er „vielleicht etwas zu frech“ an, flog förmlich über die ersten drei Sprünge und kassierte dann am Aussprung des „Coffin“, der ersten Hinderniskombination des Kurses (4 ABC), einen „Vorbeiläufer“, das bedeuteten 20 Strafpunkte, woraufhin der gebürtige Schwabe seinen Schimmel fehlerfrei, aber ohne auf die Zeit zu achten, nach Hause ritt. „Er sprang viel zu weit in das Coffin rein, ging in-out über den Graben rüber und dann kam ich zu sehr auf die Innenbahn, um den letzten Sprung passend zu treffen. Da hätte ich mir vielleicht etwas mehr Zeit lassen müssen“, sagte er. Dennoch war er mit seinem Pferd insgesamt hochzufrieden. „Das wird ein ganz Großer, der spielt mit den Aufgaben hier“, sagte er. Für den aktuellen Zwischenstand bedeutete das Malheur allerdings 74,1 Minuspunkte und damit Rang 52.

Einzelreiter Christoph Wahler auf Platz acht

Ganz anders sieht die Ausgangslage für den zweiten deutschen Einzelreiter aus. Christoph Wahler (Bad Bevensen), mit 27 Jahren der Jüngste der deutschen Teilnehmer, galoppierte mit seinem Holsteiner Schimmel Carjatan S wie an der Schnur gezogen über den Geländekurs. Am Ende war es sauer allerdings über zwei Sekunden zu viel auf der Uhr. „Das ärgert mich, weil mein Pferd sie heute einfach nicht verdient hat“, sagte er. „Ihn in seinem Rhythmus zu halten, ist mir bei der letzten Kombination und am allerletzten Sprung nicht mehr gelungen. Da musste er sich nochmal richtig anstrengen, das hätte nicht sein müssen.“ Auch wenn der Ärger verständlich ist, kann sich das Ergebnis sehen lassen: Dank der guten Ausgangsbasis nach der Dressur rangiert das Paar mit 26,8 Minuspunkten – davon 0,8 für die Zeitüberschreitung – auf dem achten Platz.

Ein Platz auf dem Podium ist für Wahler damit durchaus noch in Sicht – anders übrigens als für die nach Dressur führende Weltmeisterin Rosalind Canter mit Allstar S. Die Britin verschenkte ihre Spitzenposition durch zwei Verweigerungen kurz vor dem Ziel an den Hindernissen 28 und 29.

 

 

 


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