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Reitmeister Harry Boldt wird 80 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Mittwoch, 17. Februar 2010 um 10:22

 

Wassenberg. Er war ein Großer als Reiter, als Coach - aber vor allem als Mensch, dem Fairness über alles ging: Harry Boldt. Am nächsten Dienstag wird er 80 Jahre alt.

Den letzten Auftritt als Reiter hatte er für die Olympischen Reiterspiele in Moskau 1980 geplant. Doch die meisten Westnationen ließen die „rote Veranstaltung“ an der Moskwa ausfallen. Harry Boldt jammerte nicht, er beschwerte sich auch nicht, so beendete er seine sportliche Laufbahn leise wie er selbst immer war. Ab 1981 bis 1996 stand er am Rande des Vierecks als Dressur-Bundestrainer. Sein Freund und auch Rivale Dr. Reiner Klimke sagte damals: „So einen brauchen wir.“ Beide kannten sich seit 1953. Reiner Klimke, Deutschlands erfolgreichster Reiter bei Olympia, starb an den Folgen eines Herzinfarkts 1999, Harry Boldt wird am 23. Februar 80 Jahre alt. Mit ihm als Coach wurden 50 Medaillen gewonnen, die Teamreiter hatten jeweils Gold am Hals.

 

Die Karriere des Ostpreußen begann in Essen

 

Harry Boldt wurde am 23. Februar 1930 im ostpreußischen Insterburg geboren, sein Vater Heinrich war Reitlehrer. Nach der Flucht vor den Russen engagierte der Stahl-Magnat Krupp Heinrich Boldt als Reitlehrer, dort in Essen begann auch die Karriere des jungen Harry unter der strengen Aufsicht des unerbittlichen Vaters. Reiner Klimke sah zwischen ihnen immer Parallelen: „Wir hatten beide kein Geld, also auch keine Pferde, aber wir konnten reiten – und man mochte uns und ließ uns mitmachen.“ Dass Harry Boldt nie ein Einzelchampionat gewann, nannte Reiner Klimke mal „nur einen unwichtigen Schönheitsfehler“. Und er sagte: „Er war der ideale Trainer, denn er versuchte nicht, einem das Reiten abzugewöhnen – wie andere vor ihm.“

 

Zum Olympischen Gold fehlte ein Pünktchen...

 

Ganz nahe am olympischen Gold war er 1964 in Tokio, wo die Punkte aus Grand Prix und einem so genannten Stechen -  ähnlich dem heutigen Grand Prix Special – zusammengezählt wurden. Boldt führte auf dem Schimmel Remus mit 21 Zählern Vorsprung nach dem Grand Prix vor dem Schweizer Henri Chammartin auf Wörmann, am Ende fehlte ihm ein winziges Pünktchen zu Gold. Er mäkelte nicht, schimpfte nicht auf die Richter, er sagte lediglich: „Silber ist doch auch ganz schön.“ Auch später hörte niemand einen Vorwurf gegen die Juroren. Und dabei hatte er so etwas wie das Fotofinish nach einem Marathonlauf über 42 km verloren, er nahm es sportlich und fair hin. Das ehrt ihn bis heute.

 

Er gewann nie eine Goldmedaille für sich ganz allein, aber gäbe es eine Plakette für Fairness, er hätte sie tausendmal verdient gehabt. Als er vor der Weltmeisterschaft 1978 in Goodwood gefragt wurde, ob er als großer Rivale der Schweizerin Christine Stückelberger Schwächen des Wallachs Granat seiner Gegnerin gesehen hätte, meinte er lächelnd: „Ich rede keine Pferde schlecht. Granat und mein Woyceck haben ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen, warum sollte ich da eigens darauf eingehen.“

 

"Bestand hat auf Dauer nur Klasse"

 

Krankhafter Ehrgeiz und Eitelkeit waren Harry Boldt immer fremd, er buhlte nie um die Gunst der Öffentlichkeit, er drängelte auch nie vor die Linsen der TV-Kameras. Klamauk überließ er immer anderen. Von ihm stammt auch der Satz: „Bestand hat auf die Dauer nur die Klasse.“

 

Seit 1990 lebt Harry Boldt in Perth/ Australien, nach wie vor arbeitet der Reitmeister als Trainer, ob in seiner neuen Heimat, in Südamerika oder Europa - und alljährlich ist er Gast des CHIO von Deutschland in Aachen.

 

Seine größten Erfolge:


 

Deutscher Meister:

1996 auf Remus in Hannover

1973 auf Golo in Berlin

1977 auf Woyceck in Berlin

 

Europameisterschaften:

1963 Kopenhagen: Einzel Silber/ Remus (keine deutsche Equipe am Start)

1965 Kopenhagen: Gold Mannschaft, Einzel Silber/ Remus

1967 Aachen: Gold Mannschaft/ Einzel Bronze/ Remus

1975 Kiew: Gold Mannschaft/ Einzel Silber/ Woyceck

1977 St.Gallen: Gold Mannschaft/ Einzel Silber/ Woyceck

1979 Aarhus: Gold Mannschaft/ Einzel Bronze/ Woyceck

 

Weltmeisterschaften:

1966 Bern: Mannschaft Gold/ Einzel Silber/ Remus

1970 Aachen: Mannschaft Gold/ Silverdream

1978 Goodwood: Mannschaft Gold/ Woyceck

 

Olympische Spiele:

1964 Tokio: Mannschaft Gold/ Einzel Silber/ Remus

1976  Monteral: Mannschaft Gold/ Einzel Silber/ Woyceck

 

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