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Der Traum eines kleinen Mädchens...(162) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Uta Ludwig   
Donnerstag, 07. März 2013 um 11:04

Wie herzlos Eltern sein können...

 

Polly war in letzter Zeit etwas vom Reiten abgelenkt. Ihre Gedanken, obwohl das Reiten ihr immer noch das Wichtigste war, schweiften oft ab. Die Schule hatte damit allerdings rein gar nichts zu tun. Das hätten wohl ihre Eltern wohl gerne gehabt. Aber den Gefallen würde Polly  wohl nie erfüllen können.

 

Ein Vorfall letzter Woche beunruhigten Polly sehr. Es war ihr wieder voll bewusst geworden, dass man als Kind oder Jugendlicher den Eltern und anderen Erwachsenen völlig ausgeliefert war. Man konnte sein Leben nicht selber bestimmen, es wurde bestimmt.

 

Polly war es bisher nie so aufgefallen, wie sehr man von Erwachsenen, in ihrem Fall immer noch von den Eltern, abhängig war. Dass sie zur Schule gehen musste, stellte sie bisher nie in Frage. Das war eben so, man ging zur Schule. Alle mussten zur Schule. Nämlich alle jene, die sie kannte.

 

Beim Taschengeld sah das schon ganz anders aus. Aber wenn ihre Eltern ihr nicht genug Geld gaben, eigentlich war das auch so, konnte sie sich immer noch an die Großeltern wenden, von dort kam immer etwas.

 

Am vergangenen Freitag erschien sie nachmittags im Stall. Sie hoffte, dort ihre Clique zu treffen. Vielleicht fand sich sogar jemand, der zur gleichen Zeit trainieren wollte wie sie. Zusammen zu reiten machte mehr Spaß. Auf dem Weg in den Stall kam ihr ein kleines, etwa achtjähriges Mädchen entgegen, das sehr unglücklich aussah. Polly erkannte  es. Sie gehörte zu der neuen Familie, die mit einem Pony und einem Pferd in den Reitstall Hubertus eingezogen waren. Polly hatte bisher noch keine Gelegenheit gehabt, das Mädchen näher kennenzulernen. Sie wusste nur, dass es Annemarie hieß.

 

Polly sprach es an und fragte, ob es Kummer hätte. Da blieb das Mädchen mit gesenktem Kopf vor Polly stehen und flüsterte nur unverständliches Zeug. Polly verstand gar nichts. Nur langsam erfuhr sie von der jüngeren Reitkollegin, dass diese wohl am Vorabend eine satte Tracht Prügel bezogen hatte und ihr deswegen heute beim Reiten ihres Ponys der Popo weh getan hatte. Polly bekam noch heraus, dass  Annemarie eine Abreitung erhalten hatte, weil sie zu spät nach Hause gekommen war. Sie hatte auf dem Heimweg von der Schule mit ihrer Freundin allzu sehr getrödelt.

 

Polly tat das Mädchen natürlich leid. Sie versuchte, es mit freundlichen Worten zu trösten. Annemarie schien Vertrauen zu Polly gefasst zu haben und erzählte alles genau. Sie erzählte von den Vorhaltungen ihrer Mutter, die sich riesige Sorgen gemacht hätte. Sie wäre fast verrückt geworden, hatte sie ihrer Tochter vorgeworfen. Annemarie sei eine ganze halbe Stunde überfällig gewesen. Fast hätte ihre Mutter schon die Polizei verständigt. Sie hatte sich die schlimmsten Dinge ausgemalt, die ihrer kleinen Annemarie hätten passieren können. Dabei hatte die doch nur ein bisschen gespielt und darüber die Zeit vergessen,

 

Jetzt, wo sie wusste, worum es ging, konnte Polly so auf Annemarie eingehen und sie wirklich trösten. Zwar hatte sie selber für so etwas noch nie Schläge erhalten, die Sprüche einer ängstlichen Mutter kannte sie aber auch zur Genüge.  „Morgen tut Dein Popo nicht mehr weh“, sagte sie noch zu ihrer kleinen Reitkollegin.

 

Am Samstagmittag dann, als sie im Reitstall ankam, erlebte sie, wie Annemarie von ihren Eltern abgeliefert wurde. Sie merkte, dass Annemarie Eltern anscheinend nicht gleich wieder wegfahren wollten.

 

Polly reichte ihrer Beauty gerade ein Begrüßungszückerchen, als sie einen Schrei von Annemarie hörte. Schnell lief sie hin. Annemarie stand vor der leeren Box ihres Ponys. Die Schiebetüre war geöffnet.  „Es muss weggelaufen sein“, sagte irgendjemand. Mittlerweile hatten sich alle versammelt. „Hat denn niemand gesehen, wohin das Pony gelaufen ist?“ fragte jemand, der auch schon die erste Vermutung geäußert hatte. „Nein“, kam die Antwort prompt.

 

Annemarie stand Entsetzen Gesicht. Dann schossen ihr Tränen in die Augen. Verstört schaute sie um sich. „Wir müssen es suchen“, schluchzte sie und sah hilflos in die Runde. Sie bekam Angst um ihr Pony. Wenn es auf die Strasse gelaufen wäre und wenn genau dann ein Auto gekommen wäre – nicht auszudenken. Sie schrie und rief: „Tut doch was!“

 

Insgeheim bekam auch Polly Angst. Was dem Pony alles passieren konnte… Sie ließ sich nichts anmerken.

 

Die ersten Erwachsenen begannen auch mit der Suche in allen möglichen Richtungen, vor allem in Richtung Straße. Andere rannten raus,  um auf dem Feldweg nach dem Pony zu schauen. Die Kinder verteilten sich, um jeden Winkel in der Reitanlage zu inspizieren.  Irgendwo musste Annemaries Pony doch sein. Niemand hatte es aus dem Stall kaufen sehen. So ein Pony ohne Reiter konnte doch nicht einfach unbemerkt aus dem Stall spazieren…

 

Polly und ihre Freundin Martine untersuchten die Schiebetüre der Ponybox ganz genau. Es war doch unmöglich für so ein Pferdchen, den Sicherungshebel so hochzuschieben, dass es dann auch noch den Riegel bewegen konnte. Es war einfach unmöglich.

 

„Wenn Annemarie nun gestern nach dem Reiten die Boxentüre nicht richtig zugemacht hat?“ fragte Martine vorsichtig, um nur gar nicht Annemarie auch noch Vorwürfe zu machen. „Kann nicht sein“, entgegnete Polly. „Das hätte Pitter heute morgen beim Misten gemerkt. Dem kann es aber auch nicht passiert sein. Dem ist so etwas in den ganzen letzten sieben Jahren noch nicht passiert“, sagte Polly, und sie musste es wissen. Denn sie kam schon seit sieben Jahren in den Reitstall Hubertus.

 

Die beiden großen Mädchen nahmen die kleine Annemarie zwischen sich. Sie überlegten weiter, während alle anderen das Pony suchten. „Dann kann es nur jemand mit Absicht getan haben. Jemand der an Annemaries Pony nichts zu suchen hatte“, folgerte Polly. Im gleichen Moment sahen sie, dass Polizeibeamte den Stall betraten. Jemand hatte also schon die Polizei benachrichtigt.

 

Noch während die beiden Beamten Fragen stellten, um überhaupt erst einmal den Sachverhalt zu klären, erschienen Annemaries Eltern. Sie konnten nicht weit entfernt gewesen sein. Annemaries Vater zog die Beamten beiseite und sprach mit ihnen.

 

Plötzlich hörten sie einen Schrei: „Es steht doch hier!“ In der letzten Box, in jener ganz außen, bei den großen Schulpferden stand das Pony. Nur durch Zufall hatte es jemand gefunden. Dort hatte es absolut niemand vermutet. Denn dort hatte ein Pony wirklich nichts zu suchen.

 

Alle versammelten sich um Annemaries Liebling. Die küsste dauernd das weiche Fall und die Ponynase. Ganz fest drückte sie ihre Lippen auf die weiche schwarze Nase.

 

„Wir wollten Dir eine Lektion erteilen, Annemarie“, sagte da ziemlich verlegen Annemaries Vater. „Du hattest Deiner Mutter durch Deine Unpünktlichkeit so große Angst gemacht. Du solltest am eigenen Leib erfahren, wie das ist“, sagte er kleinlaut. Alle hörten völlig entsetzt zu.  Es stellte sich heraus, dass sie den Pitter unter einem Vorwand und mit bestochen hatten, das Pony vorübergehend auszuquartieren, ohne

jemanden davon zu unterrichten.  

 

„Du verstehst doch nun hoffentlich, wie sich das anfühlt, sich wahnsinnige Sorgen um jemanden zu machen. Hoffentlich tust Du das nie mehr Deiner Mutter und mir an“, sagte der Vater von Annemarie.

 

Annemarie stand fassungslos vor den Eltern. Sie versprach hoch und heilig, dass so etwas nie mehr vorkommen werde, immer wollte sie pünktlich sein. Polly stand kreidebleich dabei als Zeugin einer solchen schlimmen Maßnahme. Doch dann fielen die Herumstehenden über Annemaries Eltern her. Sie wurden aufs Heftigste von allen beschimpft. Alle fühlten mit dem Kind und zeigten kein Verständnis für die Erziehungsmaßnahme der Eltern.

 

So eine grausame Methode erschütterte alle. Nur um Annemarie zu schützen, verlange die Stallgemeinschaft nicht, dass diese Familie aus dem Stall geworfen werden sollte. Aber mit solchen Leuten wollte keiner etwas zu tun haben. Nur mit Annemarie hatten alle großes Mitleid. Die allerdings, hatte schon ihr Pony wieder in die eigene Box gestellt und war nur heilfroh, dass ihm nichts Böses geschehen war.

 

Dann kam der Montagabend. Pollys Eltern und Brüder beendeten gerade ihr Abendessen und wollten es sich noch ein bisschen vor dem Fernsehen bequem machen. Was dann kam, stand den Methoden von Annemaries Eltern in nichts nach. Es wurde ein Spielfilm über Jugendheime gezeigt, die es noch bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts gegeben hatte.

 

Es waren der Vorfall im Reitstall und die Dokumentationen in diesem Spielfilm, die Polly so nachdenklich werden ließen. Wie war es nur möglich, dass Menschen anderen Menschen so etwas antun können? Polly würde noch viel darüber nachdenken müssen. Jedenfalls wollte sie in Zukunft ganz besonders nett mit Annemarie umgehen.

 

(Fortsetzung folgt…)

 

 


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