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Der Traum eines kleinen Mädchens...(188) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Uta Ludwig   
Mittwoch, 19. Februar 2014 um 14:52

Pollys Tränen versiegen...

 

 

Polly hatte in letzter Zeit gelernt, was die Erwachsenen damit meinen, wenn Sie sagen: „Alles hat zwei Seiten“. Die große Freude, ein richtiges Wamblut-Dressurpferd zu besitzen, wurde von den nächtlichen Gedanken an Beauty gedämpft. Aber sie hatte sich entschieden und von der Tinker-Stute getrennt.

 

Sie kämpfte gegen das Gefühl an, einen Freund verraten zu haben, indem sie ihr Pferd an jemanden Fremden verkaufte. Bisher lag die Verantwortung, ob es dem Tier gut geht, ganz in ihrer Hand. Sie entschied, wie Beauty gefüttert wurde. Sie entschied, wann zu viele Pferdeäpfel im Stroh lagen und entfernt werden mussten. Sie entschied, wann es Zeit war, den Tierarzt an Beauty zu lassen. Alles hing von ihr ab. Nun waren es andere, die für Beauty diese Entscheidungen zu treffen hatten.

 

Sie war dabei, als man Beauty auf den Hänger führte. Sie hatte nicht mehr den Strick in der Hand, mit dem Beauty auf den Pferdehänger geführt werden sollte. Dennoch voller Vertrauen folgte das Pferd dem Mann auf dessen Hänger. Beim Wegfahren glaubte Polly, noch einmal das Schnauben von Beauty gehört zu haben. Ganz von allein wollte sich ihre Hand zu einem letzten Gruß heben. Dann rannte sie  in die Box, in der sich nun das neue Pferd befand. In diesem Moment wusste sie nicht mehr, ob sie dieses Tier mochte oder nicht. Sie wusste gar nichts mehr. Dabei schrien in ihrem Kopf die Gedanken, dass das neue Pferd  nichts dafür konnte, nicht schuld war.

 

Es dauerte lange, bis jemand kam. Man hatte sie bis dahin allein gelassen, völlig allein – mit ihrer Trauer, mit ihren Zweifeln, ob sie sich richtig entschieden hatte. Dann stand – ausgerechnet -  Herr Neureich vor ihr, der Vater ihrer größten Konkurrentin im Verein. Völlig überraschend betrat er die Box, in die sich Polly ins Stroh gekauert hatte. Der junge Wallach schnaubte erstaunt und drehte sich nach dem Fremden um.

 

Aber seltsamerweise fand genau er die richtigen Worte des Tröstens für Polly:  „Jetzt hat es eben dieses neue Pferd gut bei Dir. Das hat es auch verdient, so liebevoll behandelt zu werden. Bei Dir liegt nun die Verantwortung für dieses liebe neue Pferd.“

 

Herr Neureich hatte Recht. Polly putzte sich die Nase. Sie war bereit dazu, sich von diesem Moment an, um das junge Pferd zu kümmern. Sie war die Eigentümerin.

 

Dazu gehörte, ihm erst einmal einen schönen Namen zu geben. In den Abstammungs-Papieren war der Name des Vaters angegeben. Es sollte der selbe Anfangs-Buchstabe sein. Der Name, den das junge Pferd bei den Vorbesitzern hatte, nämlich Fritz, ging gar nicht. Das klang so gewöhnlich. Polly wollte sich etwas Schöneres ausdenken. Sie beschloss, den Wallach Florian zu nennen. „Florian. Das klingt schön“, sagte sie zu dem Pferd.

 

Am folgenden Tag fuhr Polly nach der Schule nicht gleich nach Hause. Sie fuhr in die Stadt und ins Reitsportgeschäft, wo sie eine Tafel kaufte, die den Namen des Pferdes tragen sollte. Später saß Polly am Küchentisch, die Tafel vor sich,  und dachte nach. Es ging darum sich zu entscheiden, ob sie die Eintragungen auf diesem Namensschild in Schreibschrift oder in Druckschrift, mit besonderen Schörkeln oder ohne schreiben sollte. Sie entschied sich für schnörkellose Druckbuchstaben. Dann zog sie ihre Reitsachen an und fuhr in den Reitstall. Das neue Namens-Schild und zwei kleine Nägel in der Tasche.

 

Stolz erfüllte sie. Sie fand ihr neues Dressurpferd wunderschön. Aber schon wieder durchfuhren sie gegensätzliche Gefühle. Hing doch noch Beautys Namen-Schild an der Boxentür. Zerkratzt und voller Flecken zwar. Aber es erfüllte Polly mit Wärme. Die kindliche Schrift der Buchstaben, die sie so liebevoll vor vielen Jahren aufgemalt hatte. Polly konnte nichts dagegen tun, dass ihr wieder Tränen in die Augen stiegen. Schnell riss sie das Schild ab. Mit der Schrift nach unten legte sie es auf den Boden. Sie wollte „Beauty“ nicht mehr lesen.

 

Es war gut, dass sie noch einen Hammer besorgen musste. Sie beeilte sich, um bei dem Pferdepfleger danach zufragen. Zurückgekehrt, waren ihre Tränen schon wieder verschwunden. Sie nagelte das neue Namens-Schild an die Boxentür. „Florian“ stand in ganz akkuraten Groß-Buchstaben darauf. Die Schrift zeigte deutlich, dass es sich nicht mehr um das kindlich bemalte Schild einer liebevollen kleinen Reiterin handelte, sondern eines ausdrückte, die Ernsthaftigkeit einer jungen Sportlerin, die stolz auf einen zukunftsträchtigen Sport-Partner blickt.

 

Es dauerte nun nicht mehr lange, bis sie und ihr Florian zu einem richtigen Paar zusammenwachsen würden. Polly sah sich schon auf Florian, dessen linke Seite des Halfters eine goldene Schleife schmückte, Zeichen des Erfolgs in einer Prüfung. Von weiteren Tränen war sie nun weit entfernt.

 

Sie packte das Schild von Beauty, ohne es noch mal umzudrehen und anzusehen, in ihren Rucksack, um es zuhause in ihrem Mädchen-Zimmer an die Wand zu hängen. Dabei beschloss sie, dass sie nach Erhalt des nächsten Taschengeldes direkt noch so ein Namensschild kaufen würde. Das mit Florians Namen, neben das alte von Beauty, in ihrem Zimmer an die Wand genagelt, würde sie immer an ihre Karriere erinnern. Hatte sie doch in den letzten Jahren auf dem Tinker so viel gelernt, dass sie nun so weit war, auf einem Warmblut-Dressurpferd eine ernsthafte Konkurrenz in einer Dressurprüfung zu sein. Ihrem Traum, eine gute Reiterin zu werden, war sie ein großes Stück näher.

 

Daher war es auch kaum überraschend, dass Brigitta auf einmal  auffallend freundlich zu ihr war. Dieser Gedanke ließ Polly laut auflachen. Freude war zurückgekehrt. Das Leben hielt viele Überraschungen für sie bereit. Die zwei Seiten, von denen die Erwachsenen so oft sprachen, würden ihr aber keine Angst mehr machen. Sie hatte gelernt, Entscheidungen zu treffen. Die Schattenseiten musste man halt in Kauf nehmen und schnell vergessen. Genau das tat sie nun. Die Reitstunde auf ihrem neuen Pferd würde eine weitere Herausforderung sein, die auch zu bewältigen war. Darauf freute sich Polly. Sie würde es schon allen zeigen.

 

(Fortsetzung folgt…)

 

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