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Heiner Engemann - der stille Weggang des Co-Bundestrainers PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Donnerstag, 19. November 2020 um 16:57

Heinrich-Wilhelm Engemann

(Foto: Kalle Frieler)

 

Porta Westfalica. Er war Nationen-Preisreiter, Aktivensprecher und zwölf Jahre lang ein wichtiger Partner von Bundestrainer Otto Becker, nun trug er in Portugal als Equipechef letztmals die rote Sponsorenjacke von Pikeur mit dem Bundesadler der deutschen Föderation – Ende des Jahres ist Schluss. Heinrich-Hermann Engemann geht nicht so unbedingt aus freien Stücken und wird neuer Coach der Springreiter Kolumbiens…

 

Sie ritten miteinander, sie waren acht Jahre zusammen Aktivensprecher und zwölf Jahre lang gemeinsam Bundestrainer der deutschen Springreiter, nun trennen sich ihre Wege. Otto Becker sagt über seinen Partner Heinrich-Hermann Engemann, der in der Branche nur Heiner gerufen wird: „Schade, ich kann ihn verstehen. Ich freue mich riesig für ihn und ein solches Angebot.“ Und er sagt: „Einen gleichwertigen Ersatz habe ich noch nicht gefunden. Heiner und ich werden jedoch für immer Freunde bleiben, wir haben gute und nicht so gute Zeiten gemeinsam erlebt, das schweißt zusammen.“

Ende des Jahres läuft der Vertrag zwischen Heiner Engemann (61) und der deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) aus. Im Gegensatz zu Otto Becker war Engemann nicht festangestellt, sondern wurde bei Anforderung als Equipechef zum Beispiel nach den entsprechenden Tagessätzen entlöhnt. Nun kam die Corona-Pandemie, Offizielle Internationale Turniere wurden fast komplett alle abgesagt, und damit brachen für Heiner Engemann auch die Verdienstmöglichkeiten weg, zwölf Jahre lang war alles gut gegangen. Engemann hat schließlich auch Verpflichtungen gegenüber seiner Familie auf dem Hof in Porta Westfalica. Die Anfrage bei der FN um einen Kontrakt mit einem Grundgehalt war abschlägig beschieden worden. Nun lag ein Angebot aus Kolumbien vor – „zum richtigen Zeitpunkt“, sagt er.

Mit den Springreitern des südamerikanischen Staates Kolumbien pflegt Engemann seit über 20 Jahren Kontakte. Bei einer Einladung dorthin zu einem Trainingslehrgang im privaten Reitclub lernte Heiner Engemann in Bogota an der deutschen Schule den Deutschlehrer Quintero kennen, dessen Sohn Andres kam dann für zunächst für drei Monate nach Deutschland als Reitschüler – und ist inzwischen in Westfalen zuhause, als Reitlehrer.

Die damals geknüpften Bande ließ Engemann nie abreißen, und auch keiner von der anderen Seite. Möglicherweise ist diese Stärke des Heiner Engemann nun zu einem Glückstreffer geworden in Zeiten, da Reitställe leer stehen und der Beruf des Reitlehrers nicht gerade auf der Wunschliste steht. Für nicht wenige geht es ums Überleben in der Krise.  

Hongkong als einzige Katastrophe…

Wäre Heiner Engemann ein lauter, wäre er sicher längst irgendwo anders, oder eben ganz untergegangen. Doch einmal wurde der Hesse aus Volkmarsen laut, und da muss ihm mehr als einiges gegen die Hutschnur gegangen sein. Nach den Olympischen Sommerspielen 2008 in Hongkong, wo er als Ersatzreiter dabei war und wo Deutschlands Springreiter eher außerhalb des Parcours für Schlagzeilen sorgten, als zudem Christian Ahlmann wegen des Gebrauchs der Capsaicin-Salbe disqualifiziert und nach Hause geschickt wurde, lederte er regelrecht los: „Die ganze Sache war eine Katastrophe. Jeder Reiter, jeder Pfleger musste unterschreiben, dass er jede Art von Verabreichung von Medikamenten oder Anwendung sonstiger Mittel egal welcher Art mit dem Mannschaftstierarzt abspricht.“  Und weiter sagte er, als Reservereiter sei er wie das bekannte „fünfte Rad“ am Wagen gewesen, wäre nicht in Wettkampfprüfungen einbezogen worden, jeder habe sein Ding gemacht für sich, ohne jede gemeinsame Absprache.

Da Heiner Engemann wohl kaum persönlich und gegen sein Naturell eine PR-Fahne vors Haus hängen würde, sagen die Ergebnisse aus seinem sportlichen Leben einiges aus. 2006 und 2008 jeweils deutscher Vizemeister, 2008 Dritter im Weltcupfinale, 45 mal ritt er für Deutschland einen Preis der Nationen, nur 15 Reiter weisen bisher eine höhere Zahl an Einsätzen in diesem Teamwettbewerb in Deutschland vor, und auf der Liste stehen nicht weniger als 406 Namen. Mit der Westfalen-Stute Candela von Carte d`Or, die er 1995 auf der Elite-Auktion für 31.000 Mark erworben hatte, stellte er einen Weltrekord von 132 Siegen in schweren Springen auf. Und dass er seinen Lieblingswallach Aboyeur eigenhändig nach Ende der sportlichen Laufbahn in Italien am 17. April 2012 abholte und nach Hause chauffierte, sagt auch viel über den Menschen Heiner Engemann aus.

Vertrag bis Olympia in Paris

Am 28. August 2008 während des „Turnier der Sieger“ in Münster erklärte der Pferde-Wirtschaftsmeister ziemlich plötzlich seinen Rücktritt vom Hochleistungssport. Am 8. Oktober 2008 wurde er sogenannter Disziplintrainer beim deutschen Verband, zuständig als Coach - neben Otto Becker - bei Olympischen Spielen, Championaten und hochrangigen Nationenpreisen. Er war zudem für den Aufbau, das Management und Training einer Perspektivgruppe Springen zuständig. Darüber hinaus gab er B-Kaderreitern und Kaderanwärtern Hilfestellung bei ihrem Training und Management und leitete entsprechende Lehrgänge am Leistungszentrum des Deutschen Olympiadekomitees für Reiterei (DOKR) in Warendorf.

Der neue Chef der kolumbianischen Springreiter, die entweder in Europa oder in den USA arbeiten und reiten, hält nicht weniger als rund 30 gut genug, um international weit oben mithalten zu können, wie zum Beispiel Carlos Lopez. Nahziel wäre, so Engemann, das Finale um die Nationen-Preis-Trophy im nächsten Oktober in Barcelona zu erreichen - und „das Fernziel ist ein Start mit einer Equipe bei Olympia in Paris“.  Sein Vertrag mit der FN Kolumbiens läuft bis Ende der Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris, „was dann kommt, weiß ich nicht. Jedenfalls habe ich zunächst eine schöne und interessante Aufgabe vor mir.“

 


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