







| Marianne Fankhauser-Gossweiler - Geburtstag der ersten Schweizer Olympiastarterin |
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| Geschrieben von: Peter Wyrsch/ dl |
| Sonntag, 15. Mai 2016 um 09:59 |
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Zürich. Mit einem Pferd, das mal den Milchwagen zog, startete Marianne Fankhauser-Gossweiler als erste Schweizerin bei Olympia. An diesem Pfingstsonntag wird sie 73 Jahre alt. Für die „PferdeWoche“ hat sie sich mit Peter Wyrsch unterhalten, anbei der Bericht in Auszügen. Drei Männervornamen haben im Leben von Marianne Fankhauser-Gossweiler zentrale Bedeutung und gaben (geben) ihrem Leben Inhalt und Konturen: Stephan, Urs und Thomas. Stephan war ihr Pferd. Der Schimmel trug die Schaffhauser Dressurreiterin in den 60er-Jahren zu sportlichen Höhenflügen. Urs ist ihr Gatte. Mit dem Hergiswiler Olympiaruderer und über 20-maligen Schweizermeister auf dem Wasser ist die aufgeschlossene Ostschweizerin seit 1971 verheiratet. Thomas ist ihr einziger Sohn. Noch immer beschäftigt sich die erste Schweizer Frau, die an Olympischen Sommerspielen teilnahm und gleich eine Medaille gewann, mit der Reiterei – und hat dazu ihre eigene, kritische Ansicht. Zwei Olympiastarts, zwei Medaillen „Schimmel“ wurde aber ihr erstes eigenes Pferd. … Spontan nannte sie ihn „Stephan“. Wie sie auf diesen Namen gekommen ist, weiß sie nicht mehr. Vielleicht hatte sie einen Teenager-Schwarm dieses Namens... „Dann hätte ich ihn aber Alwin nennen müssen“, wirft die gepflegte Pensionärin mit einem Flair für antike Möbel und Bilder ein. „Ich schwärmte für den deutschen Springreiter Alwin Schockemöhle und wollte selbst eigentlich Springreiterin werden.“ Weder Mariannes Vater Heinrich noch Gustav Fischer, ihr einstiger Ausbildner und späterer Equipenkollege, erahnten, dass Stephan einst zu Medaillenehren kommen würde. Unbedingtes Vertrauen, unerschütterlicher Glaube und viel Arbeit und Ehrgeiz zeitigten aber Erfolg. Pferde waren für die Gossweilers, für Papa Heiri, Mama Ruth, die jüngere Schwester Catherine und besonders für Marianne Passion und Leidenschaft, brachten Vergnügen und für die Familie Lebensunterhalt zugleich. Bis Marianne 28-jährig war, hatte sie nie Urlaub. … Leichten Herzens verzichtete sie auf Entspannung und Erholung, … obwohl sie bis zwölfjährig nur an der Longe Sitzübungen machen durfte. „Meine Eltern hatten ein geschultes Auge. Ich trainierte nie ohne Aufsicht. Mein Vater hatte seine Überzeugung: Wer nicht richtig sitzt, lernt nie reiten.“ Und er war, so heißt es, ein versierter und kompetenter Pferdekenner, der sich der klassischen Reitkunst verschrieben hatte. Der kometenhafte Aufstieg in die Dressur-(Männer)gilde dauerte kein Jahrzehnt. Noch vor der Heirat 1971 mit Urs Fankhauser trat die Ostschweizerin von der Dressurbühne ab. Schluss, vorbei. Der bildhübsche Lipizzaner Stephan hatte 1968 mit seiner zweiten Olympia-Medaille seinen Zenit erreicht und war in die Jahre gekommen. … Die Reiterin wollte ihren erklärten Liebling aber nicht wie eine Zitrone auspressen. Stephan, der keine Abstammungspapiere hatte, …ging fit und gesund in Pension… bei der Familie des deutschen Dressur-Königs Reiner Klimke, mit der die Familie Gossweiler bis heute eine langjährige Freundschaft verbindet. … Er wurde dort die ersten vier Jahre seines Ruhestandes Lehrpferd für Hans Jürgen Meyer, einen Schüler von Reiner Klimke. Bei seiner Rückkehr war „Stephan“ 22-jährig. …Da aber der Stall Gossweiler in Schaffhausen nicht mehr bestand, verbrachte das Ausnahmepferd…seinen Lebensabend bei einer Freundin in der Nähe von Bern. Er wurde 29 Jahre alt. Der neue Lebensabschnitt Kritische Beobachterin Starke Worte einer einst starken Reiterin, die die Reiterei - geduldig und von Fachleuten geschult - von der Pike auf erlernte. Sie fügt aber an, dass heutzutage nicht alles schlecht und verkehrt sei. „Es gibt immer noch viele Reiter, die es richtig machen. Aber es gibt leider auch viele andere Reiter und Richter – an der Basis und auch im Spitzensport…“ |