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"Captain Canada" Ian Millar sattelte ab - nach 60 Jahren... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Donnerstag, 09. Mai 2019 um 14:25

Ian Millar beim Masters in Spruce Meadows - ein solches Foto ist nun Geschichte

(Foto: Dirk Caremans)

 

Perth/ Kanada. Ian Millar hatte ein letztes großes Ziel, nochmals nach Olympia 2020 nach Tokio, nun hat er abgesattelt. Der sicherlich größte Springreiter aller Zeiten, und Widerspruch dürfte er kaum erfahren, hat seine sportliche Karriere beendet.

 

Sie gaben ihm den Ehrentitel „Captain Canada“, nicht nur die Reiter seiner kanadischen Heimat, auch andere, ob Sportler oder ganz normale Bürger. Eine Ehrung, die vielleicht nur ganz wenigen Sportlern bereits in ihrem Leben zuteil wird. Alles, was diesem Ian Millar an Orden umgehängt wurde, was man ihm an Urkunden in die Hand drückte oder sonst an Ehrungen zuteil werden ließ, alles hatte er verdient. Er war immer ein untadeliger Sportler und blieb immer ein Ehrenmann. „Für Kanada zu reiten, den Roten Rock in einem Preis der Nationen zu tragen, das war und blieb immer das Größte in meiner Laufbahn als Reiter“, sagt er nun, „und ich war stets stolz darauf, dieses Gefühl als kanadischer Reiter mit Großen teilen zu dürfen.“ Ian Millar wurde einer der besten und anerkanntesten Botschafter des zweitgrößten Landes der Erde. Als Ziel hatte er zuletzt, nochmals nach Olympia, nach Tokio im nächsten Jahr, er wäre dann 73 gewesen, Teilnahme an seinen elften Spielen, „das musste nicht sein.“

Rückblickend auf seinen Aufstieg sagt er: „Viele meiner Träume wurden Wirklichkeit, nicht zuletzt dank fantastischer Pferde, und ihnen bin ich unsagbar dankbar.“ Er verweist auf eine geradezu märchenhafte Statistik. Zehnmal startete er bei Olympischen Spielen, niemand mehr in der Welt, auch nicht in anderen Sportarten, erstmals 1972 in München, dann 1976 in Montreal, 1984 in Los Angeles, 1988 in Seoul, 1992 in Barcelona, 1996 in Atlanta, 2000 in Sydney mit gebrochener Hand, 2004 in Athen, 2008 in Hongkong – Team-Silber - und 2012 in London – zehnmal oder rund 50 Jahre international auf höchstem Niveau. Und wäre Moskau 1980 nicht dem Boykott westlicher Nationen zum Opfer gefallen, stände sein Olympia-Rekord auf elf Teilnahmen. Bei den damals eigens organisierten Olympischen Ersatz-Springreiterspielen in Rotterdam im gleichen Jahr gewann er mit der Equipe die Goldmedaille. Das alles schafft nur einer, der wie ein Asket lebt, voller Disziplin, und der nur immer Ziele vor Augen hat.

Sechsmal startete er zwischen 1986 und 1994 bei Weltmeisterschaften, an nicht weniger als 14 Weltcup-Finals zwischen 1980 und 2009 nahm er teil, auf dem gewaltigen belgischen Wallach Big Ben – den ihm sein niederländischer Freund und frühere Springkollege Emile Hendrix vermittelt hatte - verließ er 1988 und 1989 die Arenen als Erster, und an allen neun PanAmerikanischen Spielen – vergleichbar mit Europameisterschaften – zwischen 1979 und 2015 nahm er teil und holte dabei neun Medaillen, vier in Gold. Neunmal war er auch kanadischer Titelträger. 1996 wurden er und sein Pferd Big Ben gemeinsam in die „Hall of Fame“ des Sports von Kanada aufgenommen, in einem Land, wo Eishockey alles ist, und Reiten nur am Rande existiert.An Gewinngeld ritt er 10 Millionen kanadische Dollar ein, umgerechnet nach heutigem Kurs über 7 Millionen Euro.

Pferd mit eigenem Fan-Club…

Ian Millar, 1,90 m lang, wird allen wahren Reitsportliebhabern immer in Erinnerung bleiben in Verbindung mit Big Ben, Stockmaß 1,80 m. Sie passten zunächst nicht zusammen, Big Ben war ängstlich, stur. Millar: „Mit Kraft ging nichts. Doch irgendwann hatte ich den Draht zu ihm gefunden.“ Nach den beiden Weltcuperfolgen hatte Big Ben bald einen eigenen Fanclub - und seinen einzigen Schwachpunkt bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul, ähnlich wie der Schimmel Milton unter dem Briten John Whitaker bei Olympia 1992 in Barcelona. Wahrscheinlich wurde Big Ben zu spät nach Südkorea geflogen und hatte bei Beginn der Spiele die klimatische Umstellung noch nicht geschafft. Ian Millar und Big Ben, eine sonst fast perfekte Partnerschaft, belegten im Einzelspringen den 15. Rang. Mit Big Ben gewann Millar nicht weniger als 49 Große Preise, der Fuchs musste 1999 im Alter von 23 Jahren eingeschläfert werden.

Ian Millar, der auch sechsmal das Derby des Landes in Calgary gewann, hatte Wirtschaftswissenschaft studiert, er war als Immobilien- und Börsenmakler erfolgreich, als Manager für Hotels und Restaurants, Reiten als Hobby wurde am Ende sein wahrer Beruf. In der kleinen Stadt Perth in der kanadischen Provinz Ontario südlich von Ottawa, unterhält er einen Ausbildungs- und Handelsstall. Sein Sohn Jonathan und Tochter Amy sind ebenfalls erfolgreich im Parcours unterwegs. Er war immer ein Reiter ohne Stallgeruch, wie Hans Günter Winkler aus Deutschland. Brillenträger Millar kann sich überall bewegen, in Sport- wie in Gesellschaftskreisen.

Nach dem ersten Weltcupsieg 1988 in Göteborg flog er nicht zurück nach Hause, sondern nach Münster. Dort erfüllte er sich einen Traum, er durfte bei Dr. Reiner Klimke auf dem Goldross Ahlerich Lektionen der gehobenen Dressur reiten. Und er ließ sich auch unterrichten von seinem Idol. Millar: „In der Dressur wird bei der Ausbildung des Pferdes vor allem Wert auf den Schub aus der Hinterhand gelegt, und das ist ebenfalls wichtig und manchmal gar entscheidend im Parcours. Pferde mit einer guten Galoppade springen leichter.“

In Zukunft wird sich „Captain Canada“ – mit 200 Einsätzen in einem Preis der Nationen auch Weltrekordhalter in diesem Team-Wettbewerb - vornehmlich der Arbeit mit Nachwuchsreitern und dem Herausbringen junger Springpferde widmen, „ich werde meine ganze Erfahrung und auch meine Leidenschaft für diesen Sport einbringen, ich spüre, welchen Spaß ich an einer soklchen Aufgabe habe.“ In seiner öffentlichen Abschiedsrede vergaß er keinen, er sagte Danke den Pflegern, den Sponsoren, den Tierärzten, allen seinen Kollegen, seinen Angestellten, den Equipechefs oder den Pferdesbesitzern und natürlich seiner Familie. Dabei erwähnte er besonders seine Ehefrau Lynn, „ohne die ich diesen unglaublichen Erfolg nie gehabt hätte“. Lynn Millar starb vor elf Jahren an Krebs, 39 Jahren waren sie verheiratet gewesen…

 

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