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Grooms - die stillen heimlichen Stars des Reitsports PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sascha Dubach/ DL   
Mittwoch, 28. August 2019 um 16:00

Emma Uusi-Simola aus Finnland - Sean Vard aus Irland 

(Foto: Dirk Caremans)

Zürich. Vor fast 30 Jahren sagte der deutsche Ausnahmereiter Ludger Beerbaum mal: „Wir müssen endlich aufhören, sie wie Menschen zweiter Klasse zu behandeln.“ Und die gelernte Biblothekarin und spätere Angestellte beim deutschen Bundestrainer Otto Becker, Christl Sailer, meinte ebenfalls vor langer Zeit: „Mit Messer und Gabel zu essen, das musste man uns doch nicht beibringen…“ Die Rede ist von und über die Pferdepfleger, ohne die der Turniersport nicht existieren könnte. Und jetzt vor seinem Titelgegewinn regte der Schweizer Europameister Martin Fuchs das Thema erneut an, Sacha Dubach ging es in der Schweizer PferdeWoche an.

 

Sie stehen ganz selten im Rampenlicht, bei Siegerehrungen sind sie ausserhalb der Arena oder im Hintergrund bei den Pferden. Sie schuften und rennen von früh morgens bis spät abends – und noch viel mehr. Alles, damit «ihre» Pferde stets perfekt vorbereitet sind, damit «ihre» Reiter mit ihnen gemeinsam Höchstleistungen im Parcours erbringen können. Die Rede ist von den Grooms, den Pferdepflegern der Springsportstars. Wir haben uns mit der Finnin Emma Uusi-Simola, der Pferdepflegerin von Olympiasieger Steve Guerdat, und mit dem Iren Sean Vard, angestellt beim neuen Europameister und Vizeweltmeister Martin Fuchs, über ihre Arbeit, Motivation und Träume gesprochen.

Beide haben schon einige Hochs und Tiefs in ihrer Karriere durchgemacht. Beide hatten beruflich einen anderen Weg eingeschlagen, ehe sie in das Groom-Metier eingestiegen sind. Die 37-jährige Finnin Emma Uusi-Simola, die im Süden, rund eine Stunde von Helsinki entfernt aufwuchs, begann wie jedes junge Mädchen mit Reiten. «Vor allem, weil meine Kolleginnen ritten.» Später kauften die Eltern ihr ein eigenes Pferd, und Emma begann mit Springen. «Ich bestritt ein paar kleinere Prüfungen bis etwa 120 Zentimeter. Aber ich hatte eigentlich immer Angst, über Hindernisse zu springen. Das machte mir keinen Spaß. Ich wollte eigentlich immer einfach nur mit den Pferden zusammen sein.» Als sie die Schule in Finnland beendete, zog sie nach Deutschland und arbeitete in einem Turnierstall - und so hat alles begonnen. Da war sie aber noch nicht als klassische «Groom» angestellt. «Ich habe viel geritten, vor allem junge Pferde. Aber ich bin dann natürlich auch mit zu den Turnieren und das war das, was mir am meisten gefiel.» So begann ihre Karriere als Pferdepflegerin, die sie seit mittlerweile über 18 Jahren ausübt.

«Ich war nicht gut genug»

Beim 28-jährigen Iren war es ungleich anders. «Ich bin direkt in eine Pferdefamilie hineingeboren worden. Meine Familie besitzt einen großen Stall in Dublin. Mein Vater ritt international Springen und ist jetzt stellvertretender Equipenchef des irischen Nationenpreis­Teams.» Er sei also schon geritten, bevor er überhaupt zur Welt kam. Der sympathische Mann von der grünen Insel ritt alles, vom Pony bis zu internationalem Level. «Vor neun Jahren zog ich um in die Niederlande, um ein richtiger Springreiter zu werden – doch das schlug fehl. Ich war einfach nicht gut genug.» Er wollte nicht einfach irgendwo unten weitermachen, er wollte an die internationale Spitze, an Championate und als Groom sei das viel einfacher und schneller zu erreichen. «Also entschied ich, wenn ich schon nicht selbst an die Spitze komme, dann möchte ich jemandem helfen, die Spitze zu erreichen.»

Er war während vier Jahren in den Niederlanden als Reiter engagiert und wechselte dann in den Job als Groom. «Ich war dann einige Zeit im Stall meines Landsmannes Bertram Allen, dann managte ich während eines Jahres eine Amateurreiterin in Norwegen. Und jetzt bin ich bei Martin in Wängi...»

PferdeWoche: Wie ist es, so weit von zu Hause weg zu sein?

Sean Vard: „Man vermisst schon einiges, wenn man so weit von zu Hause weg ist. Aber man ist ja auch nur einen «kurzen Flug» entfernt. Wenn man eine Karriere starten will, kann man das nicht immer von zu Hause aus.“

Emma Uusi-Simola: „Es ist schon hart, ich vermisse meine Familie. Aber als ich länger zu Hause war, zog es mich dann auch wieder weg.“

Sean: „Und wir haben natürlich auch unsere Familie Wochenende für Wochenende auf dem Turnierplatz. Das macht es einfacher.“

PferdeWoche: Welche Voraussetzungen muss man für den Job als Groom mitbringen?

Sean: „Jeder kann als Groom arbeiten. Es kommt natürlich darauf an, was für Ambitionen man hat. Wenn man nur bis 17 Uhr arbeiten möchte, kann man in einem kleinen Stall Boxen misten. Will man aber mit seinem Reiter eine olympische Medaille erreichen – wie ich und Emma –, muss man sich schon richtig hineinknien. Da ist nicht viel Freizeit. Man muss zehn Berufe in einem vereinen können. Man ist LKW-Chauffeur, Arbeiter, Veterinär, sein eigener Doktor, Nanny, Hundeaufpasser, persönlicher Assistent der Reiter usw.

Man braucht so viele Qualitäten, um kompetitiv zu sein, also eine Ergänzung darzustellen, um seinem Reiter zu helfen, auf das Toplevel zu kommen. Und auch dort zu bleiben. Und es ist ein Sieben-Tage-Job. Wir sind glücklich, wenn wir zu Hause jeweils einen Tag frei haben. Es ist schon ein knochenharter Job.“

Was nervt Sie an Ihrem Job?

Emma: „In der Nacht mit dem LKW zu fahren.“ (Sean nickt und pflichtet ihr bei.)

Sean: „Vor allem, wenn es beim Reiter nicht optimal lief, er schlechte Resultate erzielte. Dann grübelt man herum, was man hätte besser machen können. Es ist schwierig, damit umzugehen. Man muss psychisch extrem stabil sein, um diesen Job ausüben zu können. Man sollte bedenken, es gibt mehr schlechte als gute Tage.“

Was machen Sie als Ausgleich zu Ihrem Beruf?

Emma: „Ich hab nichts.“

Sean: „Wir haben keine Zeit für Hobbys.“

Emma: „Okay, an Turnieren sitzen wir am Abend zusammen, entspannen, das ist unser Ausgleich.“

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Sean: „Wenn wir freihaben, dann verbringen wir die Zeit vielleicht schon wieder mit Vorbereitungen. Oder einfach nur essen und viel schlafen.“

Emma: (ergänzt) „Oh ja, ich liebe es zu schlafen und auch zu essen. Und vielleicht einfach auch nur einmal TV gucken.“

Was ist Ihre Motivation, als Groom zu arbeiten?

 

Emma: „Wenn wir als Team etwas gewinnen.“

Sean: „Ja, das ist doch sonnenklar. Egal ob kurz- oder langfristig. Kurzfristig gesehen, ist es sozusagen, jedes Wochenende genügend Geld nach Hause zu bringen. Und langfristig… Rotterdam, Tokio… Medaillen zu gewinnen. Es dauert nicht einmal mehr ein Jahr bis zu den Olympischen Spielen – man muss jetzt schon den Fokus darauf legen.“

Wie und warum kamen Sie zu Steve Guerdat respektive Martin Fuchs und wie lange sind Sie schon bei ihnen?

 

Emma: „Ich bin seit fünfeinhalb Jahren bei Steve. Ich war vorher bei einem Reiter, der aufhörte. Ich telefonierte mit Heidi – meiner Vorgängerin – und sagte ihr, mir sei langweilig. Sie meinte, komm doch zu Steve, denn sie selbst wollte nicht mehr zu den Turnieren und mehr im Stall bleiben. Ich schnupperte während vier Tagen auf dem Rütihof in Herrliberg und entschied mich zu bleiben.“

Sean: „Ich kannte Martin eigentlich schon länger, und als ich meinen Job in Deutschland beendete, wollte ich auf ein höheres Level steigen. Ich vernahm, dass Martin auf der Suche nach jemandem ist, der die Zügel übernehmen könnte. Also rief ich ihn an und zwei Wochen später war ich bei ihm. Ich kam an einem Dienstag an und am Mittwoch fuhr ich mit dem LKW zu Steve, lud Emma ein und wir starteten zu unserem Abenteuer an den Weltcup nach Verona.“

Emma: (schmunzelt) „Und das war das erste und einzige Mal, dass Martin gemeinsam mit uns mitfuhr. Nachher nie wieder.“

Sean: „Das war ein toller Start, Clooney mit Martin war Dritter im Weltcup. Und nun bin ich schon fast drei Jahre bei Martin.“

Wie viel verdienen Sie im Monat?

Sean: (grinsend)schmunzelt) „Das sagen wir Ihnen natürlich nicht, zumal ich aktuell gerade in neuen Lohnverhandlungen stecke. Wenn ich generell für die Grooms sprechen darf, kann man die Frage aber auch mit «nicht genug» beantworten. Ich finde sogar, Grooms erhalten generell zu wenig Wertschätzung. Wie ich schon erwähnte, wir fahren mehrere hundert Kilometer zu einem Turnier, wenn der Reiter dann per Flugzeug eintrifft, steht sein Pferd picobello gesattelt für ihn bereit. Und auch die Box, alles ist eingerichtet, wie es sein sollte. Also, ja, Grooms sind unterbezahlt. Ich stelle aber auch fest, dass es in gewissen Dingen in den vergangenen zwei Jahren etwas besser wurde, aber natürlich nicht überall. Viele werden noch immer «wie Dreck» behandelt – nicht nur von ihren Reitern. Auch an Turnieren. Ausnahmen gibt es, und vorbildlich ist hier zum Beispiel Aachen, da gibt es an einem Abend eine kleine Grillparty nur für uns, oder Genf. Beim Top-Ten-Finale in Genf gibt es sogar Preisgeld für die Grooms.“

Emma: „Bisher war es bei Fünfsternturnieren so, dass wir Minimum drei Mahlzeiten erhielten. Diese Regel wurde geändert und wir erhalten immer weniger und weniger. Positive Ausnahmen sind beispielsweise Basel, Genf, Aachen oder Albführen.“

Was sollte vonseiten der Veranstalter verändert werden?

 

Sean: „Ich finde, es müsste einen Minimumstandard für jede Turnierkategorie geben. Beispielsweise drei Mahlzeiten pro Tag. Zugang zu Getränken und einem Aufenthaltsraum möglichst mit Internetzugang.“

Emma: „...ja, mehr brauchen wir nicht.“

Haben Sie Ferien und wie lange und was machen Sie dann?

 

Sean: „Doch, ja, klar, wir haben in unserem Vertrag normal Ferien wie jeder andere auch. Ich habe meine in den vergangenen zweieinhalb Jahren irgendwie einfach nicht genutzt, weil ich bei Turnieren dabei sein wollte. Und dann ist die Planung von Ferien auch nicht immer ganz einfach. Wenn man den Kalender anschaut… wir sind an 47 Wochenenden unterwegs. Vielfach sind Ferien auch sehr kurzfristig, wenn Martin beispielsweise ein Turnier absagt, dann schau ich ihn kurz an und sage «Tschüss» und rausche ab.“

Emma: „In den Ferien gehe ich heim nach Finnland, um meine Familie zu besuchen und das doch ein paar Mal pro Jahr. Ich kann mit Steve zusammen meine Ferien gut planen. Beispielsweise habe ich nach der EM in Rotterdam zwei Wochen frei.“

Was ist Ihr bisher schönster und schlimmster Moment?

Sean: „Mein schönster Moment war es, Emma an der WM in Tryon zu schlagen und mein schlimmster Moment, gegen sie am Weltcupfinal zu verlieren… (lacht laut).“

Emma: „Für mich war der schönste Moment, als Albführen’s Paille den Weltcupfinal in Las Vegas gewann. Paille war so oder so ein ganz spezielles Pferd für mich. Ein schöner Moment ist es auch, wie wir Albführen’s Bianca aufbauen konnten und eine WM-Medaille gewannen. Ich glaubte immer an sie. Und der bisher schlimmste Moment war, als wir Paille dann aufgrund einer Verletzung aus dem Sport verabschieden mussten. Ach ja, und noch ein schlimmer Moment kommt mir in den Sinn. Und zwar als Nino in Rio an den Olympischen Spielen im Stechen diesen blöden Abwurf hatte. In dem Moment brach eine Welt zusammen.“

 

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