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Reiter haben nicht nur Geld im Kopf... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter   
Donnerstag, 29. Januar 2026 um 13:34

Wassenberg. Beim Blättern im Archiv gefunden, dass Ludger Beerbaum sein erstes Erfolgspferd bei einem Bauern wieder fand und zurückkaufte, dass Isabell Werth allen ihren großen Pferden ein Rentnerdasein gönnt, dass Paul Schockemöhle nicht nur an Deister hing, was Hugo Simon für Extraverträge abschloss, oder wie Heiner Engemann seinen Erfolgswallach aus Italien in einer Eilaktion zurückholte...

Der 2015 im Alter von 67 Jahren verstorbene frühere Turnierdirektor der Hallenveranstaltung im niederländischen Hertogenbosch, Jan-Gerrit Swinkels, sagte mal: „Die Vielseitigkeitsreiter lieben ihren Sport wirklich, die Dressurreiter reden meist über Lahmheiten der Pferde der Konkurrenten, und die Springreiter denken nur an Geld…“ Nicht alles stimmt, was gesagt wird. Auch Springreiter haben viel Herz und sie wissen am Ende alle, was sie ihren Partnern zu verdanken haben. Und sie geben auch zurück.

Ludger Beerbaum (62) ist zweifellos Deutschlands erfolgreichster Springreiter aller Zeiten, u.a.Rekordhalter mit 135 Nationen-Preis-Einsätzen, Einzel-Olympiasieger 1992 auf Classic Touch und Weltcupgewinner. Er, der zuletzt seinen Erfolgshengst Goldfever bis ins hohe Alter von 35 Jahren auf seiner Anlage pflegte, ist ein Rudelführer, er sagt, was er denkt, und er setzt um, was er denkt. Sein Turnierstall in Riesenbeck ist beispielhaft. Viele seiner Schüler verließen die Anlage als Könner oder Champions. Es gibt auch die andere Seite des Ludger Beerbaum, jenseits von Geschäft und Geldverdienen oder gar Selbstdarstellung.

Gegen den ehemaligen Zuchtmogul Leon Melchior vom belgischen Gestüt „Zangersheide“ führte er beispielsweise einen Prozess, um der Stute Ratina einen Lebensabend auf seiner Anlage zu gewährleisten. Und Melchior hatte nicht unrecht, denn laut Vertrag sollte Ratina zurück zu ihm als früheren Besitzer nach Ende der sportlichen Karriere.

Aber der Kontrakt lief damals mit dem Stall Moksel in Buchloe im Allgäu, wo Ludger Beerbaum nach dem Weggang von Paul Schockemöhle ab 1989 ritt.

Ratina – Team-Gold in Barcelona mit dem Niederländer Piet Raijmakers - war für genau 2.126.000 DM unmittelbar nach den Olympischen Spielen 1992 für Ludger Beerbaum von Rodo Schneider, Vorstandsvorsitzender des Fleichimperiums Moksel, gekauft worden. Nach geschäftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens Moksel wurde auch der Stall aufgelöst. Somit schien nun der Vertrag über Ratina nach Zangersheide nicht mehr gegeben. Doch Leon Melchior pochte auf Kontrakterfüllung, Ratina sollte in die Zucht und über Embryoverpflanzung so oft wie möglich tragend werden.

Gegen diese Gebärautomatik wehrte sich Beerbaum zusammen mit Rechtsanwalt Michael Klimke, das Gericht in Münster gab dem deutschen Rekordmeister Recht. Ratina durfte bei ihm bis zum Tode kurz vor Weihnachten 2010 ihren Hafer fressen.

Doch die wahre Herz- Schmerzstory sei der Stute Wetteifernde gewidmet. Das Pferd war dem damals jungen Ludger Beerbaum zur Verfügung gestellt worden, er konnte die Hannoveraner Stute auch auf Prüfungen vorstellen. Mit Wetteifernde wird Beerbaum Zweiter der Deutschen Meisterschaft der Junioren 1982, der damalige Bundestrainer Hermann Schridde wurde auf ihn aufmerkam und holte ihn zu Lehrgängen. Beerbaum, der im Gymnasium auch das Fach Musik belegt hatte, machte Karriere wie kaum ein anderer. Er kam bis ganz ach oben.

Doch er strich jene Wetteifernde nie aus dem Gedächtnis. Er hatte ihre Spur immer verfolgt, bis hin zu jenem Bauern in Belgien, wo er sie wiederfand, 23 Jahre alt, verdreckt, in einem dunklen Stall. Für 5.000 Mark kaufte er sie zurück und gab ihr das Gnadenbrot. Beerbaum: „Ihr verdankte ich doch alles, mit ihr lag ich als Junge in der Box auf Heu, sie hatte wirklich im Alter noch einige schöne Jahre verdient.“ Sie wurde 28 Jahre alt.

Die achtmalige Olympiasiegerin Isabell Werth (56) pflegte und hegt ihre alten Cracks, auch ohne als Besitzerin eingetragen zu sein. Der Gold-Wallach Gigolo, für den sein Entdecker und Eigner Dr. Uwe Schulten-Baumer keinen Platz mehr hatte, erhielt bei Isabell Werth eine Extra-Box, dazu die Stute Reha für den Weidegang. Reha musste sogar mit, als in den Tagen vor seinem Tod Gigolo in die Klinik gebracht werden musste. Apache, Antony oder Satchmo und einige andere können bei der erfolgreichsten Olympia-Reiterin in Rheinberg ihren Lebensabend bei bester Bewirtung genießen…

Hugo Simon (83), der Pfälzer, der ab 1972 für Österreich ritt, weil ihn der Deutsche Verband für nicht gut genug befand, der dreimal den Weltcup gewann, überall in der Welt bestand, holte alle seine ehemaligen Spitzenpferde zu sich nach Weisenheim am Sand. Schriftlich hatte er jeweils festgelegt, dass die Pferde zu ihm zurückkommen nach Ende der sportlichen Karriere. So hatten früher Flipper, Gladstone oder Lavendel noch gute Fresstage wie der berühmte ET und als Kompagnon Apricot.

Und Bundestrainer Otto Becker (67) konnte sich jeden Tag den wunderbaren Hengst Dobels Cento vom Wohnzimmerfenster aus auf seiner Anlage bei Warendorf begucken, wie sich der von ihm im Sport groß herausgebrachte und erfolgreiche Schimmel die Sonne auf den Balg scheinen ließ.

Paul Schockemöhle (80), von dem man nicht gerade behaupten darf, er halte sich mit Rührseligkeiten auf, päppelte vor Jahren den berühmten irischen Wallach True Blue auf. True Blue hatte er als Springpferd in die Schweiz vermittelt, doch auf der Überfahrt mit der Fähre zum Weltcupfinale in Göteborg mit Willi Melliger zog sich der Braune eine Lungenentzündung zu, ein Jahr lag er in Mühlen bei ihm im Stall mit einer Kanüle im Atmungsorgan. Andere hätten den Schlachter gerufen, PS nicht. True Blue erholte sich soweit, dass er wieder kleine Prüfungen gehen konnte. Dass der dreimalige Europameister seinem Erfolgspferd Deister das Gnadenbrot in Mühlen und dort immer in der gewohnten Box gönnte, erscheint fast logisch, dass er aber den Wallach Flint seiner damaligen Ehefrau nach der Scheidung nicht abschob, hat ebenfalls Anerkennung verdient.

Negativnachrichten lassen sich immer besser verkaufen als positive Meldungen. Stimmt. Das Positive hat dennoch ebenfalls Berechtigung, groß gebracht zu werden. Dazu gehört sicher die wunderbare Mär um den Westwalen-Wallach Aboyeur, aber auch die um seinen Reiter Heinrich-Hermann („Heiner“) Engemann (66).

Aboyeur war das Erfolgspferd des späteren Co-Bundestrainers. Vor Jahren sagte der mal, er wolle so gerne wenigstens einmal einen Preis der Nationen für Deutschland reiten, es wurden 45. Das Leben meinte es mit ihm nie einfach, aber Heiner Engemann biss sich durch. 2006 und 2008 war er jeweils Zweiter der Deutschen Meisterschaft, 2006 ritt er in Spruce Meadows bei Calgary um den Sieg im Preis der Nationen gegen die Niederlande das entscheidende Stechen, er gewann, er wurde dazu auch noch 2008 Dritter im Weltcupfinale.

Engemann hatte zwei ganz große Pferde in seinem Leben, Candela und Aboyeur. Candela war die schnellste Stute, die jemals in einem Parcours über die Hindernisse flog und mit der er auch einen wahrlich bemerkenswerten Weltrekord aufstellte: Er war in 132 schweren Springen mit der Stute erfolgreich. Doch sein Herz hing an Aboyeur.

Mit dem Westfalen-Wallach Aboyeur wurde der diplomierte Reitlehrer in den Championatskader aufgenommen, „doch die Anfangsjahre liefen nicht so leicht mit ihm“, sagt er. Aboyeur war ein Spätentwickler, am Ende hatte er 1,4 Millionen Euro an Gewinngeld eingesprungen. Für Aboyeur lagen Millionen-Angebote auf dem Tisch, er wurde nicht verkauft. Aber der Wallach gehörte nicht Engemann, sondern seinem damaligen Schwiegervater. Als seine Ehe zerbrach, wurde Aboyeur mit einem ganzen Lot weiterer Pferde an den holländischen Pferdehändler Jan Tops verkauft.

Im Stall Tops ritt den Anmarsch-Sohn zunächst der damalige Angestellte Daniel Deußer, dann wurde Aboyeur an den brasilianischen Spitzenreiter Alvaro Alfonso de Miranda Neto verkauft, der kam nicht zurecht, Aboyeur ging zurück nach Valkenswaard, Deußer hatte ihn wieder unter dem Sattel und freute sich, doch eine verdiente Bleibe bekam Aboyeur immer noch nicht. Tops verscherbelte Aboyeur nach Italien an den früheren argentinischen Fußball-Nationalspieler Hernan Crespo für dessen Ehefrau Alessia Rossi.

Mit dem ehemaligen italienischen Modell traf Heiner Engemann die Abmachung, „dass ich Aboyeur nach Ende seiner sportlichen Zeit zu mir holen kann.“ Dann war es soweit. Nach dem Großen Preis von Arezzo 2012 unweit von Rimini wurde der 18 Jahre alte Aboyeur in der Arena vom Sport verabschiedet, Heiner Engemann nahm den Sattel ab und führte den Wallach gleich auf seinen Transporter, mit dem er nach Italien gebraust war, „ich dachte nur, schnell weg, ehe sich jemand das wieder anders überlegt…“ Und das sagte er: „Dann war Aboyeur wieder bei mir zuhause, das hatte er auch verdient…“

Der berühmte Schimmel Milton wiederum hatte nicht gerade ein schönes Rentnerdasein. Zunächst jedenfalls nicht. Das britische Besitzerehepaar schickte ihn nämlich mit seinem britischen Springreiter John Whitaker (70) auf eine Abschiedstournee quer durch Europa – der „Asche“ wegen, wie man Geld bei den Springreitern nennt, ihn nochmals zu sehen, dafür hatten die Interessierten auch Geld zu zahlen. Drei Millionen Mark an Gewinngeld und 30 Autos waren wohl nicht genug. Er ging mit 22 Jahren 1999 auf der Farm von John Whitaker ein, dort hatte er noch eine gute Zeit nach dem Sport.

 

 

 

 

 


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