Sie befinden sich hier: Home Magazin Es gibt noch Wunder...

Wer ist Online

Wir haben 1464 Gäste und 1 Mitglied online

Suche

Anzeige

Banner

Anzeige

Banner
Banner

Anzeige

Banner

Anzeigenschaltung

Google Translate

German Chinese (Simplified) Chinese (Traditional) Czech Danish Dutch English French Galician Greek Hungarian Italian Japanese Norwegian Polish Portuguese Romanian Russian Spanish Swedish Turkish Ukrainian

Zugriffe seit 16.09.2009

Anzeige

Anzeige: Collagen von Olaf Rutschek

  Olaf Rutschek - mehr als
  ein Fotograf

Anmeldung



Anzeige

Banner

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Banner

Anzeige

Banner

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Fotoanfragen über KHFrieler@aol.com

Anzeige

Banner

Anzeige

Banner

Es gibt noch Wunder... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Sonntag, 31. Januar 2010 um 10:55

 

Einmalig im Reitsport

Mit einem blinden Pferd im Kader

Das wunderbare Märchen um ein Mädchen und ein Pferd

 

Innerhalb weniger Tage erblindete der bildhübsche Wallach Highway. Diagnose des Fachmannes Prof. Dr. Dr. Jozsef Toth: Nicht heilbar. Deshalb wurde die 16jährige Thea Müller seine Blindenführerin - mit phantastischem Erfolg

Der 15. Juli 2006 ist in der ganzen Familie wie in Stein ins Gedächtnis gemeißelt. Nach der Rückkehr aus dem Urlaub fuhren Mutter Bettina und Tochter Thea-Felicitas sofort in den "Felsenhof Schwelm" am Rande Wuppertals, um nach ihrem Wallach Highway zu sehen. Thea Müller (16): "Heini, so nennen wir ihn, stand in der Box, sah uns mit aufgerissenen, großen  Augen an, rührte sich aber nicht, ging uns keinen Meter wie gewohnt entgegen." Der Stalltierarzt kam, er stellte fest: "Das Pferd kann nicht mehr sehen." Schreck, Entsetzen, Hilflosigkeit. Anruf beim deutschen Mannschaftstierarzt Dr. Björn Nolting, der riet sofort, mit dem Pferd in die Tierklinik Hochmoor zum Spezialisten Prof. Dr. Dr. Jozsef Toth zu fahren. Zum eigenen Stress gesellte sich weiterer dazu. Der Rappwallach wollte nicht aus der Box, dann auch nicht auf den Hänger. Er stand wie in Bronze gegossen davor, zitterte. Erst als Thea Bein für Bein des Hannoveraners auf die Rampe setzte, bewegte sich das Pferd langsam nach oben. Prof. Jozsef Toth untersuchte eingehend, die Diagnose war eschütternd. Das mehrseitige Protokoll der Untersuchung endet mit dem Satz: Nicht therapierbar. Highway leidet an der bei Pferden relativ seltenen Krankheit  Atrophia Retinae. Die progressive Netzhautverkümmerung ist bei Pferden nicht vorhersehbar, nicht erkennbar bei einer Ankaufsuntersuchung, "eine Heilung ist beim Pferd nicht möglich" sagt Prof. Toth. Für Thea Müller, gerade erst in den Jugendkader des Landesverbandes Rheinland aufgenommen, brach eine wunderbare Welt zusammen. Mit dem sehenden Highway hatte sie bereits eine Platzierung im St.Georg erreicht, sollte nun eine Karriere abrupt zu Ende gehen? Prof. Toth, der sah, wie Mutter und Tochter litten, unterbreitete den Vorschlag, das Pferd in der Klinik zu behalten, "bis eine Entscheidung gefallen ist." Und auch Björn Nolting, Mannschafts-Veterinär der deutschen Dressur- und Spring-Equipen, bot an, das Pferd ebenfalls zu nehmen.

In vielen Fällen endet ein Pferd mit einer solchen Krankheit beim Abdecker, so brutal das auch klingen mag. Wer will mit einem blinden Pferd arbeiten, auch wenn es Wechsel springen kann und im Jahrbuch mit Siegen und einer Gewinnsumme von 2.238 Euro geführt wird, als es mit Blindheit geschlagen wurde? Im Sport zählt keine Vergangenheit, keine Schönheit, nur letzten Endes vor allem Gesundheit, ehrlicher ausgedrückt: Brauchbarkeit. Alles andere ist meist gelogen oder nur schön geredet.

Doch Thea sagte eines Morgens zu ihrer Mutter: "Entweder oder - ich versuche es mal." Das war der Beginn eines wirklichen Märchens. Thea wurde zu einem menschlichen "Blindenhund", zur Bezugsperson. Sie baute zusätzlich Vertrauen in dem Wallach auf, sie brachte ihm bei, auf bestimmte Kommandos zu hören wie: "Stopp - Komm - Pass auf." Das Pferd lernte überraschend schnell. Die Schülerin der zehnten Klasse des Gymnasiums kaufte sich einen Springreiter-Helm, ritt den Rappen zunächst in der Halle der einmaligen Anlage "Felsenhof" in Wuppertal-Schwelm und wagte sich bald ins Gelände. Thea Müller: "Heini ging Trab und Galopp auf den Reitwegen, auf für mich nicht erklärbare Weise immer in der Mitte des Weges. Bis heute ist er nicht ein einziges Mal gestolpert." Wenn sie in die Box kommt und der Rappe liegt noch, "dann bewegt er sich nicht, er steht erst auf, wenn ich wieder außerhalb der Box bin, er möchte mich nicht verletzten, was ja beim Aufstehen oder Wälzen in der Box nicht außergewöhnlich wäre. Ich merkte rasch, der Wallach orientiert sich an Gerüchen und Geräuschen, vor allem wurde mir bald eines klar: Er kann mit seinem Blindsein leben. Ich habe nicht den Eindruck, als wäre er unglücklich."

Die Architektentochter opferte aber auch gleichzeitig mehr als einen Teil ihres jungen Lebens für das Pferd, sie übernahm auch die schwere Last der Verantwortung für ein Geschöpf, dessen Sprache sie noch intensiver erlernen musste. Alles fordert immer volle Konzentration, auch das Trockenreiten in der Halle, "denn Heini sieht ja nicht, ob er nun vielleicht auf eine Bande zuläuft oder gegen einen Gegenstand." Stundenlang hält sie sich im Stall auf, beschäftigt sich mit dem elfjährigen Rappen, dessen Großvater der Trakehner Caprimond ist und der mütterlicherseits  das Weltmeyer-Blut führt. Thea Müller: "Ich stand natürlich auch selbst vor der Frage: Soll ich weiterreiten oder aufhören? Hätte ich Heini verloren, wäre das auch für mich das sportliche Ende gewesen."

Nachdem der bisherige Heimtrainer anscheinend keinen Spaß mehr fand, mit einer Reiterin auf einem blinden Pferd zu arbeiten, rief Bettina Müller die von allen nur "Pucki" gerufene Trainerin (Thomas) an, "die hat zwar zuerst auch nicht gerade Hurra gerufen, als sie hörte, das Pferd sei blind,  aber sie sagte zu und engagiert sich nun unglaublich, sie hat ganz einfach Freude an der Arbeit mit dem Wallach, auch wenn er nicht mehr sehen kann."

Die Story mit Vorgeschichte um den bildschönen Rappen könnte auch von einem Romaneschreiber erfunden sein. Bei einem Gänseessen nämlich  in der "Knittkuhl" in Düsseldorf sagte die Restaurant-Chefin Susanne Theelen zu Theas erster Trainerin Heidi Bemelmans und Bettina Müller noch vor dem Dessert, sie möchte gerne ein Pferd verkaufen, einen Rappen, der schon M-Platzierungen habe und jetzt in der Nähe von Bremen stände.

Nach Ansicht einer Videocassette packte Bettina Müller die Tochter und die gerade aus dem Krankenhaus entlassene Heidi Bemelmans in einen VW-Bus und ab ging`s nach Bremen. Heidi Bemelmans, früher selbst Grand Prix-Reiterin: "Unglaublich, da stand ein Bombenpferd, acht Jahre alt, das nicht offiziell auf dem Markt war, das konnte man kaum glauben." Thea Müller ritt das Pferd und sagte begeistert nur ein Wort: "Genial." Und gesund war der Rappe außerdem, wie die Ankaufsuntersuchung bei Dr. Björn Nolting in Weilerswist ergab.

Das Märchen scheint noch lange nicht zu Ende.  Thea Müller blieb mit dem blinden Pferd weiter im Kader und reitet Turniere, wie zum "Preis der Besten".  Landestrainer Wolfang Winkelhues aus Köln: "Ich wollte das alles nicht glauben, als ich davon hörte. Ich sagte nur: Verladen, zu mir kommen und vorreiten. Ich traute dann meinen Augen kaum, wie der blinde Wallach seine Lektionen herunterspulte. Ich sage nur: Toll für das Pferd, toll für das Mädchen und toll für unseren Sport." Prof. Dr.Dr. Jozsef Toth: "Ich kenne keinen ähnlichen Fall im Pferdesport, wenigstens nicht in Europa. Ich freue mich, dass die Familie eine solch` positive Entscheidung gefällt hat."

 

Um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu verbessern, verwenden wir Cookies. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie hier weitere Informationen. Weitere Informationen >>> Cookie-Hinweis.

Hinweis >>>